Verdopplung der CO2-Konzentration Forscher prognostizieren stärkere Erderwärmung

In leistungsstarken Programmen simulieren Forscher, wie die Erde auf eine Verdopplung der Kohlendioxid-Menge in der Atmosphäre reagieren würde. Nun gibt es schlechte Nachrichten.
Eisbär in der russischen Arktis: Vom Aussterben bedroht

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Foto: SeppFriedhuber/ Getty Images

Um 1,5 bis 4,5 Grad könnte sich die Erde erwärmen, wenn sich der CO2-Gehalt der Atmosphäre im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter verdoppelt. Davon gingen Forscher bislang aus. Doch das Wissen, wie stark Kohlendioxid (CO2) die Temperaturen auf der Erde erhöht, wächst. Die Prognose wurde deshalb nun präzisiert - und dabei nach oben korrigiert.

Im Mittel würde die globale Temperatur unter den genannten Umständen demnach statt um drei Grad um 3,4 Grad ansteigen. Wissenschaftler um Steven Sherwood von der University of New South Wales im australischen Sydney rechnen damit, dass die Erderwärmung mindestens 2,3 Grad betragen wird, wenn sich der CO2-Gehalt gegenüber der vorindustriellen Zeit verdoppelt. Das Maximum liege bei 4,5 Grad, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Reviews of Geophysics" .

Das Team hat verschiedene Daten zusammengeführt, um die Klimasensitivität der Erde zu berechnen. Auch abseitigere Einschätzungen seien eingeflossen und unbekannte Details berücksichtigt worden. In einer vereinfachten, aber unsichereren Abschätzung kamen die Forscher auf einen noch engeren Bereich zwischen 2,6 und 3,9 Grad.

CO2-Verdopplung in den nächsten 60 bis 80 Jahren möglich

Nach aktuellem Wissensstand liege die Chance, dass die Erwärmung unter zwei Grad bleibe, bei nur fünf Prozent, berichten die Forscher . Das Szenario erschient also sehr unwahrscheinlich. Das Risiko, dass sich die Erde durch eine Verdopplung des CO2-Gehalts in der Luft um mehr als 4,5 Grad erwärme, liege dagegen immerhin zwischen sechs und 18 Prozent.

Schon jetzt hat sich die Erde um gut ein Grad erwärmt. Würde weiter wie bisher Kohlendioxid ausgestoßen, könnte sich sein Gehalt in der Atmosphäre gegenüber der Zeit vor der Industrialisierung bereits in den nächsten 60 bis 80 Jahren verdoppeln, warnen die Wissenschaftler.

Klimaziele in Gefahr

Experten arbeiten seit Jahrzehnten an Programmen, in denen sie die Funktion der Atmosphäre, der Ozeane und Landmassen simulieren. "Es gibt rund 100 dieser Modelle, ständig weiterentwickelt von rund 50 Forschungszentren in aller Welt", schrieb der Klimaforscher Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) Anfang Mai in einem Beitrag im SPIEGEL (mehr dazu lesen Sie hier). Die Berechnungen fließen auch in die Berichte des Weltklimarats IPCC  ein.

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Schon vor zwei Monaten sagten gleich mehrere Modelle eine deutlich stärkere globale Erwärmung voraus als frühere Berechnungen. "Laut den Modellen reagiert die Erde deutlich empfindlicher auf die Emission von Treibhausgasen und erwärmt sich schneller als gedacht", so Rahmstorf. "Wenn das stimmt, müssten wir den CO2-Ausstoß noch schneller herunterfahren, um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu halten."

jme
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