Langzeitstudie Sterben Schlafmützen früher?

Schon acht Stunden Schlaf könnten zu viel sein: Bei Langschläfern ist, so eine US-Studie mit über einer Million Teilnehmern, die Sterblichkeitsrate deutlich höher.


Wer lange in den Federn bleibt, könnte sein Leben im wörtlichsten Sinne verschlafen: Nach einer umfangreichen US-Studie ist die Sterblichkeitsrate bei Menschen, die im Schnitt acht Stunden schlummern, um 12 Prozent größer als bei Personen mit sieben Stunden Schlaf. Selbst mit einem knappen Schlaf von fünf Stunden ist die Lebenserwartung höher als bei der oft empfohlenen Acht-Stunden-Dosis, so die Untersuchung.

Schlafender Mann: Sind acht Stunden ungesund?
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Schlafender Mann: Sind acht Stunden ungesund?

Die Arbeit der Wissenschaftler von der University of California in San Diego und der American Cancer Society beruht auf einer beeindruckenden Datenmenge: In den achtziger Jahren gaben über eine Million Amerikaner für eine Studie zur Krebsvorsorge auch Auskunft über ihre Schlafgewohnheiten, die Sterblichkeit wurde über einen Zeitraum von sechs Jahren ermittelt.

Um Verfälschungen des Ergebnisses auszuschließen, berücksichtigten die Forscher Risikofaktoren wie frühere Krankheiten, mangelnde Bewegung oder Rauchen. Wie die Auswertung der Schlafdaten ergab, war die Sterblichkeitsrate nicht nur bei einer durchschnittlichen Schlafdauer von mindestens acht Stunden, sondern auch bei weniger als vier Stunden deutlich erhöht. Seine Studie veröffentlicht das Team in der Fachzeitschrift "Archives of General Psychiatry".

Wie die Analyse außerdem nahe legt, scheint sich die Schlaflosigkeit, über die manche Teilnehmer klagten, nicht negativ auszuwirken. Menschen, die Schlaftabletten zu sich nahmen, besaßen dagegen eine geringere Lebenserwartung. Kritiker bemängeln jedoch an der Untersuchung, dass die Befragung für die Bedürfnisse einer Schlafstudie zu allgemein gewesen seien.

Auch die Autoren selbst sind vorsichtig mit Schlussfolgerungen: "Wir wissen nicht, ob lange Schlafperioden tatsächlich zu einem früheren Tod führen", räumt Teamleiter Daniel Kripke ein. Erst weitere Studien könnten, so der Schlafforscher von der University of California, den statistischen Zusammenhang untermauern.

Immerhin hat Kripke eine gute Nachricht für gemäßigte Kurzschläfer: "Wer in der Nacht im Schnitt 6,5 Stunden schläft, kann beruhigt sein, denn das ist eine sichere Schlafmenge", sagt der Wissenschaftler. "Vom gesundheitlichen Standpunkt aus gibt es keinen Grund, länger zu schlafen."



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