Knochenfunde Urmenschen verspeisten auch Wassertiere

Fische, Schildkröten und sogar Krokodile: Frühmenschen in Afrika ließen sich auch Wasserbewohner schmecken. Forscher haben in Kenia die bisher ältesten Hinweise auf einen derart vielfältigen Speiseplan gefunden. Die Spuren sind fast zwei Millionen Jahre alt.

Schädelfragment eines Homo erectus: Wassertiere mit verantwortlich für Gehirnwachstum?
REUTERS

Schädelfragment eines Homo erectus: Wassertiere mit verantwortlich für Gehirnwachstum?


Washington - Wie sich die Frühmenschen ernährt haben, darüber wissen Forscher nicht allzu viel. Vor allem für die Zeit vor dem Auftreten von Homo ergaster und Homo erectus tappen sie weitgehend im Dunkeln. Funde von Steinwerkzeugen und Knochen mit Spuren menschlicher Bearbeitung sind deswegen extrem wertvoll.

Am Turkana-See im Norden Kenias hat ein internationales Wissenschaftlerteam nun Hinweise darauf gefunden, dass das Nahrungsspektrum früher Menschenarten offenbar sehr viel breiter als bisher bekannt. An der Fundstelle Koobi Fora stießen die Forscher auf eine große Ansammlung von Steinwerkzeugen, zum Beispiel Fragmente von Speerspitzen. Die Relikte datierten die Forscher auf ein Alter von 1,95 Millionen Jahren. Damit gehören die Fundstücke zu den sogenannten Oldowan, den ältesten Werkzeugen der Welt.

Direkt daneben fanden sich auch zahlreiche Knochen von Tieren, zum Beispiel Impalas, Flusspferde und Rhinozerosse. Einige wiesen Spuren von Bearbeitung auf - in ausgewählten Fällen konnten die Forscher sogar die Stellen erkennen, an denen das Fleisch zum Verzehr vom Knochen gelöst worden war. Und neben den Landlebewesen gab es zur Überraschung der Wissenschaftler auch Überreste von Wassertieren: Fische, Schildkröten und sogar Krokodile.

Die Nährstoffe aus dem Fleisch der aquatischen Lebewesen könnten eine entscheidende Komponente für das schnelle Wachstum und die Evolution des menschlichen Gehirns gewesen sein, schreiben die Wissenschaftler um David Braun von der Universität im südafrikanischen Kapstadt im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die Jagd auf Wassertiere dürfte den Frühmenschen erhebliche Vorteile gebracht haben: So dürfte es deutlich energiesparender gewesen sein, eine Schildkröte einzufangen, als einer Impala-Antilope aufzulauern. Außerdem ist gerade das Fleisch aquatischer Lebewesen besonders reich an langkettigen und mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Diese Verbindungen - dazu zählen unter anderem die Omega-3-Fettsäuren - gelten als wichtig für das Wachstum des menschlichen Gehirns.

chs/ddp

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