Kritik an Klonversuchen "Ein Alptraum wird Wirklichkeit"

Der Bericht amerikanischer Forscher, erstmals menschliche Embryonen geklont zu haben, ist weltweit auf Ablehnung gestoßen. In Deutschland verurteilte die Bundesärztekammer die Experimente als "Menschenversuche".


Embryo im Frühstadium: "Erschreckende Geringschätzung menschlichen Lebens"
AP

Embryo im Frühstadium: "Erschreckende Geringschätzung menschlichen Lebens"

Am Sonntag hatte die Biotech-Firma Advanced Cell Technology in Massachusetts bekannt gegeben, erstmals menschliche Embryonen geklont zu haben. In den USA reagierten führende Politiker und Kirchenvertreter umgehend mit Ablehnung auf die Berichte.

Zu den Kritikern zählt auch US-Präsident George W. Bush: Er sei entschieden gegen diese Art des Klonens und hoffe, dass der Kongress möglichst rasch ein entsprechendes Gesetz verabschieden werde, erklärte eine Sprecherin des Weißen Hauses. Die amerikanische Katholische Bischofskonferenz verurteilte die Versuche scharf. Es drohe die Züchtung menschlicher Embryos einzig zu dem Zweck, ihnen Ersatzteile zu entnehmen, so ein Sprecher der Konferenz.

Klon-Experimente sind "unethisch"

Auch Vertreter des Senats kritisierten die Experimente. "Das geht in die falsche Richtung", erklärte Tom Daschle, Vorsitzender der demokratischen Mehrheit im Senat. Er räumte jedoch ein, dass er ein Klonen für Forschungszwecke für sinnvoll halte. Senator Richard Shelby, ein führender Vertreter der regierenden Republikaner, sagte im Fernsehen, er gehe davon aus, dass die Volksvertreter das Klonen von Menschen nicht erlauben werden.

In Deutschland äußerte sich die Bundesärztekammer zum Vorstoß der US-Forscher. Die Versuche seien "ein Alptraum, der nun leider Wirklichkeit wird", erklärte Kammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe am Montag. "Die Klon-Experimente der amerikanischen Wissenschaftler sind unethisch und offenbaren eine erschreckende Geringschätzung menschlichen Lebens."

Er hoffe, dass solche "Menschenversuche" künftig auch in den USA verboten würden, sagte Hoppe. In Deutschland untersagt das Embryonenschutzgesetz derartige Experimente. Der Kammerpräsident forderte darüber hinaus internationale Übereinkommen, die das Klonen menschlicher Embryonen verbieten.



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