Kopiertes Haustier Forscher klonen erstmals Katze

Ein texanisches Forscherteam hat das erste geklonte Kätzchen der Welt vorgestellt. Trotz seines Namens "Cc:" ist das Tier, wie die Wissenschaftler betonen, keine absolut exakte Kopie.


Klonkatze "Cc:": Völlig normal?
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Klonkatze "Cc:": Völlig normal?

Wie ein außergewöhnliches Kätzchen sieht "Cc:" nicht gerade aus. Dennoch ist das weiß-graue Pelzknäuel mit dem merkwürdigen Namen, das ein US-amerikanisches Forscherteam jetzt vorgestellt hat, etwas ganz Besonderes - nämlich die erste geklonte Hauskatze der Welt.

Wie die Wissenschaftler um Mark Westhusin von der Texas A&M University berichten, entwickelt sich das knapp zwei Monate alte Tier ganz gewöhnlich für sein Alter. "Das Kätzchen war nach der Geburt lebhaft und scheint völlig normal zu sein", schreiben die Forscher in einem vorab veröffentlichten Artikel des Fachmagazins "Nature".

"Cc:" war bereits am 22. Dezember per Kaiserschnitt zur Welt gekommen. Sein Erbgut stammt, so die Forscher, von der erwachsenen Hauskatze "Rainbow". Das Team hatte Zellen des Tieres in entkernte Eizellen gepflanzt und die geklonten Embryonen anderen Weibchen eingesetzt. Die Katze "Allie" trug das Klontier schließlich aus.

Den Namen "Cc:" erhielt das Kätzchen in Anspielung an das englische "Carbon Copy", zu deutsch ein Durchschlag auf Kohlepapier. Aber auch die Übersetzung "Copycat" liegt nahe. Obwohl neben einem Erbgutvergleich auch die Fellzeichnung darauf hindeutet, dass es sich tatsächlich um einen Klon handelt, ist "Cc:" den Forschern zufolge keine exakte Kopie - so werde etwa die Pelzfarbe nicht allein von den Genen, sondern auch von anderen Faktoren während der Entwicklung bestimmt.

Die Klonkatze sei, sagt Teammitglied Duane Kraemer, "eine Reproduktion, keine Wiederauferweckung". Tierbesitzer, die schon Zellen ihrer Vierbeiner abgegeben hätten, um diese in Zukunft klonen zu lassen, sollten dies bedenken. Schließlich hätten die Klontiere, so der Forscher, noch keine Beziehung zum Menschen entwickelt und auch sonst keine Erinnerungen.

Neben Haustierbesitzern sind den Wissenschaftlern zufolge auch Labors an Klonkatzen interessiert, zum Beispiel für die Erforschung neurologischer Erkrankungen oder die Entwicklung von Aids-Medikamenten. Zudem könne die Klontechnik dabei helfen, vom Aussterben bedrohte Katzenarten zu retten.

Bei Tierschützern stoßen die Experimente allerdings auf harsche Kritik. Das Katzenklonen gehe "in die falsche Richtung", meint etwa Wayne Pacelle von der US-Organisation Humane Society. Er stört sich nicht nur an den Tierversuchen der Forscher, sondern auch an Haustierbesitzern, die sich eine neue Version ihres siechen Lieblings klonen lassen wollen. Es gebe, so Pacelle, in vielen Städten und Gemeinden ohnehin zu viele Katzen.

Allerdings wird das Katzenklonen wohl nicht allzu schnell zur Routine. Denn "Cc:" war der einzige Erfolg einer aufwendigen Versuchsreihe. Aus 86 anderen geklonten Embryonen, die das texanische Team verschiedenen Weibchen eingepflanzt hatte, entwickelten sich keine Kätzchen.



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