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23. Dezember 2017, 12:36 Uhr

Ureinwohner in Louisiana umgesiedelt

Wenn das Zuhause im Meer versinkt

98 Prozent ihrer Insel im US-Bundesstaat Louisiana hat sich der Golf von Mexiko schon geholt - nun müssen die Bewohner vom Stamm der Biloxi-Chitimacha-Choctaw umziehen. Manche können es kaum abwarten.

Einst gab es auf der Isle de Jean Charles Bananenplantagen und Pekannuss-Bäume, es wurde gejagt und Vieh gehalten - doch das ist lange vorbei. Heute ist von der Insel im Golf von Mexiko kaum mehr übrig als ein schmales Landband, mit einer Straße und ein paar Häusern. Den Rest hat sich das Wasser geholt, 98 Prozent der Insel seit 1955, um genau zu sein.

Für die rund 80 Bewohner, die meisten amerikanische Ureinwohner vom Stamm der Biloxi-Chitimacha-Choctaw, steht deshalb schon bald ein Umzug an. 64 Kilometer nordwestlich soll ein neues Heim entstehen, auf dem Gelände einer Zuckerrohrplantage. In den US-Medien wurden die Inselbewohner aus Louisiana bereits als "erste Klimaflüchtlinge des Landes" bezeichnet.

Tatsächlich dürfte der steigenden Meeresspiegel die Insel in absehbarer Zeit erst unbewohnbar machen - und letztlich komplett untergehen lassen. Erosion, absinkendes Land und von Menschenhand veränderte Wasserläufe im Golf haben der Isle de Jean Charles schwer zugesetzt. Im vergangenen Jahr bekam die Gemeinde rund 48 Millionen US-Dollar an staatlichen Fördermitteln zugesprochen, um die Bewohner als Klimaflüchtlinge anderswo neu anzusiedeln. Ein laut "New York Times" bisher einmaliger Vorgang.

"Wir verlieren all unser Erbe, unsere Kultur", sagte Chief Albert Naquin der US-Zeitung schon 2016: "Das ist bald alles Geschichte." Andere Bewohner können es hingegen kaum abwarten, die sinkende Insel zu verlassen. "Ich will einfach nur noch weg", sagte etwa Violet Handon Parfait, die mit ihrer Familie in einem rostigen Wohnwagen hinter den Resten ihres Hauses lebt. Das Haus selbst hatte Sturm "Gustav" im Jahr 2008 verwüstet.

Ende 2018 oder Anfang 2019 soll das neue Dorf auf höher gelegenem Gelände fertig sein. "Das liegt in einer der besseren Gegenden hier in der Region. Ich habe mich dafür ausgesprochen", ist auch Chief Naquin heute vom Umzug mehr angetan als noch im Gespräch mit der "New York Times" im vorvergangenen Jahr.

Im neuen Dorf soll es nicht nur Häuser geben. Die Millionen aus staatlichen Töpfen sollen auch für den Aufbau eines Gemeindezentrums und anderer dringend benötigter Infrastruktur reichen. Vielleicht sogar für ein Paar Teiche, in denen die für diese Region so typischen Langusten gefangen werden können.

Bevor es so weit ist, müssen sie aber noch mindestens eine Sturmsaison auf der Isle de Jean Charles überstehen.

jok/AP

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