News zum Klimagipfel am Dienstag Brasilien und Russland stimmen Schutz ihrer Wälder zu

Die Rodung riesiger Waldflächen in Brasilien und Russland soll ein Ende haben. Beide Staaten haben ein Schutzabkommen unterzeichnet – aber Umweltschützer haben Zweifel.
Feuer im brasilianischen Regenwald

Feuer im brasilianischen Regenwald

Foto: Fernando Souza / ZUMA Wire / IMAGO
Auch Brasilien und Russland wollen Wälder schützen

15.21 Uhr: Mehr als hundert Staats- und Regierungschefs haben sich bei der Uno-Klimakonferenz COP26 zu einem verstärkten Kampf gegen die globale Vernichtung der Wälder verpflichtet. Eine entsprechende Erklärung wurde am Dienstag bei dem Treffen in Glasgow wie geplant verabschiedet, wie die britischen Organisatoren mitteilten.

Demnach soll die Entwaldung im Kampf gegen die Erderwärmung bis 2030 gestoppt werden. Zu den Unterzeichnern zählen auch Brasilien und Russland, die wegen der raschen Abholzung ihrer Wälder in der Kritik stehen. Klimaaktivisten kritisierten das Zieldatum als zu spät.

Der britischen Regierung zufolge umfasst die Übereinkunft mehr als 85 Prozent der Wälder weltweit, darunter die borealen Nadelwälder in Kanada, der Amazonas-Regenwald in Brasilien und der tropische Regenwald im Kongobecken. Unterstützt wird das Vorhaben mit umgerechnet 17 Milliarden Euro an Finanzzusagen.

Allerdings hatten rund 200 Teilnehmer eines Uno-Klimatreffens in New York bereits 2014 angekündigt, die Entwaldungsrate bis 2020 zu halbieren und die Entwaldung bis 2030 zu stoppen. Dennoch geht die Abholzung in industriellem Maßstab ungebremst weiter, nicht zuletzt im Amazonas-Regenwald unter der Regierung des rechtsradikalen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Glasgower Initiative als unzureichend. Damit werde praktisch grünes Licht gegeben »für ein weiteres Jahrzehnt der Entwaldung«.

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Britischer Premier Johnson zeigt sich »vorsichtig optimistisch«

19.36 Uhr: Nach den ersten drei Tagen des Klimagipfels lobte der britische Premierminister Boris Johnson erste Erfolge, warnte aber vor voreiligem Optimismus. »Es liegt noch ein sehr langer Weg vor uns«, sagte er. Angesichts der schon getroffenen Vereinbarungen sei er jedoch »vorsichtig optimistisch«. Johnson bemühte einen Fußball-Vergleich: Auf dem Weg zum G20-Gipfel in Rom – unmittelbar vor der Klimakonferenz – habe er noch gesagt, wäre dies ein Fußballspiel mit dem Klimawandel, läge die Menschheit 1:5 hinten. Nach den ersten Verhandlungstagen könne man sagen, dass die Menschheit ein oder vielleicht sogar zwei Tore aufgeholt habe. Und es gebe Chancen, »diese Sache in die Verlängerung zu bringen«.

Staaten wollen Ökostrom besser verteilen

19.30 Uhr: Mehr als 80 Staaten wollen weltweit ihre Stromnetze besser miteinander verknüpfen, um klima- und umweltfreundliche Energie zum Nutzen aller besser zu verteilen. Die sogenannte »Green Grids«-Initiative wurde am Dienstag von den Regierungen Indiens und Großbritanniens auf der Weltklimakonferenz in Glasgow vorgestellt. Die Idee: Ökostrom aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft soll über Grenzen und Zeitzonen hinweg weitergeleitet werden. Der Initiative angeschlossen haben sich unter anderem auch Deutschland, die USA, Frankreich und Australien.

Uno: Hungersnot in Madagaskar durch Klimawandel verursacht

16.44 Uhr: Der Klimawandel ist nach Uno-Angaben die Ursache der verheerenden Hungersnot in Madagaskar. »Dies ist die einzige Hungersnot aufgrund des Klimawandels weltweit«, sagte der stellvertretende Direktor des Welternährungsprogramms (WFP), Arduino Mangoni, am Dienstag vor Journalisten. Es sei zu befürchten, dass »in den kommenden Monaten und Jahren« vergleichbare Hungersnöte entstünden.

