Extremwetter-Prognose Heute geborene Kinder könnten siebenmal mehr Hitzewellen erleben

Die Klimakrise ist eine Krise der jungen Menschen. Das bestätigt eine neue Studie, die untersucht hat, wie sich Extremwetter auf das Leben von Kindern auswirken wird.
Kinder an durch Erosion bedrohter Küste in Bhola, Bangladesh

Kinder an durch Erosion bedrohter Küste in Bhola, Bangladesh

Foto: Kazi Salahuddin Razu / Getty Images

Eine politische Stimme hatten Kinder und Jugendliche bei diesen Wahlen nicht. Dabei zeigt eine neue Studie, dass sie gerade bei der Klimapolitik ein Wörtchen mitreden müssten. Denn die Folgen der Erderwärmung wird vor allem die Jungen treffen. Ein heute geborenes Kind wird im Schnitt viel mehr Extremwetter erleben als ein 1960 geborener Erdenbürger.

In seine Lebenszeit werden laut der Prognose, die in der Fachzeitschrift »Science«  veröffentlicht wurde

  • doppelt so viele Waldbrände,

  • dreimal so viele Überschwemmungen und Ernteausfälle,

  • siebenmal so viele Hitzewellen fallen.

Dabei geht das internationale Wissenschaftlerteam von einem Szenario aus, in dem die Länder ihre derzeitigen Strategien zur Reduzierung von Treibhausgasen beibehalten. Das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, könne einen großen Unterschied machen, heißt es.

Die Wissenschaftler legten vorhandene Daten zu globalen Temperaturverläufen und Projektionen für Extremwetterereignisse mit Bevölkerungsdaten und Lebenserwartungszahlen übereinander. Dabei berücksichtigten sie unterschiedliche Szenarien, wie stark sich die weltweite Durchschnittstemperatur erhöhen wird.

Ein Beispiel: Eine 1960 geborene Person erlebte der Rechnung zufolge im Laufe des Lebens im Schnitt etwa zwei bis sechs Hitzewellen. In die Lebenszeit eines 2020 geborenes Kindes fallen dagegen durchschnittlich 10 bis 26 Hitzewellen, wenn der globale Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzt wird. 15 bis 29 Hitzewellen sind es bei einem Anstieg von 2,0 Grad – und 21 bis 39 Hitzewellen, wenn die derzeitigen Klimastrategien der Regierungen beibehalten werden, was global auf deutlich mehr als zwei Grad hinauslaufen würde.

Einen Anstieg gibt es demnach auch bei anderen Extremwetterereignissen, etwa Waldbränden. Menschen, die heute jünger als 40 Jahre sind, würden »ein bisher nie dagewesenes Leben« führen, was Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen und Ernteausfälle angehe, sagte Hauptautor Wim Thiery von der Freien Universität Brüssel. Die Ergebnisse zeigten eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der jungen Generationen und legten drastische Emissionsreduzierungen nahe.

»Die Klimakrise ist in ihrem Kern eine Kinderrechtskrise«, sagte Inger Ashing, Geschäftsführerin von der Hilfsorganisation Save the Children. »Wir können das Ruder herumreißen – aber wir müssen auf die Kinder hören und sofort handeln. Wenn die Erwärmung auf 1,5 Grad begrenzt wird, gibt es viel mehr Hoffnung auf eine gute Zukunft für Kinder, die noch nicht einmal geboren sind«, fügte sie hinzu.

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Besonders stark wird der Anstieg von Extremwetterereignissen demnach für derzeit junge Menschen im Nahen Osten und in Nordafrika ausfallen. Grundsätzlich werden junge Generationen in Ländern mit geringem Durchschnittseinkommen laut der Prognose stärker betroffen sein als in reicheren Ländern. Zwischen 2016 und 2020 in Afrika südlich der Sahara geborene Kinder werden fünfeinhalb bis sechsmal mehr Extremwetter erleben. Aber auch Europa wird es demnach treffen: Hier werden für heutige Kleinkinder etwa viermal mehr Extremwetterereignisse prognostiziert. Die Zahlen auf Deutschland herunterzubrechen ist laut den Studienautoren schwierig. Belastbar seien die Durchschnittswerte, wenn man sie auf kontinentaler Ebene oder für sehr große Länder betrachte.

»Die gute Nachricht ist: Wir können tatsächlich einen Großteil der Klimabelastung von den Schultern unserer Kinder nehmen, wenn wir die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius begrenzen, indem wir aus der Nutzung fossiler Brennstoffe aussteigen«, sagte Mitautorin Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Global könne das für die junge Generation 24 Prozent weniger Extremwetterereignisse bedeuten, als wenn die Staaten bei ihren derzeitigen Zusagen zur Emissionsreduzierung bleiben. Für Europa wäre es ein Minus von 28 Prozent.

joe/dpa/Reuters

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