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Walfang: Aktivisten im Clinch mit Japans Fangflotte

Foto: REUTERS/ Sea Shepherd Australia

Krawall im Südpolarmeer Walfangschiff kollidiert mit Aktivisten-Booten

Japanische Walfänger sind im Südpolarmeer mit zwei Schiffen von Umweltschützern kollidiert. Beide Seiten sprechen von einer gezielten Attacke. Es ist nicht das erste Mal, dass es zu solch einem Zusammenstoß kommt.

Wellington - Wenn sich japanische Walfänger und Umweltaktivisten im Südpolarmeer belauern, wird oft mit harten Bandagen gekämpft. Nun haben die Auseinandersetzungen einen neuen Höhepunkt erreicht. Ein japanisches Walfangschiff hat nach Angaben von Umweltschützern absichtlich zwei ihrer Schiffe gerammt.

Der Vorfall habe sich in den antarktischen Gewässern in der Nähe der australischen Forschungsstation Davis ereignet, berichten die Aktivisten von Sea Shepherd. Die japanische Walfangflotte jagt dort Wale, nach eigenen Angaben zu "wissenschaftlichen Zwecken". Das macht die Fangzüge nach internationalem Recht legal - auch wenn das Fleisch immer wieder auch im freien Verkauf auftaucht. In diesem Jahr sollen nach Angaben der japanischen Fischereibehörde bis zu 935 Zwergwale sowie bis zu 50 Finnwale gefangen werden.

Die Aktivisten beschuldigen Japan, den wissenschaftlichen Walfang als Vorwand für kommerzielle Waljagd zu nutzen. Japan wiederum bezeichnet Sea Shepherd als Terrorgruppe. Die Fischereibehörde erklärte zum aktuellen Zwischenfall, die Umweltschützer hätten die Schiffszusammenstöße absichtlich herbeigeführt. Trotz Warnungen seien sie mindestens viermal auf den Walfänger "Nisshin Maru" aufgefahren.

Der Ökoaktivist Paul Watson erklärte dagegen, die Sea Shepherd-Schiffe seien absichtlich von dem Walfänger gerammt worden. Er sei an Bord der "Steve Irwin" gewesen, als die "Nisshin Maru" mit dem Schiff kollidierte. Der Walfänger sei auch mit dem Schiff "Bob Barker" und einem Tanker der Walfangflotte kollidiert, so Watson.

Notruf an australische Behörden abgesetzt

Die "Bob Barker" sei am stärksten beschädigt worden. Die Besatzung des Schiffes habe einen Notruf an die australischen Behörden abgesetzt, nachdem die Stromversorgung des Schiffes zusammengebrochen und Wasser eingedrungen sei. In der Folgezeit sei es der Crew aber gelungen, die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Australiens Umweltminister Tony Burke bestätigte, dass er über die Berichte informiert wurde. Seine Regierung verurteile den sogenannten wissenschaftlichen Walfang und fordere jedermann auf, die Sicherheit auf See zu beachten.

Immer wieder sind Boote von Sea Shepherd und der japanischen Walfangflotte zusammengestoßen. Die Umweltschützer reklamieren für sich, dass wegen ihrer Aktionen Japan oft deutlich weniger Wale fangen kann als ursprünglich geplant. In der vergangenen Jagdsaison waren es nur 267 statt der erhofften 850 Meeressäuger.

Besonders spektakulär war eine Kollision im Januar 2010, in deren Folge die Umweltschützer das Schnellboot "Ady Gil" einbüßten. Während der Walfänger "Shonan Maru 2" damals anscheinend keine Schäden davon getragen hatte, wurden sechs Tierschützer noch vor dem Sinken der schwerbeschädigten "Ady Gil" gerettet. Die Walschützer hatten auch damals von einer gezielten Attacke auf ihr Schiff gesprochen. Neuseeländische Ermittler waren aber später zu dem Schluss gekommen, dass beide Seiten Schuld an dem Crash trugen.

Australien hat Japan wegen des Walfangs in der Antarktis vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verklagt. Das Gericht befasst sich seit Sommer 2010 mit dem Fall, eine Entscheidung könnte in diesem Jahr fallen. In der vergangenen Woche ließ das Gericht zu, dass sich auch Neuseeland in dem Verfahren äußern darf - vermutlich, um die australische Linie zu stützen.

Die Internationale Walfang-Kommission konnte sich wiederholt nicht darauf einigen, das Schlupfloch des wissenschaftlichen Walfangs zu schließen. Der Plan für eine Walschutzzone im Südatlantik war im vergangenen Jahr ebenfalls gescheitert. Kritiker hatten Japan den Kauf von Stimmen bei der entscheidenden Abstimmung vorgeworfen.

chs/AP
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