Klimawandel in Deutschland Experten erwarten Kosten von 800 Milliarden Euro

Höhere Energiekosten, Einbußen im Tourismus und steigende Versicherungsschäden - die Folgen des Klimawandels werden Deutschland dreistellige Milliardenbeträge kosten, prognostizieren Wissenschaftler. Auch das Wirtschaftswachstum wird verlangsamt.


Berlin - Der Klimawandel kommt, Experten beraten über die Folgen - und deren Kosten. Alleine in Deutschland könnten Dürren, Überschwemmungen und Stürme Tourismus und Landwirtschaft sowie die Versicherungswirtschaft 330 Milliarden Euro kosten. Das prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung auf der Basis von Simulationen der künftigen Klimaentwicklung in Deutschland - auf das gesamte Land kommen demnach hohe Kosten zu.

Klimawandel in Deutschland: Mehrkosten für Wirtschaft und private Haushalte
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Klimawandel in Deutschland: Mehrkosten für Wirtschaft und private Haushalte

Insgesamt könnten die Folgen des Klimawandels hierzulande Kosten in dreistelliger Milliardenhöhe verursachen, sagte Claudia Kemfert, Expertin für Energie, Verkehr und Umwelt am DIW. Nach heute vorgestellten Daten müssen die Deutschen bis zum 2050 zusätzliche 800 Milliarden Euro ausgeben, um den Folgen der globalen Erwärmung zu begegnen. Bis zum Jahr 2100 könnten sich die Kosten nach DIW-Berechnungen gar auf fast drei Billionen Euro belaufen.

Das DIW nimmt in seiner Studie allerdings an, dass die globale Durchschnittslufttemperatur um 4,5 Grad Celsius steigen wird. Das ist der obere Erwartungswert, von dem der Uno-Klimarat ausgeht. Im Februar hatte er zahllose Studien und Modellrechnungen zum Thema ausgewertet - und eine Erwärmung zwischen durchschnittlich 2 und 4,5 Grad Celsius bis Ende des Jahrhunderts als wahrscheinlich bezeichnet.

Große Mehrkosten für private Haushalte

Außerdem sind die DIW-Zahlen das Ergebnis einer Projektion: Anhand von Modellrechnungen, beispielsweise mit regionalen Klimamodellen für Deutschland, wurden Kosten bestimmt - eine Art Überschlagsrechnung, mit der man sich den erwarteten Größenordnungen nähern kann.

Diese sind in der Tat gewaltig:

  • Alleine die Kosten durch Klimaschäden könnten sich auf rund 330 Milliarden Euro belaufen
  • Erhöhte Energiekosten würden knapp 300 Milliarden Euro ausmachen, einen großen Teil davon müssten wohl die privaten Haushalte tragen
  • Knapp 170 Milliarden Euro könnten die Kosten für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels (etwa höhere Deiche) verschlingen

In den kommenden 50 Jahren kann der Klimawandel nach DIW-Berechnungen zu realen gesamtwirtschaftlichen Wachstumseinbußen von bis zu 0,5 Prozentpunkten pro Jahr führen. Die ökonomischen Auswirkungen beträfen fast alle Wirtschaftsbereiche. Der Berater der britischen Regierung, Nicholas Stern, hatte im November letzten Jahres in seinem Report empfohlen: Weltweit müsse jährlich ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts aufgewendet werden, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen.

Das DIW weist auch auf eine mögliche Zunahme tropischer Krankheiten in Deutschland hin und vor allem in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts auf eine deutliche Steigerung von hitzebedingten Sterbefällen.

Solche Berechnungen sind aber umstritten: Die Anpassung des Menschen an veränderte Umweltbedingungen werde tendeziell unterschätzt, bemängeln Experten. In der Forschung, so hatte Hans von Storch vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht zu SPIEGEL ONLINE gesagt, sei diese Anpassungsperspektive bislang stiefmütterlich behandelt worden.

stx/AP/dpa/rtr

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