Klinische Studie Neues Malaria-Mittel ist "hochwirksam"

Im Kampf gegen Malaria dürfen Mediziner auf eine neue Waffe hoffen. Wie eine Studie zeigt, kann ein ursprünglich als Unkrautvernichtungsmittel gedachter Wirkstoff den Erreger erfolgreich zurückdrängen.


Malaria übertragende Anopheles-Mücke: Jährlich bis zu 2,7 Millionen Opfer
CDC / James Gathany

Malaria übertragende Anopheles-Mücke: Jährlich bis zu 2,7 Millionen Opfer

Ein neues Medikament kann Malaria-Erreger innerhalb von zwei Tagen abtöten, berichten deutsche Wissenschaftler. In einer klinischen Studie mit 27 Patienten im afrikanischen Gabun habe sich der erstmals zur Behandlung des Tropenfiebers eingesetzte Wirkstoff Fosmidomycin als "hochwirksam" erwiesen, teilte die Universität Gießen mit. Die Ergebnisse des Teams um den Tübinger Tropenmediziner Peter Kremsner erscheinen in der aktuellen Ausgabe des britischen Fachjournals "The Lancet".

Bereits 48 Stunden nach Beginn der Therapie waren die Erreger der Krankheit im Blut der Patienten nicht mehr nachweisbar, so die Forscher. Die in drei Gruppen eingeteilten Malaria-Patienten hätten das Medikament drei, vier oder fünf Tage lang eingenommen. Von den Erkrankten, die mindestens vier Tage lang dreimal täglich mit 1,2 Gramm Fosmidomycin behandelt wurden, seien 90 Prozent auch nach zwei Wochen "frei von Erregern" gewesen.

Nach Darstellung von Hassan Jomaa vom biochemischen Institut der Gießener Universität greift Fosmidomycin ein Enzym an, das der Malaria-Erreger Plasmodium falciparum - aber nicht der Mensch - für einen spezifischen Stoffwechselweg benötigt. Daher sei die Substanz für Menschen ungiftig. Fosmidomycin war bereits in den siebziger Jahren von japanischen Pharmaunternehmen als Unkrautvernichtungsmittel und potenzielles Antibiotikum erforscht worden.

In etwa drei Jahren könnte das Medikament marktreif sein, hoffen die Wissenschaftler. Um Therapiedauer und Häufigkeit der Dosen zu senken, arbeiten Jomaa und Kremsner an einem neuen Präparat, das Fosmidomycin mit einem anderen antiparasitären Mittel kombiniert. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge sterben jährlich bis zu 2,7 Millionen Menschen an dem Tropenfieber. Gerade in afrikanischen Ländern südlich der Sahara werden immer mehr Erreger gegen die üblichen Malaria-Medikamente resistent.



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