Konferenz "Urban 21" Weltgrößte Metropolen wollen kooperieren

Die Bürgermeister der 21 größten Städte der Welt wollen enger zusammenarbeiten, um das rasante Wachstum ihrer Metropolen in den Griff zu bekommen. Vor allem Flächenmangel und Transportschwierigkeiten seien gemeinsame Probleme, hieß es im Vorfeld der Konferenz "Urban 21" in Berlin.


Berlin - Bundesbauminister Reinhard Klimmt forderte anlässlich des Treffens eine Stärkung der kommunalen Selbstverwaltung. Sie sei der zentrale Punkt, damit die Städte ihre Probleme selbst lösen könnten. Ziel müsse es sein, die Grundausstattung der Menschen mit Wohnraum, Energie und Wasser sicherzustellen, sagte Klimmt.

Die Bürgermeisterin von Kapstadt Nomaindia Mfeketo diskutiert mit Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Bauminister Reinhard Klimmt
AP

Die Bürgermeisterin von Kapstadt Nomaindia Mfeketo diskutiert mit Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und Bauminister Reinhard Klimmt

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) wies daraufhin, dass mit Unterstützung der Weltbank eine "Best Practice"-Datenbank aufgebaut würde. In dieser würden Erfahrungen der Metropolenverwaltungen gesammelt und für alle Städte zugänglich gemacht.

Der Bürgermeister von Bombay, Veeraraghana Ranganathan, sagte, besonders im Umgang mit den Regional- und Bundesbehörden und bei der Bewältigung von Verkehrsproblemen könnten alle Städte voneinander lernen. Die Züge seiner Stadt müssten beispielsweise drei bis viermal mehr Menschen befördern, als sie eigentlich bewältigen könnten.

Der Stadtentwicklungsexperte Ulrich Pfeiffer, der den Uno-Weltbericht zur Zukunft der Städte für "Urban 21" mit ausgearbeitet hat, erwartet ein weiteres Wachstum der Städte. Verkehrs- und Umweltprobleme seien in allen Metropolen der Welt ähnlich. Das Auto in seiner jetzigen Form sei für die Städte eine Katastrophe. Es müsse auch aus ökologischen Gründen so schnell wie möglich auf andere Antriebsstoffe umgestellt werden.

Nach Pfeiffers Angaben verläuft das Wachstum der Städte sehr unterschiedlich. Während afrikanische und asiatische Städte mit rasantem Bevölkerungsanstieg von mehr als drei Prozent pro Jahr kämpften, habe er sich in Süd- und Mittelamerika abgeschwächt. Die Einkommen der Menschen wüchsen hier schneller als die Bevölkerungszahl. Folge sei allerdings eine stärkere Motorisierung und damit neue Verkehrs- und Umweltprobleme. In Europa hingegen wüchsen die Städte hauptsächlich flächenmäßig. Grund sei der hohe Anteil von älteren Menschen, die mehr Wohnraum als jüngere beanspruchen, sagte Pfeiffer, der auch Bundesbauminister Klimmt berät.

Nach seinen Angaben werden im Jahr 2025 schon zwei Drittel der Menschen in Städten wohnen. "Die Vorstellung, dass in der Informationsgesellschaft vernetzte Menschen auf dem Land leben und arbeiten, ist absurd." Die räumliche Nähe zum Arbeitgeber und den Kunden werde weiter wichtig bleiben. Dies gelte besonders für den stark wachsenden Dienstleistungssektor.



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