Künstliche Befruchtung 64-Jährige bringt Baby zur Welt

In Tel Aviv hat eine 64-Jährige ein Kind bekommen. Dem Baby, das zehn Wochen zu früh per Kaiserschnitt zur Welt kam, geht es gut. Die Mutter hätte die Schwangerschaft beinahe mit dem Leben bezahlt.


Die Eizellspende einer jüngeren Frau machte die künstliche Befruchtung der 64-Jährigen erst möglich. Normalerweise finden solche Eingriffe bei Frauen in diesem Alter in Israel nicht mehr statt. Wo die Befruchtung mit dem Sperma ihres Lebenspartners vorgenommen wurde, wollte die Frau deshalb nicht verraten. In Deutschland wäre die Schwangerschaft nicht möglich gewesen, da hier Eizellspenden verboten sind.

Der Zustand des Jungen sei "gut und stabil", obwohl er schon in der 30. Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt geholt wurde. Ab der 24. Woche gelten Frühchen als lebensfähig.

Als sie vor ungefähr zwei Monaten zu einer Routineuntersuchung kam, habe die Frau die Ärzte vor vollendete Tatsachen gestellt, so Seew Rotstein, Leiter des Schiba-Krankenhauses in Tel Aviv, wo die Frau das Baby bekam. Angesichts ihres schlechten Zustandes sei sie ständig in der Abteilung für Risikoschwangerschaften behandelt worden.

"Eine Schwangerschaft in diesem Alter ist von schweren ethischen und medizinischen Problemen begleitet", sagte Rotstein. Zu den medizinischen Gefahren gehören Schwangerschaftsvergiftungen, bei denen der gesamte Stoffwechsel zusammenbrechen kann. Auch Frühgeburten und Entwicklungsstörungen der Kinder kommen bei älteren Müttern häufiger vor.

Trotzdem ist die Frau in Tel Aviv keine Ausnahme. Erst vor kurzem hatte eine gleichaltrige Frau in Indien ein Kind zur Welt gebracht. In Frankreich bekam 2001 eine 62-Jährige Nachwuchs.

Frauen, die lange Zeit die Anti-Baby-Pille nehmen, kommen meist später in die Wechseljahre und können so auch in hohem Alter schwanger werden. Und Wissenschaftler erfinden immer neue Methoden, um auch älteren Frauen eine Mutterschaft zu ermöglichen. So können heute bereits Eierstöcke eingefroren und die später wieder aufgetauten Eier befruchtet werden. Forscher in Japan erproben sogar eine künstliche Gebärmutter, damit Frauen das Kind nicht selbst austragen müssen.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.