Langzeitmission Umzug ins All

Noch ist die Toilettenspülung kaputt in der Internationalen Raumstation. Dennoch machen sich heute drei Astronauten auf den Weg in ihre neue Bleibe.




Lebenswichtig: Die Klospülung an Bord
NASA

Lebenswichtig: Die Klospülung an Bord

Baikonur - Weder die Klospülung noch die Klimaanlage wird funktionieren, wenn die drei Astronauten nach einer zwei-Tages-Reise in der Station im All ankommen. Und ihr Sauerstoff wird gerade für zwei Tage ausreichen. Die erste Aufgabe der russisch-amerikanischen Besatzung wird demnach die Ingangsetzung der lebenswichtigen Einrichtungen an Bord der Internationalen Raumstation ISS sein.

Die Kosmonauten Juri Gidsenko und Sergej Krikaljow und ihr amerikanischer Kommandeur William Shepherd werden während ihres Aufenthaltes die Station, ihre Einrichtung und Geräte auf ihre Funktionsfähigkeit überprüfen. "Ich glaube, dass wir die erste Zeit viel mit Reparaturen beschäftigt sind", sagte Shepard. Die Männer sollen außerdem ein Computernetz installieren, um die Systeme der Station vom Laptop aus steuern zu können.

Der Start der drei Astronauten von Baikonur zur Raumstation ist für Dienstagmorgen vorgesehen. Nach Beseitigung eines letzten technischen Problems an der Trägerrakete "Sojus-U" im russischen Weltraumbahnhof Baikonur in der Steppe Kasachstans gab die russische Raumfahrtbehörde grünes Licht für den Start der ersten Langzeitbesatzung.

Am Sonntag wurde die Rakete bereits zur Startrampe transportiert und aufgerichtet. Heute wurde sie aufgetankt. "Wir haben bis zum frühen Morgen gearbeitet, aber jetzt gebe ich volle Garantie dafür, dass alles normal verläuft", sagte Juri Semjonow, Leiter des russischen Raumfahrtkonzerns Energija.

Im Gegensatz zu ihren Vorgängern sollen die Astronauten nicht schon nach wenigen Tagen zurückkehren, sondern vier Monate oder länger auf der Station bleiben. Von Gemütlichkeit kann dort allerdings kaum die Rede sein: Nur zwei der Astronauten haben Ruheräume von der Größe einer Abstellkammer, der dritte muss sich anschnallen, wo er gerade Platz findet. Auch der Arbeitsalltag wird nicht leicht: zwölf Stunden am Tag, sechs Tage die Woche - Sonntags wird geruht, per Video mit der Familien gesprochen oder E-Mails verschickt.

Im Gegensatz zu ihrem amerikanischen Kommandeur haben die beiden russischen Kosmonauten mehr Erfahrungen im All vorzuweisen. Insgesamt erst drei Mal ist Shepherd in einer Raumfähre geflogen, war seit acht Jahren nicht mehr im All und noch nie an Bord einer Raumstation. Doch die NASA bestand von Anfang an darauf, dass ein Amerikaner die Leitung der Crew übernehmen soll. Auf kritische Stimmen reagierte Shepherd jedoch gelassen: "Wir werden als Team arbeiten. Wer anführt, muss manchmal auch folgen können."

Die ISS war mit zweijähriger Verspätung erst im Sommer diesen Jahres fertig gestellt worden. Sie soll einen dauerhaften Aufenthalt von Menschen im All ermöglichen. Bereits mehrere Vorgänger hatten das Ziel. Berühmteste ist die "Mir"-Station, die seit mehr als zehn Jahren im All ist und demnächst mal wieder verschrottet werden soll.

Die Mannschaften der ISS sollen immer wieder ausgetauscht und die Station nach und nach bis auf ihre geplante Größe erweitert werden. Dies soll jedoch frühestens im Jahr 2006 abgeschlossen sein. Danach könnten dann die Aufenthalte der Astronauten noch länger werden.



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