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Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

SPIEGEL-Klimabericht Königsweg zum Klimaschutz

Von Viola Kiel, Redakteurin Wissenschaft
Die Stiftung von Prinz William und Herzogin Kate vergibt hoch dotierte Preise für Umweltschutzideen und -visionen – während die Investitionsausgaben der G20 alle Ziele verfehlen. Der Wochenüberblick zur Klimakrise.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

reden wir über Geld, schon wieder. Am Sonntag, dem 17. Oktober, zeichnet die Royal Foundation of The Duke and Duchess of Cambridge, die Stiftung von Prinz William und Herzogin Kate, fünf Menschen mit einem Earthshot-Preis  aus: Für Ideen, wie drängende Umweltprobleme gelöst werden könnten, erhalten die Preisträgerinnen und Preisträger jeweils eine Million Pfund. Mit diesem Geld sollen sie wiederum Umwelt- und Naturschutzprojekte unterstützen.

Geplant ist, dass bis 2030, also über zehn Jahre lang, jährlich fünf Earthshot-Preise verliehen werden – und damit 50 Lösungen »für die größten Umweltprobleme der Welt« gefördert werden, mit insgesamt 50 Millionen Pfund.

50 Millionen Pfund sind ein Zeichen, ein kleines

Man kann den Royals nun natürlich vorwerfen, dass sie mit einer solchen Aktion lediglich ihr Image grünwaschen. Denn besonders klimafreundlich ist der Lebensstil der Königsfamilie nicht : Die Gas- und Stromversorgung der Paläste und Anwesen hat zwischen April 2017 und März 2019 einen CO₂-Ausstoß von fast 5000 Tonnen verursacht – wie viel dabei auf das Konto von William und Kate geht, wird nicht aufgeschlüsselt. Vermutlich aber mehr als der durchschnittliche Pro-Kopf-Ausstoß für Energienutzung im Vereinigten Königreich im selben Zeitraum, der bei weniger als zwölf Tonnen  lag.

Die offiziellen Reisen der Royals hatten im genannten Zeitraum einen CO₂-Ausstoß von weiteren 3344 Tonnen zur Folge. Dafür kann eine Bewohnerin aus London ungefähr tausendmal nach New York fliegen.

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Aber: Man kann das Klimaschutz-Engagement von Duke und Duchess auch als Signal werten. Schließlich müssten sie ihr Geld nicht in Klimaschutzvorhaben stecken. Viele noch viel reichere Menschen tun das auch nicht. Und sind dazu rechtlich auch nicht verpflichtet – anders als die 195 Staaten, die das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet haben.

Unter diesen Ländern kommt den 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern der Welt, der G20, eine Sonderrolle zu. Diese 20 Staaten sind für rund 80 Prozent  der weltweiten CO₂-Emissionen verantwortlich. Und diese 20 Staaten hätten gleichzeitig die finanziellen Mittel, um den Klimaschutz maßgeblich voranzutreiben.

Doch ein aktueller Bericht zeigt erneut: Die G20 gibt bei Weitem nicht genug Geld aus, um auch nur eine Chance zu haben, ihre Ziele zu erreichen.

Aktuell steuert die G20 auf ein Plus von 2,4 Grad zu

Das internationale Forschungsbündnis Climate Transparency, an dem Institute und NGOs aus 14 Ländern der G20 beteiligt sind, kommt in seinem Report zu den Klimaschutzbemühungen der G20-Staaten  zum Ergebnis: Die derzeitige Klimapolitik, die die G20 aktuell verfolgt, führt zu einer globalen Erwärmung von 2,4 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit.

Seit Beginn der Coronapandemie habe die G20 zum Beispiel 1,8 Billionen Dollar für wirtschaftliche Konjunktur- und Wiederaufbaumaßnahmen bereitgestellt. Doch nur 300 Milliarden Dollar seien in »grüne« Programme geflossen. Eine verpasste Chance, schreiben die Autorinnen und Autoren. Denn mit beinahe genauso viel Geld habe die G20 zwischen Januar 2020 und August 2021 die fossile Brennstoffindustrie subventioniert. Frühere Versprechen, diese Subventionen zu streichen, seien ignoriert worden.

Auch die Anpassung an Folgen der Klimakrise, die sich schon jetzt zeigen, kostet Geld – das klug angelegt wäre: Würde man im Zeitraum zwischen 2020 und 2030 1,8 Billionen Dollar in Frühwarnsysteme, in klimaresistente Infrastruktur, Trockenfeldbau, in Mangrovenschutz und Wassergewinnung investieren, brächte das dem Bericht zufolge einen geschätzten Nettonutzen von 7,1 Billionen Dollar.

Unter Klimawissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern herrscht darüber längst Konsens: Es wird langfristig – für alle – noch viel teurer, jetzt nicht zu investieren.

Über das Wie kann man reden, über das Ob nicht

Wie passend also, dass sich in zwei Wochen die Staats- und Regierungschefinnen und -chefs in Glasgow zur 26. Uno-Klimakonferenz treffen.

Man kann hoffen, dass sich die Weltgemeinschaft auf diesem Gipfel zu einem Investitionsprogramm verpflichtet, mit dem die Klimaziele wirklich zu erreichen sind.

Über das Wie kann dabei natürlich gerungen werden, über das Ob eigentlich nicht.

Prinz William und Herzogin Kate loben insgesamt 50 Millionen Pfund für Klimaschutzprojekte aus

Prinz William und Herzogin Kate loben insgesamt 50 Millionen Pfund für Klimaschutzprojekte aus

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Mark Cuthbert / UK Press via Getty Images

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