Verantwortlich für die aktuelle Hungersnot in Madagaskar ist den Angaben zufolge die schlimmste Dürre auf dem südostafrikanischen Inselstaat seit rund 40 Jahren. Fast 30.000 Menschen in dem Land leiden laut dem WFP Hunger, 1,3 Millionen weitere sind demnach von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen.

Dem WFP-Experten zufolge droht eine weitere Zuspitzung der Lage in Madagaskar bis zur nächsten Erntesaison im März und April. Auch in anderen Staaten der Erde leiden Menschen Hunger, etwa im Jemen, dem Südsudan und der äthiopischen Krisenregion Tigray. Hintergrund dieser Krisen sind laut Mangoni aber bewaffnete Konflikte und nicht der Klimawandel.

Methan-Initiative: Joe Biden verkündet ersten Erfolg

15.21 Uhr: Die Europäische Union und die USA gewinnen bei der Uno-Klimakonferenz offenbar weitere Unterstützer für ihre Initiative, den Methanausstoß bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Mittlerweile liege die Zahl der Staaten, die mitmachen wollen, bei 100, sagte US-Präsident Joe Biden am Dienstagnachmittag. Zuvor war von 80 Staaten die Rede. Das Gas ist in der Atmosphäre schädlicher als Kohlendioxid.

Biden sprach von einem »wegweisenden Engagement«. Er sagte in Glasgow, das 30-Prozent-Ziel könne wahrscheinlich sogar übertroffen werden. Biden präsentierte zugleich einen nationalen Aktionsplan zur Reduzierung des Methanausstoßes in den USA. Damit soll unter anderem der Methanausstoß von Öl- und Gasbohrlöchern, von Pipelines und von Mülldeponien deutlich reduziert werden.

»Den Ausstoß von Methan zu reduzieren, ist eines der effizientesten Dinge, die wir tun können«, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Dienstag in Glasgow. Der Ausstoß von Methan in die Atmosphäre habe einen erheblichen Beitrag zur Erderwärmung. »Das ist die am tiefsten hängende Frucht«, die man schnell und effektiv reduzieren müsse.

Methan ist das zweitschädlichste Treibhausgas und verantwortlich für Klimaerwärmung und Luftverschmutzung. Die im September ins Leben gerufene Initiative hat zum Ziel, Methanemissionen bis 2030 um knapp ein Drittel gegenüber 2020 zu senken. Wenn sie erfolgreich umgesetzt wird, könnte die Klimaerwärmung bis 2050 der EU-Kommission zufolge um rund 0,2 Grad reduziert werden. Mit dabei sind neben Deutschland unter anderem auch Frankreich, Kanada, Israel und Japan.

Methan entsteht zum Beispiel in der Landwirtschaft, auf Abfalldeponien oder in der Öl- und Gasindustrie. Einer von der EU-Kommission zitierten Statistik des Weltklimarats (IPCC) zufolge ist Methan für die Hälfte der bisherigen Klimaerwärmung von rund einem Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit verantwortlich.

US-Präsident: Millionen neue Jobs in den »Industrien der Zukunft«

13.26 Uhr: US-Präsident Joe Biden hat dazu aufgerufen, beim Bau neuer Infrastruktur immer schon die Folgen des Klimawandels mit zu berücksichtigen. So müsse etwa bei Verkehrswegen schon der Anstieg des Meeresspiegels mitbedacht werden, und neue Gesundheitszentren oder Versorgungsleitungen müssten Extremwetter widerstehen können, sagte er am Dienstag auf der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow.

Auch müssten nachhaltige hohe Standards beim Bauen gelten, um etwa Korruption auszuschließen, die Umwelt nicht zu schädigen und Steuerzahler vor Ort nicht zu überfordern. Um das Ziel einer Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, seien Billionen US-Dollar an Investitionen nötig, sagte Biden weiter. Dazu müsse auch der private Sektor mobilisiert werden.

Die Klimakrise biete dabei auch ökonomische Chancen, sagte er. Es gehe um Millionen Jobs in den »Industrien der Zukunft«. Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterstützte den Appell. Der britische Gastgeber Boris Johnson erklärte: »Dies kann der Moment sein, an dem wir die Welt aufwerten.« Es sei wichtig, dass zeitgleich überall die gleichen Weichen gestellt würden.

