Krebsforschung Künstliche Kamel-Moleküle bekämpfen Tumoren

Ein synthetisches Molekül soll Krebstumoren in den Hungertod treiben. Amerikanische Wissenschaftler haben die wuchernden Zellen dazu gebracht, sich selbst die Blutzufuhr abzuschnüren.


Tod einer Krebszelle: Angriff der bluteigenen Immunabwehr
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Tod einer Krebszelle: Angriff der bluteigenen Immunabwehr

Kamele waren das Vorbild. Nach den ungewöhnlichen Antikörpern dieser Tiere haben die amerikanischen Wissenschaftler Alan Garen und Zhiwei Hu ein Molekül, das so genannte "Icon" (Immunoconjugate Molecule), entwickelt. Wie die Forscher im US-Fachblatt " Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten, gelang ihnen mit diesem künstlichen Kamel-Molekül ein besonderer Kniff in der Tumorbekämpfung: Werden Krebszellen mit Hilfe von Adenoviren mit Icon infiziert, beginnen sie, das Molekül selbst zu produzieren und in die umgebenden Blutgefäße abzugeben.

Im krebsumspülenden Blut setzt sich das Kunstmolekül an bestimmten Strukturen der Gefäßwände fest, was die Blutgerinnungskaskade auslöst - das Blutgefäß verstopft. In Folge der Mini-Thrombosen wird der Tumor nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, und die Krebszellen verhungern.

Dass das Kunstmolekül von den Tumoren selber produziert wird und sich mit Vorliebe nur an den Blutgefäßen festsetzt, die die Geschwülste versorgen, ist die praktische Eigenart von Icon. Bei Krebsarten, die sich über Metastasen im gesamten Körper verbreiten, könnte es Wissenschaftlern und später auch Ärzten die lange Suche nach den Wucherungen ersparen. Wie ein kleiner Spürhund findet Icon selbst die Stätten des Unheils, verankert sich dort und treibt die Krebszellen in den Hungertod.

Was zunächst bei Mäusen an Melanomen getestet wurde, funktioniere, so die Forscher, ebenso an Prostatakrebstumoren der Tiere. Auch bei weiteren festen Krebsgeschwüren soll Icon den Tod der Krebszellen auslösen.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Mausexperimente durchaus auch auf den Menschen übertragen werden könnten. Versprechen wollen sie aber nichts: "Der Sprung von der Maus zum Menschen ist groß, und ob die Methode auch beim Menschen funktioniert, ist noch nicht sicher", so Alan Garen.



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