Krebs im Kopf Bluttest verrät Hirntumor

Ein einfacher Bluttest könnte in Zukunft auf aggressive Hirntumoren hinweisen. Mediziner haben mit Hilfe der neuen Methode auch detaillierte Informationen über den Krebs gewonnen, die zum Teil noch genauer sein sollen als Daten aus einer Gewebeprobe.


London - Bösartige Hirntumore könnten in Zukunft mit einem einfachen Bluttest entdeckt und auch beurteilt werden. Die Grundlage dafür haben jetzt offenbar US-Forscher gelegt: Sie haben nach eigenen Angaben herausgefunden, dass die Tumore kleine, von einer Membran umschlossene Bläschen ausstoßen, die im Blut nachweisbar sind und spezielle Erkennungsmoleküle enthalten.

Magnetresonanzbild eines Hirntumors (hellblau): Bluttest könnte wertvolle Informationen liefern
UCSF

Magnetresonanzbild eines Hirntumors (hellblau): Bluttest könnte wertvolle Informationen liefern

In einem ersten Test bei 25 Patienten mit Glioblastomen, der bösartigsten Variante der Hirntumore, habe sich die Methode bereits bewährt und zum Teil sogar genauere Informationen geliefert als eine Gewebeprobe des Tumors selbst. Das Verfahren solle nun mit Hilfe einer Biotechnologie-Firma weiterentwickelt werden, berichtet das Team um Johan Skog von der Harvard University in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) im Fachmagazin "Nature Cell Biology".

Glioblastome sind aggressive bösartige Tumore, die meist im Großhirn auftreten und als unheilbar gelten. 97 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb der ersten fünf Jahre nach der ersten Diagnose. Ist ein Glioblastom einmal entstanden, beginnen die entarteten Zellen, ihre direkte Umgebung aktiv umzugestalten, um dem Tumor die bestmöglichen Wachstumsbedingungen zu verschaffen. Dazu nutzen sie sogenannte Exosomen, kleine Membransäckchen, die von der Tumorzelle abgeschnürt und zum Teil von den Nachbarzellen aufgenommen werden.

Moleküle geben Informationen preis

Wie die Forscher jetzt zeigen konnten, enthalten diese Säckchen verschiedene Arten von Boten- und Signalmolekülen, darunter DNA-artige Stücke der Ribonukleinsäure (RNA) und diverse Proteine. Sie förderten unter anderem das Wachstum der Tumorzellen, ermöglichten die Invasion in das umgebende Gewebe, unterdrückten die körpereigene Abwehr und regten die Bildung neuer Blutgefäße für die Versorgung des Tumors an.

Die Zusammensetzung dieser Signalmoleküle ist so charakteristisch für die Glioblastome, dass allein anhand des Inhalts der Säckchen viele Eigenschaften des Muttertumors ermittelt werden können, so die Forscher. Da die Tumorzellen auch zahlreiche Exosomen bildeten und ausstießen, gelangten einige von ihnen durch die Blut-Hirn-Schranke in den Blutkreislauf.

Genau das macht sie so wertvoll: Finden sich nämlich in einer Blutprobe die Glioblastom-Säckchen, ist ohne ein bildgebendes Verfahren oder gar eine Gewebeentnahme aus dem Gehirn klar, dass der Patient an einem derartigen Tumor leidet. Außerdem spiegeln die Moleküle die genetische Beschaffenheit des Tumors wider und könnten so eine ungefähre Vorhersage ermöglichen, ob er auf eine bestimmte Behandlung reagieren wird oder nicht.

Neben der Diagnose seien die Exosomen auch ein wertvolles Werkzeug, um den Verlauf einer Therapie zu verfolgen, erläutert Skog. Schlägt sie an, sollten sich auch die Eigenschaften des Tumors verändern, was wiederum eine Anpassung der Behandlungsstrategie zur Folge haben könne. Da Glioblastome im Moment nicht heilbar sind, wäre eine solche Überwachungs- und Testmethode wertvoll für die Entwicklung neuer Medikamente. Wann der Test tatsächlich verfügbar sein wird, ist bislang allerdings offen.

mbe/ddp



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