Umweltstaatssekretär: Zusammenarbeit nur »ohne Beschiss«

13.09 Uhr: Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth hat auf eine Lösung zu den genauen Regeln des Pariser Klimaschutzabkommens gedrungen. Er bezeichnete die bislang nicht ausformulierten Passagen zur Kooperation der Staaten beim Klimaschutz als »größte Bremse« bei den internationalen Verhandlungen. »Das ist diplomatischer Ballast, das muss weg«, sagte Flasbarth. Konkret gehe es darum, Regeln festzulegen, wie Staaten sich etwa die Reduktion von Treibhausgasen anrechnen lassen dürfen, die ein anderer Staat im Rahmen einer Vereinbarung übernimmt.

Flasbarth betonte, dass es eine Zusammenarbeit nur »ohne Beschiss« geben könne. Dass sich Staaten Emissionen, die nur einmal eliminiert werden, doppelt anrechnen lassen, müsse dringend vermieden werden. Umweltverbände kritisierten hier bislang vor allem die Rolle Brasiliens, das bislang auf diese Doppelanrechnung gepocht hatte.

Flasbarth betonte, dass die Verhandlungen im schottischen Glasgow diese Regelwerklücke im Pariser Abkommen schließen müssten. »Das muss jetzt gelingen«, sagte Flasbarth. Alles andere wäre »bitter«.

Schwierigkeiten sieht der Umweltstaatssekretär auch bei den nationalen Klimaschutzzielen der großen Verursacher von Treibhausgasen wie China. »Die Rolle von China ist enttäuschend«, sagte Flasbarth. Die Zusage Chinas, bis 2060 CO₂-neutral werden zu wollen, sei von »etlichen anderen« bereits überholt worden. Es sei wichtig, dass China bis dahin auch andere Treibhausgase wie Methan neutralisiere und sich nicht nur auf Kohlenstoffdioxid beschränke. Außerdem bleibe das Land nach wie vor ein Bekenntnis schuldig, bis 2030 seine Emissionen senken zu wollen. »Wir müssen dringend bei den Zielen für 2030 besser werden«, sagte Flasbarth.

Deutschland unterstützt Südafrika beim Kohleausstieg

12.27 Uhr: Deutschland stellt für die Energiewende in Südafrika 700 Millionen Euro zur Verfügung. Damit wolle man zusammen mit der Weltbank, privaten Investoren und weiteren Geldgebern insgesamt 8,5 Milliarden Dollar mobilisieren, sagte Entwicklungshilfe-Staatssekretärin Maria Flachsbarth am Dienstag in Glasgow.

Mit dem Geld wolle man den Ausbau erneuerbarer Energien voranbringen, das Stromnetz ausbauen und modernisieren sowie die sozialen Folgen für Minenarbeiter abfedern. Die Energiepartnerschaft mit Südafrika hatte Kanzlerin Angela Merkel bei ihrer Rede in Glasgow am Montag angekündigt.

In Südafrika kommen 90 Prozent des Stroms aus Kohlekraftwerken. Im Bergbau sind laut Flachsbarth 90.000 Minenarbeiter beschäftigt. Die südafrikanische Wirtschaft leidet unter Energieknappheit und häufigen Stromausfällen.

Ministerin im Rollstuhl kritisiert Uno für fehlende Barrierefreiheit

12.01 Uhr: Die auf einen Rollstuhl angewiesene israelische Energieministerin Karine Elharrar musste stundenlang vor dem Konferenzgebäude in Glasgow ausharren. »Es ist traurig, dass die Uno, die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen fördert, sich im Jahr 2021 nicht um Barrierefreiheit bei ihren Veranstaltungen kümmert«, schrieb Elharrar auf Twitter.

Laut Medienberichten versuchte die Ministerin erfolglos, über mehrere Eingänge in das entscheidende Gebäude zu kommen. Die Organisatoren hätten der Ministerin zudem die Fahrt mit einem Shuttle angeboten, das allerdings auch keinen rollstuhlgerechten Zugang gehabt habe. Elharrar habe zwei Stunden draußen gewartet und sei dann wieder in ihr Hotel zurückgekehrt.

Der britische Botschafter in Israel, Neil Wigan, entschuldigte sich bei der Politikerin und zeigte sich verstört über den Vorfall. »Wir wollen eine Weltklimakonferenz, die einladend und inklusiv für jeden ist«, schrieb er auf Twitter.

Großbritanniens Umweltminister George Eustice bedauerte den Vorfall ebenfalls. Er machte aber auch mangelnde Kommunikation von israelischer Seite dafür verantwortlich. »Was normalerweise in dieser Situation passieren würde, ist, dass Israel uns über diese besondere Anforderung für ihre Ministerin informiert hätte«, so Eustice im BBC-Radio.

