Krebsrisiko Polio-Impfstoff über Jahrzehnte verseucht

Mediziner aus den USA warnen vor den möglichen Spätfolgen der Impfung gegen Kinderlähmung. Bis in die achtziger Jahre enthielt ein sowjetisches Impfserum einen Affenvirus, der Krebs auslösen kann. Der Impfstoff wurde millionenfach im gesamten Ostblock sowie in China und Japan verabreicht.


Polio-Virus: Risiken bei Impfstoffproduktion lange bekannt

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Seit Anfang der sechziger Jahre wussten Mediziner von den Gefahren, die im Impfstoff gegen Kinderlähmung lauern. Die abgeschwächten Polioerreger wurden mit Hilfe von Nierenzellen gezüchtet, die von Rhesus-Affen stammen. Dabei gelangte auch ein bestimmtes Affenvirus, SV40, in das Serum, das unter Verdacht steht, Krebs zu verursachen.

In den USA wurden ab 1963 bei der Impfstoffproduktion nur noch Nierenzellen von Affen verwendet, die nicht mit dem SV40-Virus infiziert waren. Anders jedoch in der damaligen Sowjetunion. Der dort hergestellte Impfstoff war auch nach 1963 mit dem Virus verunreinigt, berichtete Michele Carbone von der Loyola University Chicago auf einer Tagung in Rockwill (USA). Möglicherweise enthielt der Stoff sogar bis in die achtziger Jahre SV40-Erreger.

Nach Carbones Angaben kam der sowjetische Impstoff im gesamten Ostblock zum Einsatz und wurde außerdem nach China, Japan und in diverse afrikanische Länder exportiert. Möglicherweise kamen hunderte Millionen Menschen weltweit mit dem SV40-Virus in Kontakt, betonte Carbone.

Der Mediziner hatte drei verschiedene Impfstoffproben untersucht, die aus den späten sechziger Jahren stammen und in Kühlschränken lagerten. In zwei Proben fand er lebende SV40-Erreger, in einer Probe waren die Viren nicht mehr infektiös, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".

Die Folgen einer möglichen Infektion mit dem Virus sind noch nicht endgültig geklärt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass eine Infektion mit dem SV40-Erreger Jahre später bestimmte seltene Krebserkrankungen auslösen kann. Der aus Italien stammende Forscher Carbone hatte über diesen Zusammenhang erstmals vor zehn Jahren berichtet.

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Doch es gibt auch Wissenschaftler, die nicht von einem zwingend erhöhten Krebsrisiko ausgehen. Ein Kontakt mit SV40-Viren könne auch folgenlos sein, meint etwa der britische Mediziner Philip Minor.

Der Fall des verseuchten Serums verdeutlicht, wie wichtig sichere Produktionstechniken für Impfstoffe sind. In den USA versuchen Forscher statt tierischem Gewebe pflanzliches Material zum Züchten von Viren zu nutzen. Nierenzellen von Affen dürfen in den Vereinigten Staaten seit dem Jahr 2000 nicht mehr zur Herstellung von Polio-Impfstoffen genutzt werden. In anderen Ländern ist diese Technik jedoch nach wie vor üblich.



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