Staaten im Ranking Dänemark ist im Klimaschutz Klassenbester

Jedes Jahr bewerten Umweltschutzorganisationen 60 Staaten und die EU nach ihren Fortschritten im Klimaschutz. Deutschland erreicht einen Platz im ersten Viertel. Schlusslichter sind Ölförderländer.

60 Staaten der Erde sind für 90 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Doch innerhalb dieser Gruppe der größten Emittenten gibt es in Sachen Klimaschutz Fortschritte. Den Daten des neuen Klimaschutz-Index  zufolge bewegen sich einige Staaten mit Tempo auf das Ziel der Klimaneutralität zu: Dänemark, Schweden, Norwegen, Großbritannien und Marokko führen die Liste an.

Auf den letzten Plätzen liegen in der Gesamtwertung Kanada, der Iran, Saudi-Arabien und schließlich Kasachstan. In diesen Staaten spielt die Ölförderung eine große Rolle.

60 Staaten und die EU im Ranking

Der Klimaschutz-Index klassifiziert die untersuchten Staaten in fünf Gruppen – die beste bleibt leer. Die Legende zeigt in unterschiedlichen Farben den Wert an, den ein Land im Index erreicht.

Der Klimaschutz-Index klassifiziert die untersuchten Staaten in fünf Gruppen – die beste bleibt leer. Die Legende zeigt in unterschiedlichen Farben den Wert an, den ein Land im Index erreicht.

Foto: Germanwatch

Den Klimaschutz-Index erstellen das NewClimate Institute und die Umweltschutzorganisationen Germanwatch und Climate Action Network seit 2005 jedes Jahr. Bewertet werden 60 Staaten und die EU in den vier Kategorien Treibhausgasemissionen , erneuerbare Energien, Energieverbrauch und Klimapolitik. Die Treibhausgasemissionen werden für den finalen Index-Wert doppelt gewichtet.

Das Siegertreppchen bleibt leer

Dänemark, das den besten Wert im Ranking erzielt, liegt allerdings nur auf Platz vier – die Plätze eins bis drei bleiben nach Angaben der Autoren erneut frei, da sich kein Land tatsächlich auf einem Pfad befinde, mit dem das 1,5-Grad-Ziel nach aktuellem Stand der Bemühungen erreicht werden kann.

»Das Wettrennen zu Null Treibhausgasemissionen hat begonnen«

Niklas Höhne vom NewClimate Institute

»Wir stehen am Anfang des Jahrzehnts, in dem es vor allem um die Umsetzung der gesetzten Klimaziele geht. Dänemark, Schweden und Norwegen machen da ähnlich wie Großbritannien und Marokko vieles besser als der Rest der Welt«, sagt Niklas Höhne vom NewClimate Institute, einer der Autoren des Index. »Unser Index zeigt auch, dass das Wettrennen zu null Treibhausgasemissionen begonnen hat. Ob Deutschland da zur Spitzengruppe vorstoßen kann, muss sich noch zeigen.«

Deutschland schneidet gut ab

Die Bundesrepublik erreicht im diesjährigen Klimaschutz-Index Rang 13. Damit verbessert sich die Bundesrepublik im Vergleich zu den Vorjahren und liegt einen Platz vor Finnland, aber hinter Litauen und Malta.

Alle Artikel zum Uno-Klimagipfel

Anfang November trifft sich die Staatengemeinschaft im schottischen Glasgow zur 26. Uno-Klimakonferenz, der COP26. Auf dem zweiwöchigen Treffen geht es darum, die Ziele der Länder zu erhöhen und gemeinsame Regeln für den Kampf gegen die Klimakrise zu definieren. Lesen Sie hier alle Artikel zum Gipfel.

Als problematisch beschreiben die Autorinnen und Autoren das hohe Emissionsniveau pro Kopf in Deutschland, den stockenden Ausbau der erneuerbaren Energien und eine als »schwach« bewertete nationale Klimapolitik.

Thea Uhlich von Germanwatch und Co-Autorin des Index sagte: »Das aktuelle Wiederhochschnellen der Emissionen in Deutschland macht die Herausforderung noch größer. Wir brauchen unter der neuen Bundesregierung ein 100-Tage-Programm gleich zu Beginn der Amtszeit und dann ernsthafte Fortschritte in allen Sektoren. Dazu gehört der Kohleausstieg bis 2030, ein Turbo für den Ausbau der erneuerbaren Energien und dringend Emissionssenkungen auch im Verkehrsbereich.«

Wer sind die größten Emittenten?

Foto: Germanwatch

Der weltweit größte Emittent, China, erreicht im Klimaschutz-Index Rang 37, vor allem wegen hoher Emissionen und einer bisher sehr schlechten Energieeffizienz. In beiden Bereichen seien auch die Ziele für das Jahr 2030 weit entfernt von einem mit dem 1,5-Grad-Limit kompatiblen Pfad.

Beim zweitgrößten Emittenten USA sei die Verbesserung im Ranking – allerdings nur auf Platz 55 – einzig auf den Wechsel im Weißen Haus zurückzuführen: Die Politikbewertung falle deutlich besser aus als unter Joe Bidens  Vorgänger Donald Trump. »Es wird sich in den kommenden Jahren zeigen müssen, ob Bidens Politik auch tatsächlich bei Erneuerbaren, Energieeffizienz und letztlich Emissionen Früchte trägt«, sagte Niklas Höhne vom NewClimate Institute.

Wo kommen erneuerbare Energien am stärksten zum Einsatz?

Foto: Germanwatch

In der Kategorie »Erneuerbare Energien « kommt Norwegen als einziges Land auf die herausragende Wertung »sehr gut«. Neben dem hohen Anteil von Wasserkraft setze das Land zunehmend auf Wind- sowie Solarenergie und verfolge ehrgeizige Ausbauziele. Allerdings würden auch in Norwegen noch fossile Energieträger gefördert. »Wenn Norwegen seine Erschließung von Öl- und Gasfeldern in der Arktis einstellen sollte, könnte das Land als erstes überhaupt einen der bisher unbesetzten ersten drei Plätze in der Gesamtwertung des Index belegen«, sagte Jan Burck von Germanwatch.

Auf Norwegen folgt in dieser Kategorie der Gesamtsieger Dänemark. China erreicht mit Rang 23 eine bessere Bewertung als Deutschland.

Wie steht es um die Klimapolitik?

Neben den skandinavischen Staaten zeigten auch Marokko, die Niederlande, Portugal und Frankreich, dass sie das Ziel der Klimaneutralität entschlossen verfolgten. Am Ende der Tabelle zur Klimapolitik finden sich die Staaten, die globale Bestrebungen am stärksten ausbremsen: Australien  erhält in dieser Kategorie die schlechtestmögliche Wertung von 0,0 und landet noch hinter Brasilien und Algerien. Aber auch fünf EU-Staaten werden im Bereich der Klimapolitik als »sehr schlecht« bewertet: Bulgarien, Ungarn, Polen, Rumänien und Tschechien.

vki
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