Studie: Klimaschutz rechnet sich auch schon kurzfristig

11.57 Uhr: Investitionen in den Klimaschutz lohnen sich finanziell nicht nur auf lange Sicht, sondern bereits in den kommenden Jahren. Zu diesem Schluss kommt eine Forschergruppe am Beispiel der USA. So würden Maßnahmen, die zur Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels führen, etwa die Luftverschmutzung schnell verringern – mit entsprechenden finanziellen Entlastungen.

Gesündere Menschen und höhere Ernteerträge würden im Fall der USA zu Einsparungen von 163 Billionen Dollar bis 2050 führen, schreiben die Wissenschaftler um Drew Shindell von der Duke University in North Carolina im Fachjournal »Proceedings of the National Academy of Sciences« (PNAS). Mehr dazu lesen Sie hier.

Weltklimarat-Experten halten Erderwärmung um drei Grad für wahrscheinlich

11.35 Uhr Viele Experten des Weltklimarates (IPCC) sind pessimistisch: 60 Prozent fürchten, dass sich die Erde bis Ende des Jahrhunderts um mindestens drei Grad im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung erwärmen wird. Nur jeder Fünfte gab in einer »Nature«-Umfrage an, dass das Ziel, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, noch erreicht wird.

Das Fachmagazin betont , dass die Umfrage nicht repräsentativ ist und dass die Antworten der Teilnehmer persönliche Meinungen widerspiegeln. 234 Autorinnen und Autoren zählte der letzte IPCC-Bericht, an der Umfrage haben sich 92 beteiligt. Dennoch biete das Ergebnis Einblick in die Perspektive eines großen Teils der Fachwelt.

82 Prozent der Teilnehmer gehen demnach davon aus, noch zu ihren Lebzeiten katastrophale Auswirkungen des Klimawandels zu erleben. Rund die Hälfte überdenkt, wo sie leben wollen und ob sie Kinder bekommen sollten oder nicht. Mehr als 60 Prozent gaben an, dass sie wegen ihrer Sorge um den Klimawandel Ängste und Trauer empfinden.

Gerade die Einschätzung von Klimaforschern sollte aufhorchen lassen, zitiert »Nature« die Klimageografin Diana Liverman von der University of Arizona in Tucson. »Die Tatsache, dass sie pessimistisch sind, sollte uns umso besorgter machen.« Die Meinungen der Wissenschaftler stehen im starken Kontrast zu den Hoffnungen, die gerade auf der Uno-Klimakonferenz in Glasgow ruhen.

In den Antworten der Wissenschaftler zeige sich auch die Skepsis gegenüber den politischen Versprechen von Regierungen. Im Pariser Klimaabkommen hatten sich die Staaten verpflichtet, die Erderwärmung mit entsprechenden Maßnahmen auf unter zwei Grad, am besten 1,5 Grad, zu begrenzen. Doch die bislang vorgelegten Pläne zur CO₂-Reduktion reichen dafür nicht aus.

Die bislang angekündigten Maßnahmen würden auf eine Erderwärmung von 2,7 Grad hinauslaufen, so ein Bericht des Uno-Umweltprogramms. In ihrem Bericht vom August hatten die IPCC-Experten geschrieben, dass die Ziele noch erreicht werden können, es aber eine »sofortige, schnelle und umfassende Reduktion« des Treibhausgasausstoßes brauche.

»Fossil des Tages«: Gastgeber Großbritannien mit Negativpreis ausgezeichnet

11.29 Uhr: Die britische Regierung als Ausrichterin des Weltklimagipfels ist von den Umweltschützern des Climate Action Network (CAN) zum »Fossil des Tages« gekürt worden – unter anderem wegen Organisationsmängeln bei dem Mammuttreffen in Glasgow mit 28.000 Teilnehmern. Die versprochene inklusive Einbindung aller Interessen und Aktivisten zeige sich derzeit vor allem in dem, was die Briten am besten könnten: nämlich »in der Kunst des Schlangestehens«, erklärten sie ironisch.

An den ersten beiden Tagen hatten sich sehr lange Schlangen vor dem Kongresszentrum gebildet. Die Wartezeit betrug etwa am Dienstag weit mehr als eine Stunde bis zum Sicherheitscheck.

CAN rügte zudem, Vertretern der Zivilgesellschaft, die von weither angereist seien, werde gesagt, es gebe keinen Platz in den Veranstaltungen und sie sollten diese online anschauen. »Da hätten wir gleich zu Hause bleiben können – obwohl: Dann hätten wir das Wetter verpasst«, bilanzierten sie mit Blick auf den trüben schottischen Herbst.

