Krater in Peru Forscher rätseln über giftige Ausdünstungen

Besorgnis in Peru: Nach einem Meteoriteneinschlag klagen Hunderte Menschen über Gesundheitsbeschwerden. Wissenschaftler vermuten, dass bei dem Einschlag giftige Mineralien verdampft sind.

Lima - Radioaktive Strahlung fanden Wissenschaftler in der Umgebung des Kraters nicht - für viele Anwohner eine Erleichterung. Sie waren besorgt gewesen, dass ein strahlendes Objekt aus dem All für den sechs Meter tiefen und etwa 30 Meter durchmessenden Krater im peruanischen Hochland verantwortlich sein könnte, aus dem seit Samstag beißende Dämpfe aufsteigen. Anwohner klagten über Beschwerden von Kopfschmerz bis Übelkeit. Der Einschlag ereignete sich nahe des Dorfes Carancas, etwa 1300 Kilometer südlich von Lima in der Nähe der Grenze zu Bolivien.

Der peruanischen Nachrichtenagentur Andina zufolge war ein "nicht identifiziertes, leuchtendes Objekt" am Samstag "vom Himmel gefallen" und hatte den Krater in den Boden des Hochlandes gerissen.

Renan Ramirez vom peruanischen Institut für Nuklearenergie sagte, man vermute, dass die Symptome, über die viele Anwohner klagen, durch geschmolzene oder verdampfte Substanzen zustandegekommen sind. Schwefel, Arsen oder andere Reizstoffe seien durch die große Hitze beim Aufprall womöglich verdunstet. Mindestens 200 Anwohner klagen über Atembeschwerden, Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen. "Es ist ein konventioneller Meteorit", sagte Ramirez, "der Gase produzierte, als er aufprallte und mit Elementen im Boden verschmolz."

Ein weiterer möglicher Auslöser der Symptome der Anwohner sei der Rauch, der bei der Verbrennung organischer Stoffe entstanden sein könnte, berichtete die Zeitung "El Comercio" heute unter Berufung auf Honorio Campoblanco von der geologischen Fakultät der Universität in der Hauptstadt Lima. Auch Silizium sei in Meteoriten und im Erdreich vorhanden und könne durch die große Hitze des Aufpralls verdampft sein, erläuterte Campoblanco.

Gase hätten in der Atmosphäre verdampfen müssen

Vom Meteoriten selbst seien die Gase wahrscheinlich nicht freigesetzt worden, erklärte Michael Khan vom Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumorganisation (Esoc) in Darmstadt. Alles, was an einem kleinen Meteoriten so flüchtig sei, dass es ausgasen könne, "wird schon längst vorher in der Atmosphäre abgestoßen bei der Erhitzung während des Eintritts".

Ein Satellit sei jedenfalls nicht für das Loch im Boden verantwortlich, sagte Renan Ramirez vom peruanischen Institut für Nuklearenergie: "Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte der Einschlag Strahlung freigesetzt und die Gegend kontaminiert." Warum ein abgestürzter Satellit notwendigerweise Strahlung freigesetzt hätte, ließ er offen.

Einige Experten zweifeln inzwischen sogar an der Einschlagthese. Sie verweisen auf andere nur vermeintliche Meteoriteneinschläge in der Vergangenheit und stellen die Frage, ob das Loch im Andenboden nicht durch geologische Aktivität zustandegekommen sein könnte. Dagegen sprechen allerdings die Augenzeugenberichte, in denen von einem Feuerball am Himmel, einem lauten Krach und starken Erschütterungen die Rede ist.

Handelt es sich, wie die meisten Beobachter vor Ort vermuten, tatsächlich um einen Meteoriteneinschlag, hat man es mit einem äußerst seltenen Ereignis zu tun. Einschläge von kosmischen Brocken von einem halben bis einem Meter Durchmesser kommen laut Michael Khan nur in Abständen von Jahrzehnten vor.

"Ein bis zwei Hochhäuser platt gemacht"

Ein vergleichbarer Einschlag etwa in der Frankfurter Innenstadt hätte "ein bis zwei Hochhäuser platt gemacht", so Khan. Größere Objekte von zehn Metern Größe kämen nur in Abständen von mehreren hundert Jahren bis zur Erdoberfläche durch.

"Wenn ein Krater von 30 Metern Durchmesser erzeugt wurde, reden wir von einem eingeschlagenen Objekt, das erstens metallisch gewesen sein und zweitens einen Durchmesser von deutlich unter einem Meter gehabt haben muss", sagte Khan.

Falls es Überreste des Meteoriten selbst geben sollte, sind diese bislang nicht zu sehen, weil der Krater mit schlammigem Wasser gefüllt ist. Der Rand des Kraters mache einen verbrannten Eindruck, berichten Augenzeugen. Erste Bewegtbilder von der Einschlagsstelle zeigen Männer, die mit Krümeln von gräulich verfärbtem Gestein oder Boden hantieren.

"Es hat sich in den Boden gegraben", sagte ein Anwohner der BBC über das mysteriöse Objekt. Man fordere eine Untersuchung, weil "wir uns um unsere Leute Sorgen machen. Sie fürchten sich. Ein Stier ist tot und ein paar andere Tiere sind bereits krank".

Angst vor weiteren Objekten aus dem All

Jorge Lopez, Leiter der Gesundheitsbehörde in Puno, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, man habe "etwa 100 Menschen untersucht, die in die Nähe des Kraters gekommen sind und die an Erbrechen und Kopfschmerzen leiden". Die 200 erkrankten Bewohner von Carancas würden medizinisch behandelt, sagte der Bürgermeister des Nachbarorts Desaguadero, Nestor Quispe. Ein lokaler Radiosender berichtet sogar von 600 erkrankten Anwohnern. Weitere acht Mediziner sollen auf dem Weg in die Region sein.

Die Menschen seien in Sorge, dass die Dämpfe dauerhafte Gesundheitsschäden verursachen könnten, so Quispe. "Außerdem haben sie Angst, dass weitere Objekte aus dem All herunterfallen könnten." Der Meteorit habe bei seinem Aufprall den Boden erzittern lassen. Sogar das einheimische Vieh verhalte sich seitdem seltsam und verweigere die Nahrung, berichtete Quispe. Das geophysikalische Institut in Peru leitete eine Untersuchung ein.

Reuters zitiert den Leiter des Institutes, Hernando Tavera, mit den Worten, in der Andengegend im südlichen Peru seien auch 2002 und 2004 schon Meteoriten eingeschlagen. In der Region Arequipa gab es erst im vergangenen Juni einen Meteoritentreffer.

cis/AP/AFP/rtr/dpa

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