Klimagipfel Australien weist EU-Kritik zurück

Am Karfreitag stellen Uno-Klimaforscher ihren nächsten Teilbericht vor. Ihr Treffen in Brüssel bietet Politikern, Aktivisten und Lobbyisten Gelegenheit für Forderungen im Namen des Klimas - einen Schlagabtausch zwischen EU und Australien gab es auch schon.


Brüssel - Die Europäer sollten gefälligst vor ihrer eigenen Haustür kehren, polterte John Howard. Im Rundfunk seines Landes riet der australische Premierminister den EU-Staaten, lieber erst einmal ihre selbst gesetzten Ziele zu erfüllen, bevor sie anderen kluge Ratschläge gäben. So liege etwa Spanien 36 Prozent, Dänemark 25 und Italien und Portugal jeweils 20 Prozent über den EU-Vorgaben für die CO2-Reduktion.

Farmer in Australien: Das Land erlebt die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten, aber gute Ratschläge zum Klimaschutz sollen die Europäer bitte erst einmal selbst umsetzen, so Premierminister Howard
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Farmer in Australien: Das Land erlebt die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten, aber gute Ratschläge zum Klimaschutz sollen die Europäer bitte erst einmal selbst umsetzen, so Premierminister Howard

Die wenig diplomatische Äußerung war eine Retourkutsche, adressiert an den EU-Umweltkommissar Stavros Dimas. Als am gestrigen Montag in Brüssel der Weltklimarat IPCC der Uno zu den Schlussberatungen über seinen zweiten Teilbericht zusammentrat, hatte Dimas die Gelegenheit genutzt, um auszuteilen:

  • Die USA und Australien hatte er kritisiert, weil sie das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben
  • Mit Blick auf Australien könne er das nicht verstehen, wo doch 80 Prozent der Australier Kyoto unterstützten
  • Nur wenn die USA mitmachen würden, könne es auch gelingen, die Schwellenlänger Indien und China in die Pflicht zu nehmen

Das Treffen in der belgischen Hauptstadt ist ein Ringen der Diplomaten und Strategen. Am Karfreitag wollen Wissenschaftler und Regierungsvertreter aus 124 Ländern den zweiten von insgesamt vier Teilen des diesjährigen Weltklimaberichts vorstellen. Schon bei den Beratungen zum Bericht der Arbeitsgruppe eins in Paris hatte sich gezeigt: Bei den wichtigen Formulierungen in der Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger wird bis in die letzte Nacht um jedes Wort gerungen.

Eckpunkte bekannt, Formulierungen spannend

Die Eckpunkte dessen, was die Arbeitsgruppe zwei am Freitag vorstellen wird, sind indes bereits bekannt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE werden die Forscher erklären: Keine Weltregion bleibt vor den Folgen verschont, vier trifft es allerdings besonders hart: die Arktis, die kleinen pazifischen Inselstaaten, Afrika südlich der Sahel-Zone und die dichtbevölkerten Flussmündungen Asiens.

"Wir müssen verstehen, was der Klimawandel für uns in unserem Leben bedeutet und wie er die Natur und soziale Systeme beeinflusst", sagte IPCC-Präsident Rajendra Pachauri. Der neue Bericht soll dem G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm vorgelegt werden.

Einer der Mitverfasser des zweiten Teils, Wolfgang Cramer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, hat vor Klimakatastrophen in der Dritten Welt gewarnt. "Es wird großes Leid geben, das uns wirtschaftlich wie moralisch nicht unberührt lassen wird. Wir müssen uns auf große Hilfsprogramme einrichten", sagte Cramer im ARD-Morgenmagazin.

Brüssler Klimagipfel: Forum der Forderungen

Die Woche vor Ostern wird wegen der Brüssler Veranstaltung zum großen Termin für Forderungen aller Art - von Politikern, Klimaforschern, Umweltaktivisten und Unternehmen -, die sich auf die Klimadebatte beziehen:

  • Im Vorfeld des Brüssler Treffens hatten Umweltschützer und Entwicklungshelfer bemängelt, dass die reichen Nationen die Entwicklungsländer mit den Folgen der globalen Erwärmung alleine lassen. Natürlich fordern die Kritiker mehr Engagement.
  • Der Energiemanager Werner Müller, früher parteiloser Wirtschaftsminister in der Bundesregierung Gerhard Schröders und heute Vorstandsvorsitzender des Ruhrkohle-Konzerns (RAG), plädiert in der Wochenzeitung "Die Zeit" für den Bau neuer Atomkraftwerke in Deutschland. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte im Interview ebenfalls mit der "Zeit", es sie "dummes Zeug", wenn spekuliert werde, dass er am Atomausstieg zweifle. Ende des Monats will er einen Plan vorstellen, wie CO2-Reduktion auch ohne neue Kernreaktoren realistisch sein soll.

In derselben Zeitung sagte Peter Brabeck-Letmathe, Vorstandschef des schweizer Lebensmittelkonzerns Nestlé, die Wasserknappheit in der Welt sei noch eine viel größere Bedrohung als der Klimawandel. Sein Unternehmen hat in den vergangenen Jahren massiv ins Geschäft mit Trinkwasser investiert.

stx/AP/ddp

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