Man hoffe, dass dieser Negativpreis der COP26-Präsidentschaft in dieser Hinsicht ein »Weckruf« sei. Vertreter der Zivilgesellschaft und Klimaaktivisten müssten als gleichwertige Partner behandelt werden, erklärte das Netzwerk.

Ebenfalls zum »Fossil des Tages« gekürt wurde Australien, das stark vom Kohleexport profitiert. Das Land überbiete alle darin, die COP an einen »Tiefpunkt« zu führen, hieß es kritisch vom Climate Action Network. So habe die Regierung nicht nur sehr schwache Pläne zum Klimaschutz präsentiert, sondern in den vergangenen Monaten auch noch drei neue Kohleprojekte genehmigt.

Studie nennt Klimawandel als Hauptursache für Waldbrände in den USA

10.41 Uhr: Der Klimawandel ist einer neuen Studie zufolge die Hauptursache für die verheerenden Waldbrände in den USA. Zwischen 2001 und 2018 zerstörten Brände im Westen der USA pro Jahr durchschnittlich 13.500 Quadratkilometer Land – und damit doppelt so viel wie zwischen 1984 und 2000. »Es ist so viel schneller passiert, als wir bisher angenommen hatten«, sagte die Klimaforscherin Rong Fu der »Los Angeles Times«.

Um zu verstehen, was zu der deutlichen Verschlechterung der Lage binnen kurzer Zeit geführt hat, analysierten Fu und ihr Team für die am Montag in der Fachzeitschrift »PNAS« veröffentlichte Studie verschiedene Faktoren, die das sogenannte Sättigungsdefizit (VPD) der Luft beeinflussen. Dieser Wert gibt an, wie viel Feuchtigkeit die Luft bei einer bestimmten Temperatur aufnehmen kann.

Je höher das Defizit ist, umso mehr Wasser wird aus dem Boden und aus der Vegetation gezogen. Diese trocknen dann aus und die Waldbrandgefahr erhöht sich.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Zunahme der Waldbrände im Westen der USA während der Sommermonate eng mit dem Sättigungsdefizit der Luft zusammenhängt. Von 2001 bis 2018 stieg die Zahl der Tage mit einem hohen VPD-Wert der Studie zufolge von Mai bis September um 94 Prozent im Vergleich zum vorher untersuchten Zeitraum.

Den Berechnungen von Fu und ihrem Team zufolge waren natürliche Klimaschwankungen nur für einen durchschnittlichen Anstieg des VPD um 32 Prozent verantwortlich. Die restlichen 68 Prozent des Anstiegs in den vergangenen 20 Jahren seien auf die globale Erwärmung zurückzuführen.

Skepsis gegenüber Plänen zum Stopp von Entwaldung bei Uno-Klimakonferenz

10.13 Uhr: Experten haben die angekündigten Pläne zum Stopp der Entwaldung bis 2030 beim Uno-Klimagipfel in Glasgow teilweise mit Skepsis aufgenommen. Eine ähnliche Erklärung aus dem Jahr 2014 habe sich als vollkommen wirkungslos erwiesen, sagte der Klima- und Waldexperte Simon Lewis vom University College London der BBC am Dienstag. »Es ist eine gute Nachricht, dass sich so viele Länder politisch dazu verpflichtet haben, die Entwaldung zu beenden, und dass erhebliche Mittel zur Verfügung stehen, um auf diesem Weg voranzukommen«, so Lewis. Die Welt sei aber bereits vor Jahren schon an diesem Punkt gewesen.

Die neue Abmachung gehe auch nicht das Problem der wachsenden Nachfrage nach Produkten wie Fleisch an, die auf gerodeten Regenwaldflächen produziert werden. Dazu müsse der hohe Fleischkonsum in Ländern wie den USA und Großbritannien thematisiert werden, fügte Lewis hinzu. Der Ökologe Nigel Sizer vom World Resources Institute (WRI) bezeichnete die Abmachung als »große Sache«, schränkte aber ein, die Zielmarke von einem Ende der Entwaldung bis 2030 könne als »enttäuschend« wahrgenommen werden.

