Krankheiten Viren könnten Schizophrenie auslösen

Forscher haben ein Virus entdeckt, das möglicherweise Schizophrenie hervorruft. Spuren des Erregers, der die menschliche DNS vielleicht schon vor Millionen Jahren befiel, fanden sich in der Hirnflüssigkeit von psychisch Kranken.


Menschliche DNS: Vor Millionen Jahren von Retroviren befallen
AFP

Menschliche DNS: Vor Millionen Jahren von Retroviren befallen

Die Wissenschaftler um Robert Yolken von der Johns Hopkins University hatten die Hirnflüssigkeit von 35 Schizophrenie-Patienten untersucht. Etwa 30 Prozent der Personen mit akuter Schizophrenie und sieben Prozent der an chronischer Schizophrenie Erkrankten wiesen Spuren eines aktivierten Retrovirus auf, berichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences". Bei einer Kontrollgruppe aus Gesunden und Patienten, die an anderen neurologischen Erkrankungen litten, fand das Team hingegen keine Virenspuren.

Bei dem verdächtigen Erreger handelt es sich um ein so genanntes endogenes Retrovirus aus der Virenfamilie HERV-W. Retroviren, zu denen auch der Aids-Erreger HIV zählt, können ihre Erbinformation in das Genom einer Zelle einbauen und diese damit zur Produktion neuer Viren veranlassen. Einige Retroviren haben sich - zum Teil schon vor Millionen Jahren - so geschickt in das menschliche Erbgut integriert, dass sie von Generation zu Generation weitergereicht werden. Die meisten dieser endogenen Retroviren sind allerdings durch Mutationen inaktiv geworden.

Bei den Schizophrenie-Kranken wurde das Virus vom Typ HERV-W offenbar wieder aktiv und produzierte RNS-Stränge, die in der Hirnflüssigkeit nachgewiesen werden konnten. Was das plötzliche Wiederaufleben des Erregers verursacht, wissen die Forscher noch nicht. "Wir hoffen, dass wir irgendwann einmal die Aktivierung des Retrovirus verhindern können", sagt Yolken. "Wenn wir das schaffen, könnte es zu einer neuen Methode bei der Behandlung von Schizophrenie führen."



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