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06. Februar 2019, 11:35 Uhr

Globale Bilanz

So fatal sind Schädlinge und Krankheiten für die Ernte

Auf der Welt leben immer mehr Menschen, Nahrung ist vielerorts knapp. Pflanzenschädlinge sind daran mitschuldig - weil sie Ernten vernichten. Die Verluste sind enorm.

Die Verschwendung von Lebensmitteln ist ein Problem, Verluste beim Transport auch - aber ein großer Teil der weltweit angebauten Feldfrüchte geht auch durch Krankheiten und Schädlinge verloren. Am schwersten betroffen ist Reis, wie eine Forschergruppe um Andy Nelson von der University of Twente im niederländischen Enschede nun im Fachjournal "Nature Ecology & Evolution" schreibt.

Die Ernteverluste in den größten Anbauregionen belaufen sich demnach im globalen Schnitt auf 30 Prozent. Bei Kartoffeln, Soja, Weizen und Mais kommt es zu Einbußen zwischen 17 und 23 Prozent.

"Pflanzenkrankheitserreger und Schädlinge reduzieren den Ertrag und die Qualität der landwirtschaftlichen Produktion", schreiben die Forscher. Jedoch ließen sich quantitative, standardisierte Informationen zu Ernteverlusten nur schwer über Kulturpflanzen, Agrarökosysteme und Regionen hinweg zusammenstellen.

137 Krankheiten und Schädlinge für Weizen, Reis, Mais, Kartoffeln und Sojabohnen

Deshalb entwickelten Nelson und Kollegen einen Fragebogen, den sie an Mitglieder der International Society for Plant Pathology in vielen Teilen der Welt schickten. Die 2017 erhobenen Daten bildeten die Basis für die Analysen der Studie.

Die untersuchten Anbaugebiete decken zwischen 69 Prozent (Kartoffeln) und 95 Prozent (Sojabohnen) des weltweiten Anbaus der jeweiligen Feldfrucht ab. Die Wissenschaftler führen nicht weniger als 137 Krankheiten und Schädlinge für Weizen, Reis, Mais, Kartoffeln und Sojabohnen auf.

Die Ernteverluste sind sehr ungleich verteilt. So liegen die Ernteausfälle für Reis, Mais und Kartoffeln in der Indus-Ganges-Ebene auf dem indischen Subkontinent teilweise deutlich über dem weltweiten Durchschnitt. Für Afrika südlich der Sahara gilt dies ebenfalls, zwar nicht für Kartoffeln, dafür aber für Weizen. In dieser Weltregion wiegen die Verluste besonders schwer, weil die regulären Erträge viel geringer sind als im Weltdurchschnitt.

Hohe Verluste in Europa beim Weizen

Doch selbst der Nordwesten Europas, zu dem in der Studie auch Deutschland zählt, ist nicht vor hohen Ernteverlusten gefeit: Rund 25 Prozent betragen sie bei Weizen. In China liegt der Wert sogar bei 28,1 Prozent und auch beim Reis liegt China mit 32,2 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt. Bei Sojabohnen sind die Ernteverluste im Süden Brasiliens, Paraguay, Uruguay und Argentinien sowie im mittleren Westen der USA und in Kanada am größten.

Auch in den Ursachen unterscheiden sich die Ernteverluste sehr. Der höchste Verlust durch einen einzelnen Schädling beträgt 9,3 Prozent, nämlich durch winzige Würmer namens Zystennematoden bei Sojabohnen im mittleren Westen der USA und in Kanada. Ebenfalls sehr hoch (8,9 Prozent) sind die Weizenverluste durch den Getreideschwarzrost in Afrika südlich der Sahara. Beim Getreiderost handelt es sich um den Pilz Puccinia graminis.

Höchste Verluste beim Reis

Beim Reis, der insgesamt die höchsten Verluste durch Krankheiten und Schädlinge aufweist, verursachen der Pilz Thanatephorus cucumeris und die Motte Chilo suppressalis (jeweils 8,75 Prozent) die größten Schäden. Beim Mais gilt unter anderem der Heerwurm als ein Problem, der bisher Ernten vor allem in Afrika bedroht hat.

"Diese Analyse liefert wichtige Informationen, um das Management der Pflanzengesundheit zu priorisieren und die Nachhaltigkeit von Agrarökosystemen bei der Erbringung von Dienstleistungen für Gesellschaften zu verbessern", schreiben die Wissenschaftler. Sie hoffen nach eigenem Bekunden, dass ihre Studie die Grundlage für politische Maßnahmen und langfristige Forschungsprojekte bildet.

Wie eine immer weiter wachsende Weltbevölkerung zu ernähren ist, diese Frage beschäftigt Forscher rund um den Globus. Dabei geht es auch um die Frage, wie viele der Ackerflächen etwa für die Produktion von Tierfutter oder Biosprit genutzt werden - oder darum, wie man gegen vom Klimawandel verursachte Ertragsminderungen und Nährstoffverluste bei Pflanzen vorgehen kann.

Stefan Parsch, dpa/chs

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