Methanlecks aus Gasnetzen Kleine Löcher, großer Klimaschaden

Eine neue Studie zeigt, dass aus den Gasnetzen der Städte viel Methan in die Atmosphäre entweicht. Das Gas schädigt das Klima weitaus mehr als Kohlendioxid.
Entweicht viel Methan aus undichten Leitungen, verschlechtert sich die Klimabilanz von Gas rapide

Entweicht viel Methan aus undichten Leitungen, verschlechtert sich die Klimabilanz von Gas rapide

Foto: Vitalii Karas / iStockphoto / Getty Images

Als Hauptbestandteil von Erdgas sorgt Methan dafür, dass wir es an kalten Tagen in den eigenen vier Wänden schön warm haben. Den gleichen Effekt erzeugt der Stoff jedoch, wenn er in die Atmosphäre gelangt - dort wird er zum Klimakiller und trägt ein Vielfaches stärker zum Treibhauseffekt bei als die gleiche Menge Kohlendioxid.

Aus Daten der Weltwetterorganisation (WMO) geht hervor, dass die Methankonzentration in der Atmosphäre zuletzt einen neuen Höchststand erreicht hat.

Ein internationales Forscherteam zeigt nun in einer neuen Studie, wie sich Methanemissionen auf recht einfache Weise reduzieren lassen: mit dem Aufspüren von kleinsten Lecks in den Gasleitungen der Städte.

Die Wissenschaftler, unter anderem der Universität Utrecht und der Umweltorganisation Environmental Defense Fund (EDF), haben mit Luftanalysen untersucht, wie viel Methan aus den Gasnetzen mehrerer europäischer Städte - darunter Hamburg - in die Atmosphäre entweicht.

"Wir haben im Hamburger Stadtgebiet an 145 Stellen erhöhte Methankonzentrationen entdeckt. Für zwei Drittel sind Lecks im Gasnetz die Ursache", erklärt Co-Autor Stefan Schwietzke vom EDF. Für das verbleibende Drittel seien biogene Quellen wie Abwässer oder Mülllager verantwortlich.

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"Gasspürer" suchen nach Lecks

Insgesamt rund 286 Tonnen Methan gelangen jährlich allein über das Hamburger Gasnetz in die Atmosphäre, haben die Forscher ermittelt. Das entspricht gut 24.600 Tonnen CO2, wenn man die Klimawirkung des Methans über zwanzig Jahre betrachtet.

Rechnet man die Daten aus Hamburg auf das Bundesgebiet hoch, kommt man auf Emissionen in einer Größenordnung von 1,3 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Die Arbeit des Forscherteams wurde vom Uno-Umweltprogramm Unep, von der EU sowie vom EDF finanziert. Sie befindet sich derzeit im Peer-Review-Prozess.

Hinter der Studie verbirgt sich eine gute Nachricht: Mit dem Aufspüren und Abdichten der Lecks lässt sich mit vergleichsweise wenig Aufwand viel für den Klimaschutz gewinnen.

Die Gasnetzbetreiber bemühen sich zwar, Lecks zu finden und zu schließen. Das städtische Unternehmen Gasnetz Hamburg, das für die Leitungen in der Hansestadt zuständig ist, beschäftigt acht "Gasspürer". Sie laufen jedes Jahr rund ein Drittel des 7900 Kilometer langen Rohrnetzes mit hochempfindlichen Sonden ab, teilt ein Unternehmenssprecher mit.

Der weit getaktete Prüfrhythmus der Gasspürer führt allerdings dazu, dass Methan im ungünstigsten Fall mehrere Jahre lang ungehindert in die Atmosphäre entweichen kann.

Mehr Emissionen aus Gasfeldern und Pipelines

Das meiste Methan entweicht jedoch nicht den örtlichen Gasnetzen, sondern wird bei der Förderung sowie dem Transport von Erdgas in die Bundesrepublik frei. Das zeigt eine Metastudie des Thinktanks Energy Watch Group aus dem letzten Jahr.

"Auf den Gasfeldern in Sibirien und in den Pipelines nach Deutschland gehen in ähnlicher Größenordnung wie bei importiertem US-Flüssiggas insgesamt mindestens 2 bis 2,5 Prozent der Fördermenge verloren", sagt Studienautor Thure Traber. Dazu kommen die Verluste in den Verteilnetzen. Rechne man die hinzu, ist Erdgas nach seiner Einschätzung sogar klimaschädlicher als Kohle, obwohl weniger CO2 freigesetzt wird, wenn Erdgas verbrannt wird. "Ab einem Verlust von 3,2 Prozent trägt Erdgas stärker zum Klimawandel bei als Kohle", erklärt er.

Die Messdaten aus Hamburg stützen die Aussage allerdings nicht - die ermittelten Emissionen entsprechen einem Schwund von 0,04 bis 0,07 Prozent.

Landwirtschaft ist weitaus größere Methanquelle

Bei all diesen Rechnungen sollte jedoch nicht vergessen werden, dass der mit Abstand stärkste Verursacher menschengemachter Methanemissionen nicht die Energie-, sondern die Landwirtschaft ist: Laut Umweltbundesamt ist sie für 62 Prozent der nicht natürlichen Methanemissionen in Deutschland verantwortlich.

Vor allem die Rinderhaltung verursacht hohe Emissionen. Der weitaus stärkste Hebel zur Verringerung des Methanausstoßes liegt also im Verzicht auf Steaks, Hamburger und Milchprodukte.

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