Klimaveränderung Nicht nur die Sonne ist schuld

Forscher, die nicht den Treibhauseffekt, sondern die Sonne für die Klimaerwärmung verantwortlich machen, müssen ihre Meinung revidieren. Neuere Messdaten zum Sonnenflecken-Zyklus weisen nun auch darauf hin, dass der Mensch seinen Teil zur Erderwärmung beiträgt.

Nizza - Knud Lassen vom Dänischen Meteorologischen Institut in Kopenhagen hatte 1991 einen direkten, wenn auch unerklärten Zusammenhang zwischen dem Sonnenfleckenzyklus und den Temperaturänderungen in der nördlichen Hemisphäre festgestellt.

Lassen hatte dazu mit seinem Kollegen Eigil Friis-Christensen Klimadaten zunächst von 1861 bis 1989, später für die letzten 400 Jahren ausgewertet. Danach waren Sonnenflecken für über 80 Prozent der Klimaveränderungen in dieser Periode verantwortlich. Die Flecken auf der Oberfläche der Sonne treten in einem Zyklus von elf Jahren gehäuft auf, dann strahlt das Zentralgestirn besonders viel Energie in den Weltraum ab.

Auf einer Konferenz der Europäischen Geophysikalischen Gesellschaft in Nizza stellte Lassen laut dem Wissenschaftsmagazin "New Scientist" jetzt seine neuesten Forschungsergebnisse vor. Zusammen mit dem Astrophysiker Peter Thejll kommt er zu dem Schluss, dass die Bedeutung der Sonnenflecken für die Klimaveränderung in den letzten Jahren deutlich abgenommen hat.

Zwar sei die Sonnenaktivität noch immer für die Hälfte des Temperaturanstiegs seit 1900 verantwortlich, seit 1980 sei aber die Temperatur um 0,4 Grad höher geklettert als nach ihrem Modell vorausgesagt. Außerdem werde die Differenz zwischen prognostizierten und realen Werte immer größer. Als Grund der Veränderungen vermuten die Forscher Abgase, die bei der Verbrennung fossiler Treibstoffe entstehen.

Einige Konferenzteilnehmer äußerten sich trotzdem skeptisch. Tom Wigley vom US-Zentrum für Atmosphärenforschung, der bereits Lassens frühere Ergebnisse kritisiert hatte, bemängelte vor allem die immer noch fehlende physikalische Erklärung für den Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und Temperaturänderung.