Hoffnung für den Klimaschutz Chinas CO2-Emissionen könnten zehn Jahre früher sinken als gedacht

China hat versprochen, seine massiven CO2-Emissionen ab 2030 zu senken. Nun gibt eine neue Berechnung Anlass zu Hoffnung: Die Volksrepublik könnte diesen wichtigen Wendepunkt schon zehn Jahre früher erreichen.
Smog in China: Mehr als 80 Prozent der Energie stammt aus Kohle und Öl

Smog in China: Mehr als 80 Prozent der Energie stammt aus Kohle und Öl

Foto: DuKai photographer/ Getty Images

China hat mehr als eine Milliarde Einwohner und gewinnt einen großen Teil seiner Energie aus Kohle: Zwei Gründe, warum der Staat weltweit mit Abstand die meisten Treibhausgase ausstößt. Es sind mehr als die USA und die EU zusammen in die Atmosphäre geben. Doch im Klimaabkommen von Paris hat China versprochen, sich zu bessern.

Im Jahr 2030 will die Volksrepublik den Höhepunkt ihrer CO2-Emissionen erreichen, um sie anschließend deutlich zu senken. Damit plant China, seine Verpflichtungen aus dem Paris-Abkommen zu erfüllen, das den globalen Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad gegenüber vorindustrieller Zeit begrenzen soll.

Forscher wecken nun Hoffnungen, dass Peking sein Vorhaben sogar schon fünf bis zehn Jahre früher erreichen könnte. Allerdings müssen dafür einige Voraussetzungen erfüllt sein.

Aber von vorn: Die Wissenschaftler um Haikun Wang von der Nanjing University in China haben untersucht, wie viel CO2 die Menschen in 50 Städten in China zwischen 2000 und 2016 pro Kopf ausgestoßen haben. Dazu analysierten sie den Energieverbrauch und die örtliche Industrieproduktion, etwa von Zement oder Stahl. Die Werte verglichen sie mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf.

Maximaler CO2-Ausstoß zwischen 2021 und 2025

Demnach wächst der CO2-Ausstoß pro Kopf in China zunächst mit steigender Wirtschaftsleistung. Diese Entwicklung hat laut den Forschern allerdings einen Endpunkt: Ab einem BIP von ungefähr 21.000 US-Dollar (etwa 18.900 Euro) pro Kopf entfällt auf jeden Einwohner weniger CO2. Das bedeutet übersetzt: Zunächst wachsen mit steigendem Einkommen die Klimagasemissionen jedes Bürgers an, ab einem gewissen Wohlstandsniveau nehmen sie aber wieder ab - reichere Städte werden also umweltfreundlicher.

Gehe man davon aus, dass sich China wirtschaftlich weiter entwickelt wie von der Regierung prognostiziert, könnte der maximale CO2-Ausstoß bereits zwischen 2021 und 2025 erreicht werden, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Nature Sustainability" .

Der Prognose zufolge würde China im Maximaljahr zwischen 13 und 16 Milliarden Tonnen CO2 ausstoßen. Zum Vergleich: Weltweit gelangen durch menschliche Aktivitäten derzeit jährlich ungefähr 36 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre, China emittiert aktuell etwa 10 Milliarden Tonnen Kohlendioxid im Jahr.

Studie ist keine konkrete Vorhersage der Emissionen

Unabhängige Experten dämpfen allerdings die Erwartungen: Zwar sei die Analyse der Forscher in sich schlüssig, es gebe dennoch Unsicherheiten, sagte etwa Jan Ivar Korsbakken vom Cicero Center for International Climate Research in Norwegen, der nicht an der Studie beteiligt war, dem Onlineportal "Carbon Brief" . Man solle die Studie daher nicht als konkrete Vorhersage für künftige Emissionen Chinas werten.

Windräder in China: Erneuerbare Energien spielen bislang kaum eine Rolle

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Foto: zhongguo/ Getty Images

Die Daten basierten darauf, wie sich Emissionen und Wirtschaftsleistung in der Vergangenheit entwickelt hätten. Ob es künftig so weitergehe, sei fraglich. Der Handelsstreit mit den USA wirke sich bereits negativ auf die chinesische Wirtschaft aus. Es sei daher gut vorstellbar, dass sich das BIP pro Kopf in den nächsten Jahren schlechter entwickelt, als von den Forschern angenommen.

Unsicherheiten ergäben sich auch dadurch, dass die Ergebnisse aus den 50 Städten auf ganz China hochgerechnet wurden, sagt Jakob Wachsmuth vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe, der ebenfalls nicht an der Studie beteiligt war. Zudem seien wichtige Einflussfaktoren wie die Landwirtschaft nicht berücksichtigt worden.

Trotzdem sei die Studie ein wichtiger Beitrag, um abschätzen zu können, wie sich Chinas Emissionen weiter entwickeln könnten. Dazu gebe es bislang nur wenige verlässliche Informationen.

Problem Kohle

Schon kurz nachdem der Vertrag von Paris unterschrieben war, hatten Experten diskutiert, inwiefern einzelne Staaten ihr CO2-Maximum früher erreichen könnten als versprochen. Auch China wurde in diesem Zusammenhang genannt. Experten gehen davon aus, dass die meisten Staaten großzügig kalkuliert haben.

Jan Steckel vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change gGmbH (MCC) in Berlin lässt die Energieversorgung Chinas an den Aussichten auf einen CO2-Peak zweifeln: "Solange die chinesische Volkswirtschaft so stark von der Kohleverstromung abhängt, ist nicht von einer nachhaltigen und signifikanten Reduzierung der Emissionen auszugehen", sagt er. Politisches Handeln und ein höherer CO2-Preis seien essenziell, um die Emissionen tatsächlich zu senken.

Experten gehen davon aus, dass sich der globale CO2-Ausstoß nach 2030 alle zehn Jahre halbieren muss, um die Klimaziele von Paris einhalten zu können. Im Gegensatz dazu planen Chinas Nachbarstaaten Indien, Indonesien und Vietnam ihre Kohlekraftwerke sogar noch auszubauen, erklärt Steckel. Übrigens mit Unterstützung Chinas. Dies würde hohe Emissionen über Jahrzehnte hinaus festschreiben. Zudem sei nichts gewonnen, wenn China seine Energie aus Kohlekraftwerken aus anderen Staaten importiere.

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