Unicef Überlebenschancen von Kindern weltweit gestiegen

Immer mehr Kinder auf der Welt erleben ihren fünften Geburtstag, berichtet Unicef. Dennoch sterben aufgrund schlechter Bedingungen viele Säuglinge im ersten Monat. Jeder dritte Todesfall ist mangelnder Ernährung geschuldet.

Polio-Schluckimpfung: Die medizinische Versorgung der Kinder weltweit wird besser
dapd

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Die weltweite Kindersterblichkeit ist in den vergangenen 20 Jahren um fast die Hälfte - 41 Prozent - gesunken. Am Mittwoch erklärte Unicef-Chef Anthony Lake in New York, dass im vergangenen Jahr 6,9 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag gestorben sind. 1990 waren es noch rund zwölf Millionen.

Der Gesundheitszustand der Kinder habe sich jedoch sehr ungleichmäßig verbessert, heißt es in dem Bericht des europäischen Kinderhilfswerks. Demnach fallen täglich immer noch 19.000 Jungen und Mädchen unter fünf Jahren schlechten Lebensbedingungen zum Opfer. Das höchste Risiko tragen die ärmsten Kinder und Kleinkinder.

Häufigste Todesursache sind Komplikationen während der Geburt. Sie führten zu 23 Prozent der Todesfälle von Kindern unter fünf Jahren. Rund drei Millionen Babys starben im vergangenen Jahr in den ersten 28 Tagen nach der Geburt. 18 Prozent der Todesfälle der unter Fünfjährigen waren auf Lungenentzündungen zurückzuführen, 11 Prozent auf Durchfallerkrankungen und 7 Prozent auf Malaria. Jeder dritte Todesfall bei Kindern hängt nach Unicef-Angaben mit chronischer und akuter Unterernährung zusammen.

Kindern in Afrika und Südasien haben schlechte Chancen

Besonders schlechte Voraussetzungen haben Kinder in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara und in Südasien. Dort wurden im vergangenen Jahr 80 Prozent der Todesfälle registriert. In Sierra Leone, dem Land mit der höchsten Kindersterblichkeit, erlebten 2011 pro 1000 Lebendgeburten 185 Kinder ihren fünften Geburtstag nicht. Zum Vergleich: In Deutschland waren es drei von 1000. Im Durchschnitt werden 51 von 1000 lebend geborenen Kindern nicht einmal fünf Jahre alt.

Fünf Länder kamen im vergangenen Jahr zusammen auf die Hälfte aller Todesfälle bei Kindern unter fünf: Indien mit 24 Prozent, Nigeria mit elf Prozent, die Demokratische Republik Kongo mit sieben Prozent, Pakistan mit fünf und China mit vier Prozent.

Dagegen machten einige Entwicklungsländer bedeutende Fortschritte: So drückte Laos seine Kindersterblichkeitsrate zwischen 1990 und 2011 um 72 Prozent, Liberia um 68 Prozent und Bangladesch um 67 Prozent. Aber auch reiche Staaten wie der Oman und Portugal hätten die Zahl der Todesfälle in den vergangenen 20 Jahren um zwei Drittel reduziert.

Kinder brauchen Impfungen, Moskitonetze und sauberes Wasser

Die Fortschritte führt Unicef vor allem auf den erfolgreichen Kampf gegen ansteckende Krankheiten zurück. So ging die Zahl der Kinder, die an Masern starben laut Bericht von geschätzten 500.000 im Jahr 2000 auf 100.000 im Jahr 2011 zurück. Die Zahl der an Durchfallerkrankungen gestorbenen Kindern sank im gleichen Zeitraum um ein Drittel von 1,2 Millionen auf 0,7 Millionen - insbesondere infolge von besserer Hygiene und Trinkwasserversorgung.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Sterblichkeitsrate schneller zurück gegangen als zuvor: So betrug der Rückgang in den 90er-Jahren 1,8 Prozent, während er zwischen 2000 und 2011 bei 3,2 Prozent lag.

Darauf ausruhen könne man sich aber nicht. "Es bleibt noch viel zu tun", erklärte der Unicef-Chef. "Mehr Kinder als je zuvor überleben ihren fünften Geburtstag." Die Welt habe aber die Technologie und das Wissen, noch wesentlich mehr Kindern das Überleben zu sichern. Die Herausforderung bestehe darin, allen Kindern die entsprechende Infrastruktur zugänglich zu machen.

"Mit Impfungen, imprägnierten Moskitonetzen und besserer Geburtshilfe stehen kostengünstige Methoden bereit, die Leben retten können", sagt Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Deshalb sei es "nicht hinnehmbar, dass in Ländern wie Sierra Leone, Somalia, Mali oder Tschad immer noch jedes fünfte bis sechste Kind nicht überlebt". Das von der Staatengemeinschaft vereinbarte Millenniumsziel, die Kindersterblichkeit bis zum Jahr 2015 um zwei Drittel gegenüber 1990 zu senken, wird laut Unicef verfehlt werden.

jme/dpa/reuters/dapd/AFP



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