Landschaftsplanung Deutsche Bauwut kostet Grünflächen

Boden- und Landschaftsschützer schlagen Alarm: Trotz stagnierender Bevölkerungszahlen steigt der Flächenverbrauch durch den Bau von Straßen, Siedlungen und Gewerbegebieten drastisch an.

Von Stefan Lemke


Auch Flughäfen wie hier in Leipzig/Halle "fressen" Naturflächen.
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Auch Flughäfen wie hier in Leipzig/Halle "fressen" Naturflächen.

Jeden Tag verschwinden in Deutschland Grünflächen in der Größe von rund 240 Fußballplätzen. Obwohl die Bevölkerungszahlen stagnieren, werden immer mehr Verkehrswege, Wohnsiedlungen und Gewerbegebiete gebaut. "Deutschland liegt in Europa an der Spitze, dabei ist der Rohstoff Fläche nur begrenzt verfügbar", meint Baldur Barczewski, Leiter der Versuchseinrichtung zur Grundwasser- und Altlastensanierung an der Universität Stuttgart.

Als Hintergrund für diese Entwicklung nennt der Wissenschaftler den zunehmenden Konkurrenzkampf der Kommunen bei der Ansiedlung von Arbeitsplätzen: "Viele Gemeinden, Bauern und Bauunternehmer sehen das Allgemeingut Fläche als eine preiswerte Verfügungsmasse an."

Die Folgen der anhaltenden Expansion von Gewerbe- und Wohngebieten sind nach Barczewski die Zersiedlung der Landschaft und das Aussterben von Tierarten. Doch auch der Bau von Versorgungsnetzen werde immer aufwendiger und öffentlicher Personennahverkehr könne nicht mehr effektiv organisiert werden.

Dem starken Verbrauch von Natur- und Kulturflächen stehen immer mehr ungenutzte industrielle, gewerbliche und militärische Brachflächen gegenüber. Barczewski fordert, diese Gebiete verstärkt zu nutzen und dauerhaft mit einem bestimmten Flächenbestand auszukommen: "Voraussetzung dafür ist, dass der Rohstoff Fläche wie fossile Energieträger als eine endliche Ressource erkannt wird."

In der kommenden Woche wollen die Universität Stuttgart und das Umweltbundesamt mit einem interdisziplinären Symposium auf die negativen Folgen des Landverbrauchs aufmerksam machen. Schon 1997 hatte die Enquête-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" der Bundesregierung gefordert, den Flächenverbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30 Hektar pro Tag zu reduzieren.

Stefan Lemke



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