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Extreme Trockenheit und Starkregen Die USA in der Klima-Zange

Der Klimawandel spaltet die USA, zeigen Wetterdaten: Während ein Teil feuchter wird, müssen die Menschen woanders mit mehr Dürre und Hitze leben. Ein Phänomen, das sich auch weltweit beobachten lässt.

Der Lake Tahoe an der Grenze der US-Bundesstaaten Kalifornien und Nevada ist ein malerischer Ort, an dem die Amerikaner gerne Urlaub machen. Derzeit ist ein Aufenthalt dort jedoch alles andere als erholsam. Die Menschen tragen selbst im Freien Masken und das nicht wegen der Coronapandemie. Am Dienstag regnete es Asche auf das Gewässer in der Nähe von Reno. Dichter gelber Rauch verdeckte die Sicht auf die Berge – ein massiver Waldbrand bedroht die Idylle, er ist nur noch rund 30 Kilometer entfernt.

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Das Caldor-Feuer bereitet den Brandbekämpfern derzeit die größten Sorgen im Westen der USA. Innerhalb von 24 Stunden war es vergangene Woche um das Zehnfache angewachsen. Seit dem 14. August hat es fast 500 Quadratkilometer Fläche zerstört und mehr als 450 Häuser vernichtet.

Zwar glauben Feuerwehrleute derzeit nicht, dass es den See erreichen könnte. Doch die Lage ist nicht nur in Kalifornien ernst. Präsident Joe Biden hat am Dienstag den Katastrophenfall für den Bundesstaat ausgerufen. Nach Angaben des National Interagency Fire Center in Boise, Idaho, brannten landesweit 92 Großbrände in einem Dutzend Bundesstaaten. Obwohl viele Brände größer sind, hat das Caldor-Feuer oberste Priorität, um zu verhindern, dass es auf Tahoe übergreift.

Die Ursache dafür, dass sich Feuer so schnell ausbreiten können, sehen Experten vor allem in der extremen Trockenheit der letzten Jahre im Westen der USA. Der Klimawandel hat die Region in den vergangenen 30 Jahren wärmer und trockener gemacht und wird nach Ansicht von Wissenschaftlern das Wetter noch extremer und die Waldbrände noch zerstörerischer machen.

Temperaturentwicklung in den USA von 1960 bis 2020

Temperaturentwicklung in den USA von 1960 bis 2020

Foto: NOAA

Der Osten der USA erlebt dagegen ein anderes Extrem, das typisch für die klimatische Entwicklung in den USA ist. In New York sorge am Wochenende ein tropischer Sturm für starke Regenfälle. Ein Konzert, bei dem die Menschen im Central Park endlich mal wieder ausgelassen feiern wollten, musste abgesagt werden, weil die Meteorologen durch Sturm »Henri« Hochwasser und Starkregen vorhergesagt hatten. In Tennessee starben mehr als 20 Menschen durch Sturzfluten.

Kluft zwischen Ost und West

In den USA konnten Forscher in den letzten Jahren genau diese Kluft zwischen Ost und West verzeichnen. Wie Daten von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) zeigen, ist in der östlichen Hälfte des Landes in den letzten 30 Jahren im Durchschnitt mehr Regen gefallen, als im gesamten 20. Jahrhundert. Im Westen haben die Niederschlagsmengen dagegen abgenommen, berichtet die »New York Times«  unter Berufung auf die NOAA.

Üblicherweise verwenden Forscher 30-Jahresintervalle, um solche Trends abzubilden. Deshalb ist noch nicht ganz klar, ob die Beobachtungen langfristige Wetterschwankungen widerspiegeln oder Bestandteil der Klimaerwärmung sind. Doch zumindest stimmt die Beobachtungen mit Klimamodellen überein, die grob prognostizieren: Nasse Orte werden feuchter und trockene Orte trockener.

Temperatur in den USA im Jahr 1895 (li.) und 2020 - jeweils im August
Temperatur in den USA im Jahr 1895 (li.) und 2020 - jeweils im August

Temperatur in den USA im Jahr 1895 (li.) und 2020 - jeweils im August

Foto: NOAA / NOAA

Sowohl Häufigkeit als auch Intensität von starken Niederschlägen haben im ganzen Land laut des National Climate Assessment zugenommen, einer Bewertung des nationalen Klimas in den USA. Zwar gebe es jährliche Schwankungen und auch solche, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt dauern. Doch insgesamt zeigt sich ein Trend zu feuchteren und trockeneren Extremen.

Starke Regenfälle können ein deutliches Anzeichen für den Einfluss des Klimawandels sein. Durch höhere Verdunstung gelangt mehr Feuchtigkeit in die Atmosphäre, mancherorts sind die Ozeane wärmer geworden. Zudem kann wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen. In der Atmosphäre zirkuliert also mehr Wasser, das bei Stürmen ausregnet.

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Dieser Trend zu feuchteren und trockeneren Extremen zeigt sich auch global. Seit 1950 wird auf den Landmassen der Erde im Durchschnitt mehr Niederschlag verzeichnet. Ein Großteil Asiens ist heute feuchter als früher. Extremwetter nimmt auch in Nord- und Mitteleuropa zu. Das jüngste Beispiel hat Deutschland erst vor wenigen Wochen erlebt, als der Süden des Landes von verheerenden Fluten infolge starker Regenfälle betroffen war. Wie eine erste Studie zeigte, war das Hochwasser an der Ahr mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Klimawandel-Ereignis.

Doch im Gegenzug sind andere Regionen im Mittel trockener geworden. Dazu gehören die Mittelmeerregion so wie ein Großteil Afrikas und der Osten von Australien.

joe/AP
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