Kleidungsanalyse Ötzi war ein Hirte

Nein - er war kein Jäger und auch kein Sammler: Gletschermann Ötzi trug Schuhe aus Kuhfell und Kleidung aus Schafhaut - das typische Vieh von Hirten vor 5000 Jahren. Dass Ötzi Tiere hütete, vermuten deutsche Wissenschaftler jetzt aufgrund von Haaranalysen.


Deutsche Forscher haben herausgefunden, dass Ötzi womöglich ein Hirte war. Sie haben die Kleidung der 5000 Jahre alten Steinzeitmumie massenspektrometrisch analysiert. Demnach stammen die Felle, aus denen sie hergestellt wurden von Schafen und Kühen - dem typischen Vieh, das Hirten zu jener Zeit während der saisonalen Wanderungen hüteten. Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler um Klaus Hollemeyer von der Universität des Saarlands in Saarbrücken im Fachmagazin "Rapid Communications in Mass Spectrometry" (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1002/rcm.3679).

Gletschermumie Ötzi: Rindermokassins und Schafsfellmantel
DPA

Gletschermumie Ötzi: Rindermokassins und Schafsfellmantel

Damit werde die These gestärkt, dass Ötzi zu der fortschrittlichen Gruppe der Bauern und Viehzüchter gehört haben könnte und nicht als Jäger und Sammler unterwegs war, sagte Klaus Hollemeyer vom Institut für Technische Biochemie der Saarland-Universität am Mittwoch in Saarbrücken.

Die überraschend gut erhaltene Mumie des Steinzeitmenschen ist mit rund 5300 Jahren die älteste bekannte Gletschermumie der Welt. 1991 war Ötzi an einem Gletscher am Alpenübergang Tisenjoch unweit der heutigen italienisch-österreichischen Grenze gefunden worden. Die Entdeckung hatte weltweit für großes Aufsehen gesorgt.

Ötzis Mokassins stammen vom Rind

Die Saarbrücker Forscher untersuchten Haarproben der Kleidung mittels einer selbstentwickelten Methode. Dabei wurden mit Hilfe eines Enzyms die Proteine der Proben gespalten. Die Spaltprodukte konnten dann mit einem speziellen Massenspektrometer untersucht werden, erläuterte Hollemeyer. Die Proteine seien stabiler als etwa Erbgutproben, die wegen des Alters des Fundes größtenteils zerstört seien.

Die Muster, die bei der Untersuchung zutage treten, ließen erkennen, von welchem Tier die Fellproben stammten. So sei es anhand von Referenzproben möglich gewesen, festzustellen, dass Ötzis Mokassins nicht wie bisher vielfach angenommen aus Hirsch- oder Rehfell, sondern aus Rinderfell gemacht seien. Die Hosen und der Mantel seien aus Schafsfell hergestellt worden, sagte Hollemeyer.

Mit der Methode hatten die Saarbrücker Wissenschaftler im vergangenen Jahr in den USA einen Pelzskandal aufgedeckt. Sie wiesen mit ihren Test nach, dass ein Anbieter statt synthetischem Pelz, Felle von Tieren für die Produktion von Kleidung benutzt hatte. Die Methode könnte auch helfen, das von der EU verhängte Verbot für die Verwendung von Katzen- oder Hundehaaren in der Bekleidungsindustrie zu überprüfen, sagte Hollemeyer.

lub/ddp/dpa



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