Künstlicher Vierbeiner Roboter-Hund soll US-Soldaten helfen

Soldaten sollen auf dem Schlachtfeld einen unverwüstlichen Kameraden bekommen: einen Roboter-Hund, der Munition und Ausrüstung über Stock und Stein schleppt. Die US-Armee hat zwei Millionen Dollar für erste Studien zu Metall-Vierbeinern vergeben.

Moderne Kämpfer haben es schwer. Bis zu 50 Kilogramm an Waffen und Ausrüstung schleppen heutige Soldaten mit sich umher - eine zermürbende Arbeit, die zudem die Gefahr birgt, in entscheidenden Situationen geschwächt zu sein. Das US-Verteidigungsministerium will seinen GIs einen Teil der Last abnehmen und auf die ermüdungsfreien Schultern metallener Hunde verteilen.

Das "Tank-automotive and Armaments Command" (Tacom), in der US-Armee zuständig für Waffenentwicklung und -beschaffung, hat zwei Unternehmen für insgesamt 2,25 Millionen Dollar (rund 1,8 Millionen Euro) mit ersten Studien über eine vierbeinige Drohne beauftragt. Der Metall-Hund von der Größe einer Dogge soll auch in widrigem Terrain mit seinen menschlichen Herrchen Schritt halten können. Zugleich soll er neben dem eigenen Gewicht bis zur Hälfte des Gepäcks eines Soldaten schleppen.

Realistische Aussicht oder High-Tech-Träumerei? Für Ingenieure jedenfalls gehört die vierbeinige Fortbewegung zu den größten Herausforderungen der Robotik. Während ein Radantrieb relativ leicht zu konstruieren ist, ist das Balancieren auf zwei oder vier Beinen schon auf ebenem Geläuf eine knifflige Sache - ganz zu schweigen von akrobatischen Einlagen, die ein Militär-Roboterhund beherrschen müsste, wollte er einem Soldaten überall hin folgen.

"Wir befinden uns erst im Anfangsstudium", räumte Ben Krupp, Präsident einer Firma namens Yobotics, gegenüber dem Magazin "Wired" ein. Yobotics hat von der US-Armee 750.000 Dollar für die Konstruktion der Drohne erhalten. "Es ist schon schwierig, einen vierbeinigen Roboter über einen Parkplatz laufen zu lassen, ohne dass er umkippt", sagte Krupp.

Bisher waren Ingenieure lediglich in der Lage, kleine Spielzeughunde wie den "Aibo" von Sony oder den "T7S" von Sanyo über ebene Flächen wackeln zu lassen. Dabei ist die Motorik nicht das einzige Problem. Ein künstlicher Hund von den Ausmaßen einer Dogge würde auch eine Menge Energie benötigen.

"Man könnte ihm einen Verbrennungsmotor auf den Rücken schnallen", meint Krupp. Das allerdings könnte Ärger bereiten, wenn Herrchen sich an einen Gegner heranpirschen will. "Bis die Batterietechnologie aufgeholt hat, wird man keinen unauffälligen Roboter bauen können. Er würde mit 110 Dezibel A die Straße hinunterhecheln."

Marc Raibert, ein Pionier auf dem Gebiet der Roboter-Fortbewegung, will das Problem umgehen, indem er Strategien der Natur kopiert. Der Chef von Boston Dynamics, das für die Entwicklung eines "Big Dog" genannten künstlichen Hundes von Tacom 1,5 Millionen Dollar und weitere Gelder vom Pentagon bekam, will die Steuerung des Roboter-Körpers dezentralisieren.

"Der Körper hat seinen eigenen Willen und passt seine Reaktionen an die jeweilige Situation an", sagte Raibert gegenüber "Wired". "Die wirkliche Herausforderung ist, die Harmonie zwischen Körper und Computerhirn herzustellen." Raibert hat einschlägige Erfahrung, wie man künstliche Wesen zum Leben erweckt. Seine Firma hat unter anderem ein Programm namens "DI-Guy" entwickelt, das Computerfiguren beibringt, sich in militärischen Situationen wie ein echter Mensch zu verhalten. Die Software wird nach Angaben des Unternehmens von allen Truppengattungen der US-Armee genutzt.

Eine weitere Hürde ist der künstliche Sehsinn. Hindernisse zu erkennen und zu umgehen mag Menschen und Tieren leicht fallen, für einen Roboter aber ist die dreidimensionale Orientierung eine schwierige Aufgabe. Raibert hat sich deshalb mit Larry Matthies zusammengetan, der für die optischen Fähigkeiten der Nasa-Roboter verantwortlich ist. Matthies' Team hat unter anderem den 3D-Sehsinn des Mars-Rovers "Spirit" konstruiert, dessen spektakuläre Produkte derzeit auf den Nasa-Webseiten zu bestaunen sind.

Für die US-Streitkräfte ist der Roboter-Hund ein weiterer Teil der Strategie, Techniken aus der Natur zu kopieren. Das Pentagon lässt unter anderem Bienenschwärme nach Sprengstoff suchen, Drohnen das Rudelverhalten von Wölfen kopieren und finanziert zudem die Forschung an künstlichen Schlangen, Krebsen und Fliegen.

"Der Kreis schließt sich", sagte Tacom-Forscher Paul Meunch - auch wenn die bisher bereitgestellten 2,25 Millionen Dollar nur für die Demonstration der Technologie, nicht aber für die Konstruktion funktionierender Roboter ausreichten. "Zu Zeiten George Washingtons hat die Armee Maultiere und Pferde benutzt. Dann kamen Lkw und Panzer, und jetzt könnten wir wieder zu vier Beinen zurückkehren."