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18. April 2006, 12:54 Uhr

Kindliche Entwicklung

Jüngere Menschen lesen besser in Affengesichtern

Affenlaute Gesichtsausdrücken zuzuordnen ist eine Fähigkeit, die Babys noch beherrschen, Kleinkinder aber schon nicht mehr. Wie Forscher zeigen konnten, filtert die Natur das Interpretationsvermögen im Laufe des ersten Lebensjahres aus. 

"Wie macht der Affe…?" - Babys können Gesichtsausdrücke anderer Primaten besser interpretieren als Kleinkinder, haben amerikanische Forscher gezeigt. Im Laufe der kindlichen Entwicklung verliert der Mensch diese Fähigkeit: Im Alter von vier und sechs Monaten ist es den Kleinen ein Leichtes zu erkennen, welches von zwei gezeigten Affengesichtern gerade einen bestimmten Laut produziert, wogegen ältere Kinder dazu nicht mehr in der Lage sind.

Frau mit Schimpanse: Im Kindesalter noch die Fähigkeit, die Gesichter von Affen zu lesen
Dominik Baur

Frau mit Schimpanse: Im Kindesalter noch die Fähigkeit, die Gesichter von Affen zu lesen

Dieser Unterschied zeigt, wie sich die Wahrnehmung bei Kindern entwickelt: Zuerst nehmen sie alle Reize auf und beginnen mit steigender Erfahrung, die für sie wichtigen Informationen herauszufiltern und dabei andere Dinge zu ignorieren, kommentieren David Lewkowicz und Asif Ghazanfar von der Princeton-Universität vorab online im Fachmagazin "Proceedings of the National Aacademy of Sciences".

Wenn Kinder lernen, ihre Umwelt zu erfassen und zu verstehen, verändert sich ihre Wahrnehmungsfähigkeit nach einem bestimmten Muster: Zuerst stellen sie lediglich einfache Zusammenhänge auf der Basis grundlegender Sinneserfahrungen her. Diese breite, aber undifferenzierte Wahrnehmung wird im Lauf der Zeit immer weiter verfeinert, bis schließlich auch komplexere und abstraktere Informationen erfasst werden.

So können Babys beispielsweise schon im Alter von zwei Monaten eine Verbindung zwischen Gesichtern und Stimmen herstellen, indem sie etwa auf die Dauer eines Tons und einer Mundbewegung achten. Ältere Kinder verlassen sich dagegen nicht mehr auf diese Informationen, sondern berücksichtigen bei der Stimmenzuordnung zum Beispiel das Geschlecht des Sprechers.

Verlust der Fähigkeit gehört zum Entwicklungsprozess

Diese Verfeinerung geht mit einem Filterprozess einher, beim dem auch bestimmte Fähigkeiten verloren gehen: Sechs Monate alte Babys können etwa die Gesichter von Affen genauso gut auseinanderhalten wie die von Menschen, neun Monate alten Kindern gelingt das nicht mehr.

Wie Lewkowicz und Ghazanfar nun zeigen konnten, gilt das gleiche für die Zuordnung von Lautäußerungen zu Gesichtsausdrücken bei Rhesus-Affen. Während die Kleinkinder im Versuch hauptsächlich auf die Übereinstimmung der Dauer von Lippenbewegung und Ton achteten, suchten die älteren Kinder nach abstrakteren Informationen, die im Test jedoch nicht vorhanden waren. Aus diesem Grund gelang ihnen auch die Zuordnung nicht mehr.

Das sei durchaus sinnvoll, schreiben die Forscher: Am Anfang wird jede Kombination aus Stimmen und Gesichtern registriert, egal, ob sie bedeutsam ist oder nicht. Dazu gehört auch, die Gesichter von nicht menschlichen Lebewesen genau zu beobachten. Erst das ermöglicht es dem Kind zu lernen, dass es wichtige Verbindungen zwischen unterschiedlichen Sinneswahrnehmungen gibt. Später werden zusätzlich auch anspruchsvollere Informationen ausgewertet, um die Wahrnehmung zu verfeinern. Das führt wiederum dazu, dass die zuvor registrierten Affengesichter als unwichtig kategorisiert und folgerichtig ignoriert werden, glauben die Forscher.

stx/ddp

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