Krebsforschung Blumensaft blockiert "Sonic Hedgehog"

"Sonic Hedgehog" war bisher vor allem als Videospiel-Figur bekannt. Jetzt haben US-Forscher herausgefunden, dass das gleichnamige Eiweiß als Auslöser verschiedener Krebsarten in Frage kommt - und von einem Wildblumenexktrakt blockiert werden kann.


"Sonic Hedgehog": Computerfigur als Namensgeber für ein Protein
Sega

"Sonic Hedgehog": Computerfigur als Namensgeber für ein Protein

"Sonic Hedgehog" ist vermutlich nicht nur für das Wachstum von Embryonen im Mutterleib, sondern auch für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs verantwortlich. Wie US-Forscher in zwei Studien im britischen Fachblatt "Nature" berichten, könnten sich dadurch neue Möglichkeiten für die Behandlung dieser aggressiven Krebsart ergeben.

Zusammen mit anderen Proteinen verursacht "Sonic Hedgehog" (zu Deutsch etwa "tönender Igel") demnach im Körper eine Reihe von chemischen Reaktionen, die unter anderem in Zellkernen das Signal zur Zellteilung geben. Wissenschaftler der Harvard University in Boston und der University of California in San Francisco haben in ihrer Studie an Zellkulturen und menschlichen Gewebeproben nachgewiesen, dass "Sonic Hedgehog" das ungebremste Zellwachstum bei Bauchspeicheldrüsenkrebs auslöst. Zuvor war nur bekannt gewesen, dass das Protein hauptsächlich während der Entwicklung von Embryonen aktiv wird.

Kalifornischer Weißer Germer: Ein Extrakt aus der Wildblume blockiert die Signale von "Sonic Hedgehog"
Gary A. Monroe. Washoe Co.

Kalifornischer Weißer Germer: Ein Extrakt aus der Wildblume blockiert die Signale von "Sonic Hedgehog"

Indem sie den zugehörigen Signalweg mit dem Wildblumenextrakt Cyclopamin blockierten, ist es den Forschern gelungen, das Wachstum von Tumoren bei Mäusen zu stoppen. Sie hoffen nun, ein Medikament entwickeln zu können, das die gezielte Bekämpfung von Bauchspeicheldrüsenkrebs beim Menschen ermöglicht. Bisher können diese Tumoren nur in einem sehr frühen Stadium operativ entfernt werden. Da die Erkrankung jedoch oft erst sehr spät entdeckt wird, ist die Überlebensrate deutlich geringer als bei anderen Krebsarten.

In einer weiteren Studie sind Wissenschaftler der Johns Hopkins University in Baltimore zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. In Versuchen mit Mäusen konnten sie nachweisen, dass eine hohe Konzentration von "Sonic Hedgehog" im Körper zu Tumoren in Speiseröhre, Magen, Bauchspeicheldrüse und Gallenwegen führen kann.

Den Forschern gelang es ebenfalls, das Protein mit Hilfe von Cyclopamin zu blockieren. Nach zwölf Behandlungstagen waren die Geschwüre der Mäuse merklich kleiner geworden. Experten warnten allerdings vor überzogenen Hoffnungen auf schnelle Therapieerfolge: Ob durch die Blockade des Signalwegs von "Sonic Hedgehog" auch Tumoren beim Menschen behandelbar seien, könne erst nach Jahren der Forschung geklärt werden.



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