Langzeitstudie Anti-Baby-Pille erhöht Krebsrisiko nicht

Die Einnahme der Anti-Baby-Pille ist nicht mit einem allgemein erhöhten Krebsrisiko verbunden. Eine britische Langzeitstudie ergab bei einzelnen Krebsarten sogar eine Verringerung der Tumorgefahr.


London - Als die Anti-Baby-Pille Anfang der sechziger Jahre auf den Markt kam, revolutionierte sie das Liebesleben. Sex ohne das Risiko, schwanger zu werden - darauf schienen Frauen wie Männer weltweit gewartet zu haben. Schätzungen zufolge waren es um die 300 Millionen Frauen, die in den vergangenen 40 Jahren regelmäßig zur Pille gegriffen haben.

Anti-Baby-Pille: Einnahme eher von Vorteil als von Nachteil
GMS

Anti-Baby-Pille: Einnahme eher von Vorteil als von Nachteil

Allerdings geriet die Pille von Anfang an wegen ihrer teils starken Nebenwirkungen in die Kritik: Kopfschmerzen, Migräne, Gewichtszunahme waren nur einige davon. Später geriet das Hormonpräparat auch unter den Verdacht, das Brustkrebsrisiko zu erhöhen.

Eine Langzeitstudie der University of Aberdeen gibt nun Entwarnung: Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme der Anti-Baby-Pille und einem allgemein erhöhten Krebsrisiko, berichten Philip Hannaford und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "British Medical Journal". Tatsächlich hätten Frauen, die mit Pille verhüteten, mitunter sogar ein geringeres Risiko, an Krebs zu erkranken.

Zu Beginn der Studie im Jahr 1968 hatten die Wissenschaftler die Daten von 46.000 Frauen erfasst - ihr Durchschnittsalter lag bei 29 Jahren. 23.000 von ihnen nahmen die Pille oder hatten sie in der Vergangenheit eingenommen, die restlichen 23.000 hatten keine Erfahrung mit dem Verhütungsmittel. In den folgenden 36 Jahren verfolgten die Forscher die Krankengeschichte der Teilnehmerinnen mit Hilfe ihres Hausarztes oder über die Erfassung im nationalen Gesundheitsdienst. Anschließend berechneten sie unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren wie Alter, Anzahl der Geburten, Rauchgewohnheiten und sozialem Status sowohl die Risiken für spezielle Krebserkrankungen als auch das allgemeine Krebsrisiko.

Ergebnisse gelten nur für ältere Pillengeneration

Insgesamt gab es in der Pillengruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe kein erhöhtes Risiko. Im Gegenteil: Die Einnahme der Pille senkte die Wahrscheinlichkeit, eine Krebserkrankung zu bekommen, sogar um 12 Prozent. Das entspreche etwa einem Krebsfall pro 2200 Frauen im Jahr weniger, erklären die Wissenschaftler. Der Effekt lasse sich hauptsächlich auf ein vermindertes Darm-, Gebärmutter- und Eierstockkrebsrisiko zurückführen - eine Wirkung, die auch noch Jahre nach dem Ende der Pilleneinnahme nachweisbar gewesen sei. Auf die Häufigkeit von Brustkrebs, der in früheren Studien mit den Hormonpräparaten in Verbindung gebracht worden war, habe das Verhütungsmittel hingegen keinen Einfluss gehabt.

Wurde die Pille allerdings länger als acht Jahre eingenommen - was auf ein Viertel der erfassten Frauen zutraf -, erhöhte sie das Risiko für Gebärmutterhalskrebs und Tumoren im zentralen Nervensystem.

Die Ergebnisse der britischen Forscher bestätigen frühere Studien. Im Jahr 2005 hatten Mediziner der International Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon festgestellt, dass von der Pille durchaus eine Krebsgefahr ausgeht. Sie fördere das Risiko für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Leberkrebs. Allerdings mindere das Hormonpräparat zugleich die Gefahr, an Eierstock- und Gebärmutterschleimhautkrebs zu erkranken. Die Lyoner Krebsforscher hatten Dutzende existierende Studien zum Thema Hormonpillen und Krebs untersucht und neu bewertet.

Neu an der nun publizierten Langzeitstudie ist die Aussage, dass die Pilleneinnahme insgesamt eher von Vorteil als von Nachteil ist. Interessant seien die Daten hauptsächlich für die Frauen, die in den späten sechziger Jahren mit der Einnahme der Pille begonnen hätten, betonen die Forscher. Sie könnten allerdings nicht ohne Weiteres auf die aktuelle Situation übertragen werden, da sich mittlerweile die Präparate, die Einnahmedauer und andere medizinische Faktoren stark verändert hätten.

Die Diskussion um die Krebsgefahr von Hormonpräparaten ist deshalb noch lange nicht zu Ende. Im Dezember hatte eine US-Studie für Aufsehen gesorgt, in der behauptet wurde, der Rückgang der Brustkrebsdiagnosen in Amerika hänge mit der sinkenden Zahl von Hormontherapien zusammen.

hda/ddp/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.