Christian Stöcker

Ernüchternde Klimakonferenz COP27 Im Hintergrund agieren die Saboteure

Christian Stöcker
Eine Kolumne von Christian Stöcker
Die Klimakonferenz von Scharm al-Scheich endet mit einer Enttäuschung – und das hat seine Gründe. Es wird Zeit, die Saboteure klar zu benennen. Zumal nachweisbar ist, wie sie agieren.
Logo des Ölkonzerns Saudi Aramco: Augenwischerei, Greenwashing, Ablenkungsmanöver

Logo des Ölkonzerns Saudi Aramco: Augenwischerei, Greenwashing, Ablenkungsmanöver

Foto:

Hamad I Mohammed / REUTERS

Die Klimakonferenz in Ägypten ist zu Ende, und das Ergebnis ist durchwachsen. Nach rund zwei Wochen harter Verhandlungen einigten sich die Delegierten auf einen eigenen Finanztopf, aus dem arme Länder einen Ausgleich erhalten sollen für Verluste und Schäden, die durch den Klimawandel entstehen. Doch der Erfolg hat einen hohen Preis: Beim Klimaschutz, also dem Ausstieg aus fossilen Energien und dem Runterfahren von Emissionen, gab es kaum Fortschritte.

Eine entscheidende Rolle bei dieser Konferenz spielte einmal mehr China , der mittlerweile größte CO₂-Emittent des Planeten. Doch das Land allein verantwortlich zu machen, das wäre ein weiterer Erfolg für die, die in Wahrheit die größte Schuld tragen.

Ein Hinweis auf die tatsächliche Lage: In Scharm al-Scheich waren 636 Lobbyisten von Öl-, Gas- und Kohlekonzernen  akkreditiert.

Legitime Ziele für die Klimawut

Die anscheinend so komplexe Landschaft der Klimapolitik teilt sich, wenn man von China einmal absieht, in zwei sehr übersichtliche Lager: All diejenigen, die tatsächlich aus fossilen Brennstoffen aussteigen wollen, so schnell wie möglich. Und all diejenigen, die mit der Förderung und dem Verkauf von Roh-CO₂ Geld verdienen, und deren Handlanger in Medien, Politik und Randgebieten der Wissenschaft.

Die letztere Gruppe ist dafür verantwortlich, dass viele Menschen auf diesem Planeten immer noch nicht begriffen haben, wie gefährlich unsere Lage ist.

Wer zahlt, schafft an

Ein paar aktuelle Beispiele: In »Nature Climate Change« erschien kürzlich eine Studie , die nachweist, was passiert, wenn Unternehmen aus der Fossilbranche Energieforschung finanzieren. Forschungszentren, die von der Gasbranche gefördert werden, »bevorzugen in ihren Berichten Erdgas gegenüber erneuerbaren Energien«. Bei tatsächlich unabhängigen, nicht von fossilen Interessensgruppen finanzierten Forschungseinrichtungen, »zeigt sich das gegenteilige Muster, mit einer neutraleren Einstellung zu Erdgas und einer Bevorzugung von Solarenergie und Wasserkraft.«

Mit anderen Worten: Die Fossilbranche kauft sich Ergebnisse, die ihren Interessen dienen sollen. Immer noch.

Sabotage mit allen erdenklichen Mitteln

Gleichzeitig sabotieren Vertreter fossiler Interessen weiterhin den Ausbau der erneuerbaren Energien. Das hat seinen Grund: Erneuerbare Energien sind mittlerweile konkurrenzlos billig. Es ist also im Interesse derer, die weiterhin CO₂ verkaufen wollen, diesen Umstand zu verschleiern oder zumindest seine Umsetzung in politisches und wirtschaftliches Handeln zu verhindern.

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Aktuelles Beispiel: In den USA gibt es derzeit diverse Klagen von »Anwohnern« gegen Offshore-Windkraftanlagen. Der Ausbau erneuerbarer Energien soll also mit dem Rechtssystem als Bremsklotz behindert werden. Dieses Vorgehen kennen wir auch aus Deutschland.

In den USA zeigt sich bei genauem Blick ein Muster: Hinter vielen Klagen stecken in Wahrheit Interessenvertreter der Fossilbranchen. Dort klagen »Anwohnergruppen« derzeit aus vielfältigen Gründen gegen Windkraftanlagen auf hoher See: Zum »Schutz der Wale«, weil ein Offshore Windpark angeblich den Immobilienpreisen schade (in Wahrheit tut das die Klimakrise ) oder zugunsten der lokalen Fischereibranche.

