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Proteste gegen Rohstoffförderung: "No al Litio"

Fotoprojekt zur Lithium-Förderung in Argentinien Wir stromern auf ihre Kosten

Bisher haben die Menschen im Nordwesten Argentiniens von Viehzucht, Tourismus und Salzherstellung gelebt. Nun soll dort Lithium gefördert werden, es brandet Protest auf. Fotograf Felix Dorn hat den Zwist dokumentiert.

Für Eilige: Hier geht es direkt zu den Fotos von Felix Dorn.

Die Salinas Grandes del Noroeste sind ein Land der Extreme. Rund 3500 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, gehört der gut 200 Quadratkilometer große Salzsee im Nordwesten Argentiniens zur Hochwüste der Puna. Regen fällt hier oben nur extrem wenig, bestenfalls Büsche und kleine Sträucher wachsen in der Gegend. Die Temperaturen zwischen Tag und Nacht können sich um 40 Grad unterscheiden.

Die Menschen hier haben lange Zeit nomadisch gelebt. Die Viehzucht ist auch bis heute wichtig, rund hundert bis 150 Lamas pro Familie sind keine Seltenheit. Und noch etwas gibt es, mit dem die Einwohner der Gegend, die oft in Lehmhäusern leben, ihr Geld verdienen: "Seit mehreren Jahrhunderten ist der Salzabbau für die Menschen hier wichtig", sagt Felix Dorn.

Der in Deutschland geborene und derzeit im österreichischen Innsbruck lebende Fotograf und Filmemacher ist viel in der Puna unterwegs. Er weiß, wie durch tektonische Veränderungen am Osthang der Anden vor fünf bis zehn Millionen Jahren gleich mehrere Flüsse ihren Abfluss verloren, wie ihr Wasser seitdem in der sengenden Sonne verdunstet - und wie dadurch große Mengen an Salz zurückbleiben, Natriumchlorid in Speisequalität.

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Proteste gegen Rohstoffförderung: "No al Litio"

Für eine Promotionsarbeit in Geografie untersucht Dorn, wie sich das Leben der Menschen verändert, seit dem klar ist, dass sich unter den Salinas Grandes noch ein weiterer, bisher angehobener Schatz findet: Lithium. Das Leichtmetall ist Bestandteil einer Salzlösung, die sich unterhalb der Seeoberfläche fördern lässt. Lässt man die Flüssigkeit verdunsten, kann so über längere Zeit das Lithium gewonnen werden.

Der Rohstoff ist einer der entscheidenden Faktoren für die Zukunft der weltweiten E-Mobilität. Schließlich stecken etwa zehn bis 20 Kilogramm davon in jeder Batterie eines Elektroautos. Gefördert wird Lithium bisher unter anderem in Australien und Chile. In den vergangenen Jahren hat sich aber auch Argentinien um eine Ausweitung der Produktion bemüht. Die Regierung verspricht sich davon Steuereinnahmen und Jobs. So wird am Salar del Hombre Muerto und am Salar de Olaroz-Cauchari bereits Lithium gewonnen.

Auch an den Salinas Grandes soll die Produktion anlaufen, so möchte es zum Beispiel die Regierung der wirtschaftlich bisher eher schwachen Provinz Jujuy. Exportiert werden könnte der Rohstoff über den chilenischen Hafen Antofagasta in die Batteriefabriken Asiens. Doch die indigenen Gemeinschaften rund um den Salzsee wollen das verhindern. Eines ihrer Argumente ist das knappe Wasser. Je nachdem, mit welchen Zahlen man operiert, steht bei der Lithiumproduktion ein Wasserverbrauch von bis zu zwei Millionen Litern pro gewonnene Tonne des Rohstoffs zu Buche.

"Das Grundwasser in der Region ist fossiles Wasser. Das ist nicht erneuerbar", sagt Dorn. Das heißt, die Vorkommen sind Tausende Jahre alt und sind nicht Teil des Wasserkreislaufs. Für die Tierhaltung wäre fehlendes Wasser ein massives Problem. Bereits jetzt müsse man 30 Meter tief bohren, um an Grundwasser zu kommen. Bei seinen Reisen in der Gegend hat Dorn aber auch noch einen weiteren Faktor ausgemacht, der den Widerstand anstachelt: Es ist der Wunsch der indigenen Bevölkerung, aktiv ihr Territorium zu verteidigen und ihre Selbstbestimmung zu wahren.

Der argentinische Staat sei in der Region lange Zeit wenig präsent gewesen, sagt Dorn. Im Zuge der Lithiumförderung ändere sich das gerade. Und das gefalle nicht jedem. "Natürlich ist Wasser ein Problem, aber für die indigenen Gemeinschaften geht es um mehr."

Statt Rohstoffsuchern will man lieber Touristen

Zuletzt habe es im Februar dieses Jahres größere Proteste gegeben, als Bergbaufirmen an mehreren Stellen Explorationen unternommen hätten - und zwar ohne vorherige Gespräche mit den Bewohnern, aber mit Zustimmung der Provinzregierung von Jujuy. Die rund 7000 Bewohner der Gegend würden, so beschreibt es Dorn, statt der Lithium-Sucher lieber mehr Touristen in ihrer Heimat begrüßen. In den vergangenen zehn Jahren hätte sich der Fremdenverkehr bereits gut entwickelt. Bisher besuchten allerdings vor allem Tagestouristen Salinas Grandes. Gerade erst sei das Gebiet zu einem der "Sieben Wunder Argentiniens" gekürt worden.

Wie die Sache nun am Ende ausgehe, ob das Lithium trotz des Widerstands der Bewohner gefördert werde? Dorn denkt bei dieser Frage einige Zeit nach. Dann sagt er: "Am Ende gewinnt doch immer das Kapital."

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