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30. Juli 2014, 06:19 Uhr

Esoterik im Getreide

Tausende pilgern zu Kornkreis in Bayern

Ein neu entdeckter Kornkreis in Oberbayern ist zur beliebten Pilgerstätte geworden. Wie das Gebilde entstanden ist, gibt Rätsel auf.

Einige sind sicher: Außerirdische wollten den Erdenbürgern ihre Liebe zeigen. Ein Kornkreis in einem Feld in Bayern zieht Esoterikanhänger aus dem gesamten deutschsprachigen Raum an. Tausende sind seit Bekanntwerden des Gebildes vor einer Woche nach Raisting in Oberbayern gekommen, um das aus mehreren Ringen bestehende Ornament mit einem Durchmesser von rund 75 Metern zu bestaunen.

"Sie sangen, tanzten, spielten Gitarre, schwangen Pendel und haben im Feld übernachtet", berichtete eine Anwohnerin der "Süddeutschen Zeitung". Für viele Besucher steht fest, dass der Kornkreis nicht auf natürliche Weise entstanden ist. Nachdem Ballonfahrer das Gebilde vorige Woche entdeckt hatten, verbreitete sich die Botschaft über Internetforen wie ein Lauffeuer. Kornkreis-Interessierte haben inzwischen sogar einen eigenen kleinen Forschungszweig gegründet. Sie erkunden die Phänomene im Rahmen der Cerealogie oder Kornkreiskunde.

Zeichen der Liebe oder Studentenscherz

Eine Anhängerin der Theorie, wonach Kornkreise von Außerirdischen geformt werden, sagte der Zeitung: "Das ist eine Technologie, die wir noch nicht beherrschen, sie wollen uns zeigen: Wir sind da, wir lieben euch." Andere Besucher halten es für keinen Zufall, dass der Kornkreis nur wenige Hundert Meter von jenen Antennen der einstigen Erdfunkstelle entfernt ist, die 1969 die erste Mondlandung live in die Wohnstuben von Europas Fernsehzuschauern übertrugen.

Landwirt Christoph Huttner, dem das Weizenfeld gehört, versicherte, dass er den Kornkreis nicht angelegt habe. Von ihm stammten lediglich die üblichen Fahrgassen zur Bewirtschaftung des Feldes. Huttner vermutet, dass Studenten das Gebilde in den Acker geschnitten haben könnten. "Das ist sehr schwierig und wirklich gut gemacht", sagte er. "Ich weiß nicht, wie die das angestellt haben. Man sieht nichts, keine Reifenspuren, überhaupt nichts."

Auch den Besuchern des Kornkreises stellt Huttner ein gutes Zeugnis aus. "Die Leute sind sehr anständig und ziehen ihre Schuhe aus, bevor sie ins Feld gehen." Sie hätten sogar Sammelbüchsen aufgestellt, um den Flurschaden, der ihm entsteht, zu ersetzen. "Der Schaden beträgt lediglich einige Hundert Euro", erläuterte der Landwirt.

Zugedröhnt im Kornfeld

Tatsächlich verlieren die meisten Kornkreisrätsel sehr schnell ihre Magie. Eine kleine Übersicht:

Landwirt Huttner weiß noch nicht, ob er den Weizen um die nun entdeckten Kornkreise nächste Woche erntet oder den Kornkreis noch einige Zeit stehen lässt. Für die Polizei ist das kunstvolle Gebilde bisher zumindest kein Thema. "Wir mussten uns noch nicht mit dem Fall befassen", sagte ein Sprecher in Weilheim.

jme/dpa

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