Mitfinanziert werden solche Klagen  immer aus der gleichen Richtung: aus der US-Öl- und Gasbranche, beziehungsweise von deren absichtlich undurchsichtigem Geflecht aus »Think Tanks«, »Stiftungen«, »Instituten« und »Fonds«. Oft haben sich die gleichen Gruppen nur wenige Jahre zuvor noch für großzügige Regelungen für Ölforderung  vor der Küste eingesetzt – an den gleichen Stellen, an denen sie Windparks nun angeblich für gefährliche Umweltsünden halten.

Netz aus Tarnorganisationen

Die Szene ist auch international hochgradig vernetzt. Der US-Amerikaner John Droz , der seit mehr als zehn Jahren gegen Solar- und Windenergie agitiert, Zweifel am menschengemachten Klimawandel sät und auch andere in der Kunst der Agitation ausbildet , tritt auch beim Deutschen »EIKE«-Institut auf. Einer Organisation von Klimawandelleugnern- und Abwieglern, der heute zum Glück nur noch die AfD zuhört. Droz ist eine Art Coach für Klimawandelleugner und (dem Anschein nach) Ein-Mann-Lobbyist in einem.

Er behauptet weiterhin, dass Wind- und Sonnenenergie in Wahrheit gar nichts bringen – eine groteske Position angesichts der Tatsache, dass etwa Deutschland mittlerweile fast die Hälfte seiner Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien bestreitet . Ansonsten behauptet er in seinem Newsletter, dass die USA gerade vom Kommunismus überrannt werden, weil die Republikaner bei den Kongresswahlen so schlecht abgeschnitten haben.

Wie eiskalt die Verkäufer des fossilen Gifts immer noch vorgehen, zeigte sich auch in Scharm al-Scheich wieder: Offenbar versuchten Länder wie Saudi-Arabien, die ihren Reichtum ausschließlich Öl und Gas verdanken, jeden Hinweis auf fossile Brennstoffe aus der Abschlusserklärung herauszuhalten.

Die Anzeige ist so teuer wie der Wasserstoff

Im aktuellen »Economist« schaltete Saudi-Arabiens Ölkonzern Aramco eine doppelseitige Farbanzeige mit der Frage, wie man »einen der Kraftstoffe der Zukunft liefern« könne. Im klein gedruckten Text ist zu lesen, dass ein Tochterunternehmen von Aramco »40 Tonnen blauen Wasserstoffs« nach Japan verschifft habe. Blauer Wasserstoff ist Wasserstoff, der aus Erdgas hergestellt wird. Er kostet in der Golfregion derzeit geschätzte 4600 bis 4800 Euro pro Tonne . Es kann gut sein, dass die Doppelseite im »Economist« teurer war als der Gesamtwert der 40 Tonnen »blue hydrogen«, die darin gepriesen werden.

Vor allem aber ist »blauer« Wasserstoff selbst in Saudi-Arabien schon heute teurer als »grüner«, also Wasserstoff, der aus Wasser und erneuerbar gewonnenem Strom hergestellt wird. Der sollte in Saudi-Arabien dem Commodity-Preis-Fachdienst »Platts«  zufolge derzeit etwa 3200 Euro pro Tonne kosten. »Blauer« Wasserstoff ist also mehr als ein Drittel teurer – aber er wird eben aus fossilem Erdgas erzeugt, und das möchte Saudi-Arabien auch weiterhin gern verkaufen. Das Gerede von den »Kraftstoffen der Zukunft« ist Augenwischerei, Greenwashing, ein Ablenkungsmanöver. Die Wahrheit hat Saudi-Arabiens Energieminister vergangenes Jahr ausgesprochen: »Wir machen weiter bis zum letzten Mann, jedes Molekül Kohlenwasserstoff wird herausgeholt.«

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Dann lügen sie

Deswegen finanziert die Fossilbranche weiterhin Desinformation, sie torpediert den Übergang zu erneuerbaren Energiequellen, wo sie kann, sie beeinflusst und/oder kauft Politikerinnen und Politiker, manchmal sogar Richterinnen und Richter.

Angesichts der akuten Notlage, in der sich die Menschheit längst befindet, ist das weit mehr als Lobbyismus: Es ist eine verbrecherische Manipulation, bewusste Sabotage einer erstrebenswerten Zukunft für die gesamte Menschheit.

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