Kindheit Stresshormon schädigt das Hirn

Ständiger Stress in der frühen Kindheit kann die Entwicklung des Gehirns empfindlich stören. Die Ursache dafür ist ein Hormon, das wichtige Neuronen schädigt, wollen Forscher herausgefunden haben.


Babies: Frühkindlicher Stress führt zu Gehirnschäden
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Babies: Frühkindlicher Stress führt zu Gehirnschäden

Menschen, die als Kleinkinder vernachlässigt oder missbraucht wurden, leiden oft ihr Leben lang an den Folgen: Der frühe Stress beeinträchtigt Gedächtnis und andere Gehirnfunktionen. Durch welchen Mechanismus die Schäden hervorgerufen werden, war bislang jedoch weitgehend unklar.

Nun wollen amerikanische Forscher die verantwortliche Substanz identifiziert haben: Ein verabreichtes Stresshormon verursacht bei jungen Ratten dieselben Hirnschäden wie Stressbedingungen in den ersten Lebenstagen, berichtet das Team um die Neurologin Tallie Baram von der University of California in Irvine.

Chronischer Stress führt dazu, dass Nervenzellen im Hippokampus absterben - jener Hirnregion, die für das Gedächtnis zuständig ist. Als schädigende Substanz gerieten zunächst Glukokortikoide in Verdacht, doch diese Hormone werden für gewöhnlich nicht in dem betroffenen Bereich des Hippokampus aktiv.

Baram und ihre Kollegen untersuchten deshalb die Wirkung eines Hormons, das ebenfalls mit Stress in Verbindung steht: das so genannte CRH (Corticotropin-Releasing Hormone). Die Forscher injizierten die Substanz zehn Tage alten Ratten. Im Alter von drei Monaten mussten die Tiere verschiedene Tests absolvieren, mit denen ihre Gehirnfunktionen überprüft wurden.

Die mit dem CR-Hormon behandelten Ratten schnitten dabei deutlich schlechter ab als normale Artgenossen. Im Alter von sechs und zehn Monaten war die Beeinträchtigung sogar noch stärker. Bestimmte Regionen des Hippokampus waren bei den Tieren, so zeigte sich, dramatisch geschrumpft: Dort fehlten 10 bis 20 Prozent der Neuronen.

Die Ergebnisse könnten helfen, neue Behandlungsmethoden für stressbedingte Störungen zu entwickeln, hoffen die Wissenschaftler. Ihre Studie veröffentlichten sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences".



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