Klimawandel Methan - die unterschätzte Gefahr

Während sich bei der Klimadebatte fast alles um das Kohlendioxid dreht, steigen die Werte eines anderen, besonders schädlichen Klimagases rasant an: Methan.

Biogasanlage in Deutschland: Unter den Kuppeln setzen Mikroorganismen beim Abbau organischer Stoffe Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette in Methan und Kohlenstoffdioxid um.
Bernd Wittelsbach/ kontrast-fotodesign/ Getty Images

Biogasanlage in Deutschland: Unter den Kuppeln setzen Mikroorganismen beim Abbau organischer Stoffe Kohlenhydrate, Eiweiße und Fette in Methan und Kohlenstoffdioxid um.


Die Schlagworte Klimakrise und Kohlendioxid werden in der öffentlichen Debatte fast synonym benutzt. Dabei kommt zu kurz, dass auch andere Treibhausgase die Atmosphäre aufheizen. Die Emissionen von Methan seien in der öffentlichen Wahrnehmung noch völlig unterrepräsentiert, warnen nun zwei neuseeländische Atmosphärenforscher.

Denn die Klimawirkung des Spurengases übertrifft diejenige von Kohlendioxid um das 25-fache - und seine Konzentration in der Luft steigt rasant an.

Methan ist ein farb- und geruchloses Gas. In der Umwelt bildet sich Methan immer dort, wo sich organisches Material unter Luftabschluss zersetzt, hierzulande vor allem bei der Massentierhaltung, in der Forstwirtschaft, in Klärwerken und auf Mülldeponien.

Aktuell ist der Methangehalt der Luft etwa 2,5-mal höher als in vorindustrieller Zeit, rund ein Drittel der globalen Erwärmung geht auf das Konto des potenten Klimagases.

Eskalierender Anstieg

Seit 2007 stieg der Methananteil in der Luft um 5,7 parts per billion (ppb) jährlich, ab 2014 durchschnittlich sogar um 9,7 ppb. Die Gründe dafür seien unklar, schreiben Sara Mikaloff Fletcher und Hinrich Schaefer vom National Institute of Water and Atmospheric Research in Wellington.

Bekannt sei aber, dass etwa der Kohlebergbau in Ostasien und die global weiter zunehmende Fleischproduktion zum Methananstieg beitrage, so die Forscher. Allein die Viehhaltung könnte für die Hälfte des zusätzlichen Methans seit 2002 verantwortlich gemacht werden.

Die Forscher gehen davon aus, dass mehrere Prozesse zusammenwirken und parallel zum Anstieg der Emissionen die Leistungsfähigkeit der Methansenken abnehme, sodass das Gas langsamer abgebaut wird.

Methan aus den Polargebieten

Im jüngsten Szenario des Weltklimarats IPCC, in dem die Chancen für eine Begrenzung des Klimawandels auf 1,5 Grad Celsius bis 2100 im Vergleich zu vorindustrieller Zeit ausgelotet werden, spielt Methan ebenfalls eine Rolle. Um das Klimaziel zu erreichen, müsste die Methanmenge in der Atmosphäre zwischen 2010 und 2050 um 35 Prozent sinken.

Der momentane Anstieg führt jedoch genau in die Gegenrichtung und zwar aus bislang unklaren Ursachen. Deshalb plädiert auch Klimaexperte Mojib Latif vom Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung neben dem nach wie vor wichtigen Kohlendioxid stärker andere Klimagase zu beachten. "Wir wissen immer noch nicht genug über den Methan-Kreislauf."

Warnung vor "Kipppunkten" im Klimasystem

Gleichzeitig warnt Latif davor, dass das Klimasystem an einen kritischen "Kipppunkt" kommen könnte, wenn beispielsweise in einem wärmeren Klima, das momentan in den Polargebieten eingefrorene Methan in die Luft gelangt.

Solche Kipppunkte sind dann erreicht, wenn vermeintlich kleine Eingriffe in das komplexe Klimasystem zu drastischen Änderungen führen - womöglich ohne eine Chance den alten Zustand wiederherzustellen. Latif: "Wir müssen uns darauf gefasst machen, dass irgendwann diese Kipppunkte überschritten werden, gerade beim Methan. Wenn dessen Anstieg weiter so anhält, müssen die Einsparungen bei Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen noch verstärkt werden, um das Pariser Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung zu erreichen."

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