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03. Januar 2011, 18:22 Uhr

Kreta

Archäologen entdecken älteste Spuren der Seefahrt

Menschen befuhren die Meere offenbar deutlich früher als angenommen. Auf Kreta haben Forscher 130.000 Jahre altes Werkzeug entdeckt, das von Schiffsleuten zu stammen scheint. Es wären die bei weitem ältesten Spuren der Seefahrt.

Athen - Auf der griechischen Insel Kreta haben Archäologen Hinweise darauf gefunden, dass der Mensch sehr viel früher als bisher angenommen zur See gefahren ist. Wie das griechische Kulturministerium am Montag mitteilte, entdeckte ein Team griechischer und amerikanischer Archäologen auf der Mittelmeerinsel mindestens 130.000 Jahre alte Steinwerkzeuge. Sie stammten vermutlich von Seefahrern, weil Kreta auch damals nur per Schiff erreicht werden konnte. Nach Angaben des Ministeriums stellen die Funde "das weltweit älteste Anzeichen für die frühe Seefahrt dar".

Die einzige andere Möglichkeit wäre, dass die Werkzeuge später nach Kreta gebracht worden wären. Doch diese Theorie halten die Forscher für weniger wahrscheinlich.

"Die Funde beweisen nicht nur, dass es im Mittelmeer Zehntausende Jahre früher Seefahrt gab als bisher bekannt war", erklärte das Ministerium. "Sie verändern auch die Kenntnisse über die kognitiven Fähigkeiten des frühen Menschen." Die in den Regionen von Plakias und Preveli 2008 und 2009 gefundenen Steinwerkzeuge werden dem Homo heidelbergensis und dem Homo erectus zugeschrieben, frühen Vorfahren des modernen Menschen.

Eigentlich hatte das Team griechischer Archäologen gemeinsam mit Kollegen des Athener US-Instituts für klassische Studien im Südwesten von Kreta nach Überresten einer steinzeitlichen Siedlung aus der Zeit um 10.000 vor Christus gesucht. Bisher ist eine menschliche Besiedlung der Insel erst ab etwa 6000 vor Christus nachgewiesen. Die nun gefundenen Werkzeuge könnte nach Angaben des Ministeriums jedoch zwischen 130.000 Jahre bis zu 700.000 Jahre alt sein.

boj/AFP

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