Globaler Temperaturanstieg So stark belasten deutsche Passagierflüge das Klima

918 Millionen Tonnen CO2 haben kommerzielle Flugzeuge 2018 ausgestoßen. Das meiste stammte von Passagiermaschinen. Unter den schlimmsten Emittenten ist auch die EU - und Deutschland.

Deutschland belegt Platz fünf im Ranking der Staaten mit dem höchsten CO2-Ausstoße von Passagierflugzeugen
Xuanyu Han/ Getty Images

Deutschland belegt Platz fünf im Ranking der Staaten mit dem höchsten CO2-Ausstoße von Passagierflugzeugen

Von


Über das Fliegen wird im Zusammenhang mit den global steigenden Temperaturen so viel diskutiert, dass sogar ein neues Wort entstanden ist: "Flugscham" beschreibt das schlechte Gewissen, das Menschen wegen des hohen CO2-Ausstoßes von Flugreisen entwickeln. Forscher haben nun untersucht, ob auch in der deutschen Gesamt-Gesellschaft Grund dazu besteht.

Der International Council on Clean Transportation (ICCT), der auch wissenschaftliche Analysen für Behörden erstellt, hat untersucht, wie viel Kohlendioxid (CO2) die kommerzielle Luftfahrt 2018 emittiert hat. Als Datenquelle dienten öffentlich zugängliche Informationen über startende Flugzeuge, etwa von Flughafenbetreibern. Aus den Informationen errechneten die Experten den CO2-Ausstoß der Flüge.

Ergebnis: Insgesamt wurden durch den kommerziellen Luftverkehr im vergangenen Jahr 918 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Das entspricht 2,5 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Deutschland hat, alle CO2-Quellen zusammengerechnet, 2018 insgesamt knapp 800 Millionen Tonnen des Treibhausgases ausgestoßen.

Der Großteil des durch den Luftverkehr ausgestoßenen Kohlendioxid, 80 Prozent, entfiel auf Passagierflugzeuge, der Rest auf den Frachtverkehr (siehe Grafik unten).

Die EU belegt Platz zwei im Emissions-Ranking

Der ICCT hat sich in seiner Analyse auf den Passagiertransport konzentriert. Dieser war demnach im vergangenen Jahr für 747 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Je ein Drittel des CO2-Ausstoßes entfielen laut Analyse auf Kurz-, Mittel- und Langstreckenflüge.

Die Studie schreibt die Emissionen immer dem Land zu, in dem die Flugzeuge gestartet sind. Das meiste CO2 haben demnach in den USA gestartete Passagierflugzeuge ausgestoßen - 182 Millionen Tonnen im Jahr 2018. Das ist knapp ein Viertel der weltweit in diesem Bereich erzeugen Emissionen. Platz zwei belegt China, Platz drei das Vereinte Königreich.

In den Top Ten sind neben dem Vereinten Königreich auch drei weitere EU-Staaten vertreten - Deutschland belegt Platz fünf. Zusammengerechnet tragen in der EU startende Passagierflugzeuge knapp 20 Prozent zum Gesamtausstoß durch den kommerziellen Passagiertransport bei. Wäre die EU ein Staat, würde sie im Ranking auf Platz zwei landen (siehe Grafik).

Deutschland trägt zum Ausstoß der in der EU startenden Passagiermaschinen gut 22 Millionen Tonnen CO2 bei. Das sind drei Prozent des gesamten Ausstoßes für den Passagierverkehr in der Luft. Sieben Prozent davon, 1,5 Millionen Tonnen, entfallen auf Inlandsflüge.

Im Vergleich zu großen Flächenstaaten wie den USA oder China ist das ein geringer Anteil. In den USA tragen Inlandsflüge beispielsweise mit mehr als zwei Dritteln zu den CO2-Emissionen von Passagierflugzeugen bei.

Dennoch stehen die Flüge auch in Deutschland in der Kritik. Durch den größeren Einfluss des Energieaufwands beim Start, wird auf Kurzstrecken im Verhältnis zur zürückgelegten Distanz deutlich mehr CO2 pro Kilometer und Person ausgestoßen als bei längeren Flügen. In vergleichsweise kleinen Staaten wie Deutschland gibt es zudem oft deutlich klimafreundlichere Alternativen mit ähnlichem Zeitaufwand, etwa die Bahn.

Anmerkung der Redaktion: Den Kontextsatz zum Anteil des kommerziellen Flugverkehrs an den weltweiten Emissionen haben wir nachträglich ergänzt.



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.