Kurzporträts Die Chemie-Nobelpreisträger 2004

Die drei diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger sind ungleiche Charaktere. Während der Amerikaner Irwin Rose als temperamentvoller Perfektionist gilt, wird sein israelischer Koillege Avram Hershko als stiller Laborforscher beschrieben. SPIEGEL ONLINE stellt die Chemiker in Kurzporträts vor.


Der amerikanische Biochemiker Irwin Rose mag sich auch als 78-jähriger emeritierter Professor nicht von der Forschung trennen. Noch immer betreibt er sein kleines Labor an der University of California in Irvine. Frühere Mitarbeiter charakterisieren ihn als offenen und temperamentvollen Perfektionisten. "Er ist einfach genial", hieß es am Fox Chase Cancer Center in Philadelphia wenige Stunden nach der Verkündung der diesjährigen Nobelpreisträger. An dem Krebszentrum hatte Rose von 1963 bis in die neunziger Jahre gearbeitet und zusammen mit seinen israelischen Kollegen Avram Hershko und Aaron Ciechanover viele jener bahnbrechenden Entdeckungen gemacht, die jetzt mit dem höchsten Chemiepreis belohnt werden.

Aaron Ciechanover, 57, forscht seit Jahrzehnten über den lebenswichtigen Eiweißabbau im Körper. "Ich bin noch total außer mir", sagte der vielfach ausgezeichnete israelische Biochemiker nach der Vergabe des Nobelpreises in einem Telefonat mit der Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Ciechanover wurde 1947 in Haifa geboren. In seiner Heimatstadt ist er Professor am Technion. Im Jahr 2000 erhielten Ciechanover und sein Institutskollege Avram Hershko den renommierten Lasker-Preis für Grundlagenforschung. "Ciechanover ist extrovertiert und kann Leute überzeugen", sagt Thomas Sommer, Arbeitsgruppenleiter am Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin in Berlin. "Er ist hervorragend im Besorgen von Forschungsgeldern."

Der Biochemiker Avram Hershko gilt als unkonventioneller Denker. Jahrzehntelang untersuchten der 67-Jährige und sein Institutskollege Ciechanover, wie sich Proteine zerlegen lassen. Ihre Ergebnisse helfen, die Entstehung und den Verlauf vieler Krankheiten zu verstehen, darunter auch bestimmte Krebsarten. Hershko schränkte im Jahr 2000 jedoch ein: "Man wird nicht gleich ein Allheilmittel für Krebs finden." Er wurde 1937 in der ungarischen Stadt Karcag geboren. 1950 emigrierte seine Familie nach Israel, wo der Forscher als Professor am Israel Institute of Technology (Technion) in Haifa tätig war. Von 1965 bis 1967 war er Arzt bei den israelischen Streitkräften. "Hershko ist eher der klassische Biochemiker - ein stiller Typ, der es liebt, in seinem Labor zu sitzen", sagt Thomas Sommer vom Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin in Berlin. "Er pipettiert auch noch selbst."



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