Klimakrise Risiko für Hitzewellen im Juni hat sich verfünffacht

Im Juni beherrschte eine Hitzewelle Mitteleuropa. Forscher haben anhand von Klimadaten aus Frankreich nun erstmals berechnet, welchen Anteil der Mensch an den aktuellen Temperaturrekorden hat.

Abkühlung vor dem Eifelturm: Am 28. Juni herrschten in Frankreich Temperaturen bis 45,9 Grad
Zakaria ABDELKAFI/ AFP

Abkühlung vor dem Eifelturm: Am 28. Juni herrschten in Frankreich Temperaturen bis 45,9 Grad

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Der Klimawandel erhöht das Risiko für Hitzewellen in Europa deutlich, berichten Forscher vom "World Weather Attribution Projekt". Sie haben die Rekordhitze in Frankreich von Ende Juni 2019 untersucht. Die steigenden globalen Temperaturen erhöhen demnach die Wahrscheinlichkeit für eine Hitzeperiode mindestens um das Fünffache, ein Modell kommt sogar auf den Faktor hundert.

Außerdem seien die Hitzewellen im Juni in Frankreich heute vier Grad heißer als vor Beginn der Industrialisierung.

In der letzten Juniwoche 2019 meldeten mehrere EU-Staaten Temperaturrekorde: In Deutschland stieg der Wert für den Monat Juni von 39,3 auf 39,6 Grad. Auch in Österreich und den Niederlanden erreichte die Juni-Durchschnittstemperatur einen neuen Höchstwert. Besonders heiß war es in Frankreich: Dort kletterte der Allzeittemperaturrekord am 28. Juni von 44,1 Grad auf 45,9 Grad.

Die hohen Temperaturen ließen die Menschen nicht nur schwitzen, sondern fachten auch die Debatte über den Klimaschutz neu an. Dabei ist es gar nicht so einfach, im Detail herauszufinden, welchen Anteil höhere globale Temperaturen auf einzelne Extremereignisse haben. Forscher des World Weather Attribution Projekts melden sich nun mit einer ersten Bilanz.

Hitze im Juni besonders gefährlich

Die Wissenschaftler um Friederike Otto von der University of Oxford haben die drei-Tages-Durchschnittstemperaturen aus dem Juni 2019 mit Daten aus früheren Jahren verglichen. Die Forscher entschieden sich gezielt für diese Werte, weil sie besser als Einzelwerte beschreiben, wie sich die Hitze auf die Gesundheit auswirkt. Hitzewellen im Juni könnten besonders gefährlich sein, weil zu der Zeit weniger Menschen frei machen könnten und kaum die Möglichkeit hätten, der Hitze zu entfliehen (Gesundheitstipps für den Sommer finden Sie hier).

Zudem glichen die Forscher Wetterdaten mit den Prognosen verschiedener Klimamodelle ab. Attributionsstudien wie diese ermöglichen es Wissenschaftlern, das inzwischen um ein Grad erwärmte Klima mit jenem Klima zu vergleichen, das ohne den Klimawandel herrschen würde. In der aktuellen Studie lieferten die Modelle im Detail sehr unterschiedliche Ergebnisse, bestätigten aber alle, dass das Risiko für Juni-Hitzewellen in Frankreich durch den Klimawandel steigt.

"Jede neue Hitzewelle in Europa ist mit immer größerer Wahrscheinlichkeit auf den menschengemachten Klimawandel zurückzuführen", schlussfolgern die Forscher. Es bleiben allerdings ein paar Unsicherheiten: Wie stark der Einfluss sei, hänge vom Einzelfall ab, schreiben die Kollegen um Otto. Die Studie sei zudem bislang nicht von unabhängigen Experten geprüft worden.

Das "World Weather Attribution Projekt" hatte zuvor auch berechnet, dass der Klimawandel das Risiko für die hohen Temperaturen in Nordeuropa im vergangenen Jahr mindestens verdoppelt hatte.

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