Langlebigkeit Genmutation setzt Fliegen auf Diät

Ein verändertes Gen erhöht die Lebenserwartung von Taufliegen auf das Doppelte. Warum das so ist, konnten Forscher jetzt entschlüsseln: Offenbar halten die Mutanten unfreiwillig Diät.


Kopf einer Taufliege: Länger leben mit Genmutation
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Kopf einer Taufliege: Länger leben mit Genmutation

Der Traum vom genetisch verlängerten Leben ist zumindest bei der Taufliege, lateinisch Drosophila melanogaster, schon Realität. Eine vor zwei Jahren entdeckte Mutation des so genannten Indy-Gens sorgt dafür, dass die Insekten im Schnitt nicht schon nach fünf Wochen, sondern erst nach rund zweieinhalb Monaten sterben. Wie das Erbmerkmal funktioniert, konnte jetzt ein Forscherteam unter deutscher Beteiligung zeigen.

Wie Felix Knauf vom Berliner Max-Delbrück-Centrum gemeinsam mit US-Kollegen nachwies, drosselt die Genmutation die normale Umwandlung von Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß zu Energie. Die Taufliegen werden, wie es Knauf formuliert, auf eine "genetisch bedingte Diät" gesetzt. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher in einer Online-Veröffentlichung des US-Fachblatts "Proceedings of the National Academy of Sciences" vor.

Die neuen Untersuchungen bauen auf Studien von Blanka Rogina und Stephen Helfand von der University of Connecticut auf. Die auch jetzt wieder beteiligten Forscher hatten die lebensverlängernde Genmutation entdeckt und im Dezember 2000 in "Science" beschrieben. Sie gaben dem Erbmerkmal, das vor allem in Zellen des Verdauungstraktes aktiv ist, den scherzhaften Namen Indy - für "I'm not dead yet" (Ich bin noch nicht tot).

Bislang war allerdings unklar, weshalb Taufliegen mit der Genmutation so alt werden. Knauf und seine Kollegen haben jetzt das vom Gen produzierte Indy-Protein näher untersucht. Das Eiweiß ist, wie die Wissenschaftler herausfanden, für den Transport von Stoffwechselprodukten zuständig. Die Genvariante schränkt diese Fähigkeit offenbar ein, so dass eine Lücke in der Energieumwandlung entsteht.

Fliegen, bei denen das Indy-Gen mutiert ist, verwerten deshalb nicht die gesamte aufgenommene Nahrung - sie specken ab und leben damit gesünder und länger. Womöglich, so die Forscher, lässt sich dieses Erbmerkmal in Zukunft auch beim Menschen nachweisen. Ein Ziel könnte es dann sein, die Produktion des Indy-Proteins medikamentös so zu beeinflussen, dass sich die Lebenserwartung des Behandelten erhöht.

Einen Erfolg werden aber auch solche Medikamente kaum garantieren können: Schon bei den Fliegen ist der Zusammenhang zwischen Indy-Gen und Lebenserwartung keineswegs ganz eindeutig. Nicht alle Tiere, die ein mutiertes Erbmerkmal aufweisen, leben länger. Und umgekehrt erreichen auch einige Insekten ohne die Genveränderung ein stattliches Alter.



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