Bericht für 2019 Uno meldet CO₂-Rekord in der Atmosphäre

Noch nie seit Beginn der Industrialisierung wurde so viel Kohlendioxid in der Atmosphäre nachgewiesen wie im vergangenen Jahr. Hoffnung auf deutliche Besserung durch Corona-Shutdowns gibt es wenig.
Foto: K.M. Chaudary / dpa

Die Treibhausgase in der Atmosphäre haben einen Rekordwert erreicht. 2019 sei im globalen Durchschnitt erstmals seit Beginn der Industrialisierung 1750 die Marke von 410 ppm Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre erreicht worden, schreibt die Weltwetterorganisation (WMO) der Uno in ihrem jährlichen Treibhausgas-Bulletin .

Ppm beschreibt die Anzahl der Teilchen CO2 unter einer Million anderer Luftteilchen. In den zwei vorangegangenen Jahren lag die CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei 407,9 und 405,5 ppm. Die Marke von 400 ppm wurde erstmals 2015 überschritten.

Kaum Aussicht auf Besserung

»Die Erde hat zuletzt vor drei bis fünf Millionen Jahren eine ähnliche CO2-Konzentration erlebt«, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. Auf den Zustand vor so langer Zeit können Forscher durch Eisbohrungen und Analysen von Fossilien schließen.

»Damals lag die Temperatur zwei bis drei Grad und der Meeresspiegel 10 bis 20 Meter höher. Aber es lebten nicht 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde«, so Taalas weiter. CO2 wird etwa durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion und andere Industrieprozesse sowie im Zuge von Abholzung freigesetzt.

Auch mit Blick auf das Corona-Jahr 2020 hat die WMO wenig Hoffnung auf Besserung. Das Ausmaß klimaschädlicher Emissionen sei in diesem Jahr zwar zurückgegangen, aber immer noch zu hoch, um den CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu stabilisieren, heißt es in dem Bericht.

Die Mär vom großen Corona-Effekt

Eigentlich beschäftigt sich die WMO in ihrem Treibhausgas-Bulletin in erster Linie mit den Emissionen im jeweils abgeschlossenen Vorjahr. Dieses Mal hat sie ihrem Bericht jedoch die Frage vorangestellt, welchen Einfluss die Covid-19-Pandemie auf den CO2-Gehalt der Atmosphäre hatte.

Das Global Carbon Project habe geschätzt, dass in Zeiten, in denen mehrere entscheidende Länder gleichzeitig im Corona-Lockdown waren, jeden Tag bis zu 17 Prozent der CO2-Emissionen eingespart werden konnten, heißt es in einer Pressemitteilung . Noch sei jedoch unklar, was das für den CO2-Gehalt der Atmosphäre im Jahr 2020 genau bedeutet habe. Vorläufige Schätzungen gingen für das Jahr von einem Rückgang der CO2-Emissionen von 4,2 bis 7,5 Prozent aus.

Das verringere den Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre allenfalls um Werte zwischen 0,08 und 0,23 ppm. Das liege im Bereich natürlicher Schwankungen. Natürliche Variationen, etwa wie gut CO2 in einem Jahr von der Vegetation absorbiert wird, machten in der Bilanz rund 1 ppm aus.

Die Kurve abflachen, auch beim Klima

Eine Reduzierung in der Größenordnung werde nicht dazu führen, dass der CO2-Gehalt in der Atmosphäre sinke, so die WMO weiter. Stattdessen stiegen die Werte weiter an, wenn auch etwas langsamer als zuvor. CO2 bleibt Jahrhunderte in der Atmosphäre, bevor es abgebaut wird.

Der Emissionsrückgang 2020 sei nur »eine winzige Delle« in der nach oben steigenden Kurve, erklärte Taalas. »Wir müssen die Kurve nachhaltig abflachen«, so der WMO-Chef in Anlehnung an den Ausdruck, den Epidemiologen im Zusammenhang mit den Coronavirus-Infektionen oft nutzen.

Das Treibhausgas-Bulletin nennt für die Konzentration in der Atmosphäre einen Durchschnittswert aus mehr als 100 Messstationen. Einzelne Stationen hätten für 2020 schon höhere Werte registriert als im Jahr davor.

Im Zweifel wieder mehr Atomkraft

Die Station in Mauna Loa auf Hawaii habe im September 411,29 ppm gemessen, verglichen mit 408,54 im vergangenen Jahr. Die Station Cape Grim auf Tasmanien in Australien habe 410,8 ppm gemessen, nach 408,58 im vergangenen Jahr.

Um die Erwärmung, wie vom Weltklimarat empfohlen, bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad zu begrenzen, müsse die Welt bis 2050 klimaneutral werden, so Taalas. Die Trendwende bei den CO2-Emissionen müsse in fünf Jahren einsetzen. Öl, Gas und Kohle müssten als Energiequelle durch Wind, Wasser und Solarenergie ersetzt werden. Vielleicht müssten auch mehr Atomkraftwerke gebaut werden, so Taalas.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, der Rückgang der CO2-Emissionen verringere die Konzentration des Gases in der Atmosphäre allenfalls um Werte zwischen 0,08 und 0,23 ppm. Statt auf den Rückgang des CO2-Gehaltes in der Atmosphäre beziehen sich die Werte jedoch auf eine Verringerung des Anstiegs der dortigen CO2-Konzentration. Wir haben die Angabe korrigiert.

jme/dpa
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