Hitze und Dürre Klimawandel bringt öfter Wetterextreme in Deutschland

Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist es in Deutschland fast zwei Grad wärmer geworden. Dadurch werden sehr heiße und trockene Sommer häufiger, kalte Winter unwahrscheinlicher.
Traktor auf trockenem Kartoffelfeld: Gefährliches Zusammenspiel von extremer Dürre und Hitze

Traktor auf trockenem Kartoffelfeld: Gefährliches Zusammenspiel von extremer Dürre und Hitze

Foto: Jochen Eckel / imago images

Mit dem fortschreitenden Klimawandel ist in Deutschland mit mehr und heftigeren Wetterextremen zu rechnen. "Darauf müssen wir alle uns frühzeitig vorbereiten", sagte Tobias Fuchs vom Vorstand des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Mittwoch zur Eröffnung des 10. Extremwetterkongresses in Hamburg. Hitzewellen würden künftig zunehmen. "Der Temperaturanstieg in Deutschland beschleunigt sich."

Seit Beginn der systematischen, flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881 sei die mittlere Temperatur in Deutschland deutlich gestiegen. Nach DWD-Daten ist das aktuelle Jahrzehnt rund 1,9 Grad wärmer als die ersten Jahrzehnte der Aufzeichnungen von 1881 bis 1910.

Laut einem zum Kongress herausgegebenen Papier  zum Stand der Wissenschaft wird es im Rahmen natürlicher Schwankungen weiterhin auch kalte Winter, kühle Sommer und die Gefahr von Spätfrösten geben. Die Wahrscheinlichkeit für diese Ereignisse nehme jedoch infolge der globalen Erwärmung ab.

"Der Winter wird kürzer, Frühjahr und Herbst werden länger."

"Wichtig ist zu verstehen, dass nicht alle extremen Wetterereignisse häufiger auftreten", sagte der Vorsitzende des Deutschen Klimakonsortiums, Mojib Latif. "Wir sehen beispielsweise eine Abnahme der starken Fröste und keine Zunahme von Stürmen in Norddeutschland."

Fuchs berichtete weiter: "Was früher mal ganz extreme Sommer waren, so in den Dreißiger-/Vierzigerjahren, fällt heute in den Bereich ganz normaler Sommer. Der Winter wird kürzer, das Frühjahr und der Herbst werden länger."

In einigen Gegenden Deutschlands seien lang anhaltende Phasen mit Tageshöchsttemperaturen von 30 Grad und wenig Regen ein neues Phänomen. Probleme mache deshalb die Trockenheit - mit Folgen für die Wälder und die Landwirtschaft.

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Der Vorsitzende der Weltorganisation für Meteorologie, Gerhard Adrian, rief per Videobotschaft zu mehr Klimaschutz auf: "Weltweit sind immer mehr Menschen unmittelbar vom Klimawandel betroffen", sagte er. "Alle wichtigen Stellschrauben drehen sich unverändert in die falsche Richtung." Die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre nehme immer noch zu. "Corona wird sich da kaum auswirken."

In den USA steigt Risiko für heftige Dürren

Kurz nach dem Treffen ist dazu passend am Mittwoch in der Fachzeitschrift "Science Advances"  eine Studie erschienen, laut der in den USA durch den Klimawandel etwa das Risiko für anhaltende Megadürren deutlich zunimmt. Nach Angabe der Forscher begünstigt dies heftige Waldbrände, wie sie auch derzeit zu beobachten sind.

Der Klimawandel könnte zu Jahrzehnte andauernden Dürren führen, schreiben Forscher um Mohammad Reza Alizadeh von der McGill University und Mojtaba Sadegh von der Boise State University. Solche langen Trockenphasen habe es auf dem Gebiet der USA auch im 12. und 13. Jahrhundert gegeben. Die globale Erderwärmung habe das Risiko jedoch noch einmal erhöht.

Mit dem Fortschreiten des Klimawandels komme es häufiger vor, dass extreme Ereignisse wie Hitzewellen und Trockenheit gleichzeitig auftreten, so die Forscher. Ihre Studie konzentriert sich auf dieses gemeinsame Auftreten von Dürre und Hitze während der vergangenen 122 Jahre.

"Episoden extremer Trockenheit und Hitze sind das Rezept für große Waldbrände", erklärte Mojtaba Sadegh. "Diese Extreme intensivieren und weiten sich in beispiellosem räumlichem Ausmaß aus und ermöglichen die derzeitigen Waldbrände entlang der gesamten US-Westküste."

Seit Mitte August wüten dort Dutzende Feuer . Allein in Kalifornien kämpften rund 19.000 Einsatzkräfte gegen mehr als zwei Dutzend Großbrände. Die Flammen zerstörten seit Mitte August mehr als 5800 Gebäude.

Auch kürzere Dürrephasen, die weniger als ein Jahrzehnt dauerten, wie etwa die als "Dust Bowl" bekannte US-Dürre in den 1930er-Jahren, könnten verheerende Auswirkungen haben, wenn sie gleichzeitig mit Hitze aufträten. Unter anderem könnten klimatische Ereignisse in der Atmosphäre und am Boden in ihrem Zusammenspiel zu solchen Extremen führen, heißt es in der Studie.

Gefährliche Wechselwirkung

Die Wissenschaftler vermuten, dass der treibende Faktor für gleichzeitige Hitze-Dürre-Perioden in der jüngeren Vergangenheit vor allem übermäßige Hitze ist. In der "Dust Bowl"-Periode sei hingegen vor allem mangelnder Niederschlag der Auslöser gewesen.

Einer Megadürre gehe in der Regel ein längeres Hochdruckgebiet voraus, wodurch wolkenlose Bedingungen geschaffen würden, die eine Zufuhr von heißer Luft erlaubten. Trockene Böden erhöhten den Anteil der Wärme in den eintreffenden Sonnenstrahlen, der sich auf die Umgebungstemperatur auswirke, heißt es in dem Beitrag. Dies habe zur Folge, dass sich Hitzewellen verstärken.

Als Beispiel nennen die Forscher die Hitzewelle in Russland im Jahr 2010. Dort habe sich die Wahrscheinlichkeit einer Mega-Hitzewelle durch die Wechselwirkung von Dürre und Hitze um das 13-Fache erhöht. Das Zusammenspiel von trockenen Böden und heißer Luft verhindere, das Wolken entstünden, was weniger Regen zur Folge habe und im Ergebnis die Dürre verstärke.

jme/dpa
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