Baerbock fordert verbindliche Beschlüsse

08.58 Uhr: Grünenchefin Annalena Baerbock hat verbindliche Beschlüsse bei der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow gefordert. »All die Appelle, die es dort jetzt gibt: Kohleausstieg, Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor, endlich Schutz der Wälder und vor allem einen riesengroßen Technologiesprung zu einer klimaneutralen Industrie, das muss jetzt endlich gemacht werden und nicht nur versprochen werden«, sagte Baerbock am Dienstag im ZDF.

Sie unterstützte dabei eine Vorreiterrolle der großen Industrie- und Wirtschaftsnationen – das betreffe Europa, die USA, China und große Teile der G20. »Wenn die wirklich was machen, dann können wir das Ruder rumreißen.« Sie halte es »für absolut sinnvoll, dass es eine wirkliche Klima-Außenpolitik gibt«, sagte Baerbock. Schließlich seien es die großen Industriestaaten, »die uns in dieses Desaster reingeführt haben durch die Verbrennung von fossiler Energie«.

Bei der Frage nach einem früheren Ausstieg aus der Kohle bereits bis zum Jahr 2030 in Deutschland sieht die Grünenchefin auch die beiden anderen Parteien einer geplanten Ampelkoalition in der Pflicht. »Es kann nicht die Aufgabe einer Partei im Koalitionsgespräch sein, sondern alle drei Parteien müssen dafür sorgen, dass Klimaschutz eine Querschnittsaufgabe wird.«

In ihrem Sondierungspapier haben SPD, Grüne und FDP festgeschrieben, dass »idealerweise« schon 2030 ein Ausstieg aus der Kohle gelingt. Um dies gesetzlich festzuschreiben, müsse das von der Großen Koalition beschlossene Kohleausstiegsgesetz geändert werden, so Baerbock. »Wir müssen es tun, ansonsten ist alles Hohn, was im Wahlkampf versprochen wurde.«

Fast 90 Länder treten US-EU-Initiative zur Methanreduzierung bei

7.56 Uhr: Fast 90 Länder haben sich nach US-Angaben inzwischen einer Initiative der USA und der Europäischen Union zur Reduzierung von Methanemissionen angeschlossen. Das erstmals im September vorgestellte Vorhaben sieht vor, den Ausstoß des Treibhausgases, das erheblich für den Klimawandel mitverantwortlich ist, bis 2030 um 30 Prozent im Vergleich zum Niveau von 2020 zu senken. Nach Angaben eines Vertreters der US-Regierung sind der Initiative inzwischen unter anderem die Hälfte der 30 größten Methanemittenten beigetreten, die zwei Drittel der Weltwirtschaft ausmachen.

Zu den neuen Unterzeichnern, die noch diesen Dienstag offiziell bekannt gegeben werden sollen, zählt demnach auch Brasilien, einer der fünf größten Methanemittenten der Welt. China, Russland und Indien, die ebenfalls zu den fünf größten Methanemittenten gehören, haben ihr Mitwirken bislang nicht zugesagt.

Für das Vorhaben werden demnach bis 2025 etwa 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,3 Milliarden Euro) an öffentlichen Geldern mobilisiert. Hinzu kommen 7,2 Milliarden US-Dollar private Investitionen. Wälder gelten als die Lunge unseres Planeten, sie nehmen etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausgestoßenen CO₂-Emissionen auf. Doch schrumpfen sie bedenklich, wie es in der Mitteilung weiter hieß: Jede Minute gehe eine Fläche von etwa 27 Fußballfeldern verloren.

Entwicklungsminister Müller: Die Welt muss beim Klimaschutz radikal umsteuern

5.32 Uhr: Der geschäftsführende Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hält ein radikales Umsteuern der Staaten für nötig, um die globalen Klimaschutzziele noch erreichen zu können. »Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, muss die Weltgemeinschaft radikal umsteuern und Emissionen massiv reduzieren. Nötig ist eine weltweite Energiewende«, sagte Müller am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Wenn die Erderhitzung auf maximal 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden solle, dann sei auch ein weltweiter Ausstieg aus der Kohleverstromung geboten, erklärte der noch amtierende Minister weiter.

Müller kündigte an, dass Deutschland mit Südafrika als erstem Partnerland auf der Südhalbkugel den Ausstieg aus der Kohle-Energiegewinnung vereinbart habe. Bislang beziehe das Land seinen Strom zu fast 90 Prozent aus der Kohle, sagte Müller. Bereits am Vortag hatte die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) diese neue Partnerschaft mit Südafrika bei ihrer Ansprache auf der Weltklimakonferenz in Glasgow angekündigt.

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mrc/fww/dpa/Reuters/AP
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