Kurze Lebensdauer Warum Pygmäen so klein bleiben

Sogenannte Pygmäen werden im Durchschnitt nur knapp über eineinhalb Meter groß. Warum das so ist, wollen Forscher aus Cambridge nun definitiv nachgewiesen haben: Die geringe Körperlänge, so die These, ist eine Vorbereitung auf ein kurzes Leben.


Für die oft auch als Pygmäen bezeichneten kleinwüchsigen Menschen in Afrika, Asien und Neuguinea ist es von Vorteil, früh ausgewachsen zu sein und Nachkommen hervorbringen zu können, da ihre Sterblichkeit extrem hoch ist. Das haben britische Wissenschaftler bei einer Analyse von Körpergröße, Fruchtbarkeit und Lebenserwartung von Angehörigen verschiedener kleinwüchsiger Stämme herausgefunden, berichtet das Team um Andrea Migliano von der University of Cambridge im Fachmagazin "PNAS" (Online-Vorabveröffentlichung).

Aeta-Mann (Philippinen): Kleinwüchsig aufgrund geringer Lebenserwartung
DDP / Rudolph Schlaepfer

Aeta-Mann (Philippinen): Kleinwüchsig aufgrund geringer Lebenserwartung

Bislang dachte man, die geringe Körpergröße dieser Menschen - Männer werden bei diesen Stämmen durchschnittlich höchstens 1,55 Meter groß - sei eine Anpassung an das Leben im Dickicht des Urwalds und an die Fähigkeit, Hungerperioden zu überstehen und der feuchten Hitze zu trotzen. Diese positiven Faktoren seien nur ein Nebenprodukt der Evolution, erklären die Wissenschaftler um Migliano nun. Die wahre Ursache der Kleinwüchsigkeit liege in der extrem hohen Sterblichkeit. So hätten Volksgruppen wie die auf den Philippinen beheimateten Aeta nur eine Lebenserwartung zwischen 16 und 25 Jahren.

Die Massai und Turkana in Ostafrika, die sich durch große Körperlängen auszeichnen, würden dagegen im Durchschnitt etwa 40 Jahre alt, argumentieren die Forscher. Dieser Unterschied schlage sich im Wachstum nieder: Zwar unterscheide sich das Größenwachstum in den ersten Jahren bei den Aeta kaum von dem der afrikanischen Volksgruppen, doch während bei den Aeta mit zwölf Jahren das Wachstum weitgehend abgeschlossen sei, wüchsen die Massai und Turkana noch drei bis vier Jahre weiter und würden aus diesem Grund weitaus größer.

Das frühere Ende des Wachstums bringt eine schnellere körperliche Reife mit sich, konnten die Wissenschaftler zeigen. So waren bei den Aeta die Frauen am fruchtbarsten, die mit 15 Jahren ihr erstes Kind zur Welt brachten - ein im Vergleich zu anderen, ebenfalls sehr ursprünglich lebenden Volksgruppen extrem niedriges Alter. Laut den Forschern spricht dies dafür, dass bei der Entwicklung dieses Körpermerkmals nicht die geringe Körpergröße an sich einen evolutionären Vorteil bot, sondern das frühe Ende des Wachstums. Die Lebensspanne zwischen Geburt und Tod sei für diese Menschen so kurz, dass sie ein beschleunigtes Leben führten und daher früher zu wachsen aufhörten.

cis/ddp



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