Klonskandal Hwang soll Millionen veruntreut haben

Der Skandal um Hwang Woo Suk wird immer bizarrer. Der südkoreanische Stammzellforscher, der jüngst als Hochstapler entlarvt wurde, soll Forschungsgelder für private Zwecke und zur Bestechung von Politikern missbraucht haben.

Seoul - In Südkorea war Hwang Woo Suk nicht weniger als ein Volksheld - bis sich herausstellte, dass seine vermeintlichen wissenschaftlichen Heldentaten komplett gefälscht waren. Danach glaubten viele, der ehemalige Weltstar der Stammzellforschung könne nicht noch tiefer stürzen.

Kann er womöglich doch, sollte zutreffen, was der mit der Hwang-Affäre befasste staatliche Untersuchungsausschuss jetzt herausgefunden hat. In einem am heutigen Montag veröffentlichten Bericht heißt es, Hwang habe weitere Vergehen gestanden. Der Forscher habe eingeräumt, Gelder in Höhe von umgerechnet 5,4 Millionen Euro zum Teil in bar an Politiker und ausländische Besucher seines Labors gezahlt zu haben. Hwang wolle sich jedoch nicht daran erinnern können, wem er das Geld gegeben habe.

Die Regierung Südkoreas hatte Hwang den Angaben zufolge mehr als 30 Millionen Euro für seine Forschung gezahlt. Von dieser Summe soll Hwang rund 5,4 Millionen Euro persönlich verwaltet haben. In einem Fall soll er Geld, das für die Bezahlung seiner Untergebenen bestimmt gewesen sei, auf seine Privatkonten umgeleitet haben. "Es gibt keine Dokumente über die weitere Verwendung dieses Geldes", heißt es in dem Bericht der Kommission.

Hwang soll auch rund 2,9 Millionen Euro aus privaten Zuwendungen für unbekannte Zwecke benutzt haben, ohne die Spenden wie vorgeschrieben seiner Universität zu melden. Darüber hinaus sollen mehr als 1,5 Millionen Euro an Spenden auf Hwangs Privatkonten geflossen sein. Für welche Zwecke er dieses Geld ausgegeben hat, ist dem Untersuchungsbericht zufolge ebenfalls offen. Klar sei nur eines: "Sie lagen außerhalb der Forschung."

Der Untersuchungsausschuss kündigte an, wegen des Verdachts der Unterschlagung die Staatsanwaltschaft einzuschalten. Die betrügerische Verwendung von Steuergeldern kann in Südkorea mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Erst vor wenigen Tagen hatten die Ermittler Hwangs Wohnhaus durchsucht.

Ein Untersuchungsausschuss der Universität Seoul hatte zu Beginn des Jahres Hwangs gesamte Stammzellforschung als gefälscht entlarvt. Die Forschungsberichte, erschienen unter anderem im renommierten Fachblatt "Science", hatten international Hoffnungen geweckt, maßgeschneiderte Stammzellen könnten eines Tages zur Behandlung von Kranken eingesetzt werden.

Hwangs Fälschungen waren der größte Forschungsskandal der vergangenen Jahre und haben eine Debatte über die Qualitätskontrolle bei wissenschaftlichen Zeitschriften ausgelöst. In südkoreanischen Medien war von "nationaler Schande" die Rede.

mbe/AFP/dpa/rtr/AP

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