Christian Stöcker

Klimapolitik Welt brennt, Regierung hofft auf Wunder

Christian Stöcker
Eine Kolumne von Christian Stöcker
Im Westen der USA ist der Himmel orangebraun, Teile Afrikas stehen unter Wasser. Und was macht die Bundesregierung? Sie setzt auf Zauberei.
Himmel über San Francisco: Die meisten Menschen stellen den Zusammenhang zwischen einer immer heißer werdenden Erdatmosphäre und diesen Katastrophen mittlerweile automatisch her

Himmel über San Francisco: Die meisten Menschen stellen den Zusammenhang zwischen einer immer heißer werdenden Erdatmosphäre und diesen Katastrophen mittlerweile automatisch her

Foto: MediaNews Group / The Mercury News / Getty Images

Die orange-braunen Bilder aus Kalifornien und Oregon haben Sie ja sicher gesehen. Irgendjemand hat Drohnenaufnahmen des sepiaverfärbten, verdüsterten Himmels in San Francisco mit einem Ausschnitt aus dem dräuenden Soundtrack von Denis Villeneuves dystopischem Film "Blade Runner 2049 " unterlegt, denn der hat die gleiche Farbpalette. Das passt erschreckend gut.

In den sozialen Medien konnte man sich den menetekelhaften Bildern kaum entziehen, sogar Barack Obama twitterte ein paar und verband das mit einem Aufruf, zur Wahl zu gehen "als ob ihr Leben davon abhinge - denn das tut es". Tatsächlich ist Donald Trump vermutlich die größte Gefahr für die Zukunft der Menschheit, die derzeit auf zwei Beinen unterwegs ist.

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In Kalifornien toben gleich an mehreren Stellen gigantische Feuersbrünste. Genauer gesagt: Der größte, der dritt- und der viertgrößte kalifornische Buschbrand seit Beginn der Aufzeichnungen  waren in dieser Woche gleichzeitig im Gange. Der zweitgrößte ereignete sich 2018.

Klar nachweisbare Zusammenhänge

Die meisten Menschen stellen den Zusammenhang zwischen einer immer heißer werdenden Erdatmosphäre und diesen Katastrophen mittlerweile automatisch her - nur bei Fox News, dem Sender also, dem Donald Trump bis zu acht Stunden seines Arbeitstages widmet , wurde der Zusammenhang einmal mehr bestritten.

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Klimaforscher sehen das völlig anders. Es gibt mittlerweile sehr gute Belege für direkte Zusammenhänge zwischen all den Extremwetterkatastrophen und der Klimakrise . Es ist außerdem absolut unstrittig, dass diese Katastrophe durch die Klimakrise immer häufiger werden. Das hört jetzt nicht mehr auf. Es wird immer schlimmer.

Andere, Ärmere trifft es noch viel härter

Während das orange-braune Zwielicht der Westküste international für Aufsehen sorgte, blieben andere Extremwetterkatastrophen, die sich gleichzeitig ereignen, in den Industrienationen wieder einmal nahezu unbemerkt. In 12 afrikanischen Ländern gab es zum Beispiel starkregenbedingte Überflutungen , die dem Internationalen Roten Kreuz zufolge mindestens 1,1 Millionen Menschen unmittelbar betrafen. Waldbrände gibt es nicht nur in den USA, sondern beispielsweise auch in Brasilien, Argentinien, Bulgarien und Griechenland.

Es wird, auch für die deutschen Verzögerer und Abwiegler angesichts dieser Bilder immer schwieriger, ihre Untätigkeit beim Klimaschutz aufrechtzuerhalten. Zumal die Industrienationen - Deutschland eingeschlossen - für den weit überwiegenden Teil der historischen CO₂-Emissionen verantwortlich sind.

Verlässlich falsch

Die Bundesregierung reagiert auf die gewaltige Schuld, die Deutschland in Sachen Klimawandel längst auf sich geladen hat, weiter verlässlich falsch. Immer-noch-Verkehrsminister Andreas Scheuer versuchte diese Woche tatsächlich noch einmal, eine staatliche Prämie für den Kauf von Autos mit Verbrennungsmotor durchzubringen, was offenbar selbst der Autoindustrie ein bisschen peinlich war.

Wirtschaftsminister Peter Altmaier schlug eine Gesetzesnovelle vor, die "den Bau neuer Windparks bremsen " könnte, wie Stefan Schultz diese Woche im SPIEGEL berichtete.

In einem Interview sagte Altmaier dem SPIEGEL , um die deutschen Klimaziele doch noch irgendwann zu erreichen, setze er "auf die Genialität unserer Ingenieure. Und unserer Unternehmen."

Dabei brauchen wir gar keine Magie

Ebenso gut hätte er sagen können, er setze auf Wunder und Zauberei. Dabei bräuchten wir die gar nicht: Wir müssten nur endlich CO₂ angemessen hoch besteuern, Fotovoltaik und Windenergie dramatisch ausbauen, und unser Stromnetz gleich mit. Die Lösungen liegen längst auf dem Tisch, auch für die Industrie .

Altmaier sprach auch wieder von den Jahreszahlen, auf die man achten muss, wenn man die Ablenker ertappen will: 2030 und 2050. Jahreszahlen als Zielpunkte sind irrelevant. Relevant ist die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre, unser Beitrag dazu und die prozentuale jährliche Reduktion. Sechs Prozent pro Jahr mindestens müssten es sein, ab sofort.

Die Genialität deutscher Unternehmen?

Zur Erinnerung: Die Genialität deutscher Ingenieure wurde in den vergangenen Jahren nicht zuletzt in Betrugssysteme gesteckt, um von der Bundesregierung ohnehin schon kleingeklopfte EU-Grenzwerte für den CO₂-Ausstoß von Autos zumindest auf dem Papier zu erreichen. Viele deutsche Unternehmen der entsprechenden Branchen sind eher damit beschäftigt, sich um ihre kurzfristigen Gewinne zu kümmern, das Klima ist da nachrangig.

Die Lobbyisten sind bei der aktuellen Bundesregierung damit sehr erfolgreich, siehe Kohleausstiegsverzögerungsgesetz, siehe Reaktion auf den Dieselskandal, siehe Kohlesubventionen, siehe Windkraft. Und so weiter.

Man kann das "genial" finden, man kann es aber auch anders nennen.

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