London Verschollenes Grab von britischem Entdecker bei Bau von Bahntrasse entdeckt

Der britische Entdecker Matthew Flinders hat als erster Europäer Australien umsegelt. Lange war unbekannt, wo er bestattet wurde. Wegen eines speziellen Brustpanzers wurden Archäologen nun fündig.
Ausgrabungen in London

Ausgrabungen in London

Foto: Hs2 Ltd/ dpa

Schon als Kind soll Matthew Flinders von Reisen in ferne Länder geträumt haben. Als der Brite, angestachelt von der Lektüre des berühmten "Robinson Crusoe"-Romans von Daniel Defoe, im Jahre 1789 schließlich zur Royal Navy ging, war der Grundstein für eine Entdeckerkarriere gelegt. Da war Flinders noch ein Teenager.

Vor allem in den Pazifik und nach Australien führten ihn seine Reisen. Er gilt heute als der erste bekannte europäische Umsegler des Südkontinents. Auf Flinders geht sogar der Name Australien zurück, den er für das bis dahin Neuholland genannte Gebiet vorschlug.

Deshalb ist heute vieles in Australien nach ihm benannt. Etwa ein Fluss (Flinders River), eine Insel (Flinders Island) oder ein Gebirgszug (Flinders Ranges). Und in Melbourne gibt es die Flinders Street Station, einer der größten Bahnhöfe der Stadt.

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Doch ein Rätsel blieb lange, wo genau der Entdecker begraben wurde. Sicher war: Man hatte ihn nach seinem frühen Tod mit gerade einmal 40 Jahren am 23. Juli 1814 auf dem Friedhof St. James's Garden in London bestattet. Doch irgendwann in den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts war bei einem Ausbau des Friedhofsgeländes sein Grabstein verschwunden. Mehr als 170 Jahre hatten die Leichenteile als verschollen gegolten.

Doch nun haben Archäologen das Grab mit den menschlichen Überresten von Flinders ausfindig machen können. Denn der ehemalige St.-James-Friedhof neben der Euston Station liegt auf einem Grundstück, das für den Bau der geplanten Hochgeschwindigkeits-Bahntrasse High Speed 2 vorbereitet wird. Deshalb dürfen auch die Archäologen noch einmal auf dem Gebiet nördlich des Stadtzentrums im Erdreich wühlen und die alten Gräber untersuchen. Und tatsächlich gelang es, den berühmten Entdecker zu identifizieren.

Brustpanzer von Matthew Flinders

Brustpanzer von Matthew Flinders

Foto: Hs2 Ltd/ dpa

"Wir hatten Glück, dass Kapitän Flinders einen Brustpanzer aus Blei hatte", sagte Archäologin Helen Wass, die die Ausgrabungen leitet. Das habe die Identifizierung unter den Überresten von etwa 40.000 Verstorbenen erleichtert. Jetzt könne sein Skelett untersucht werden. Denn möglicherweise hat sein Leben auf See nachweisbare Spuren hinterlassen.

Auf dem Friedhof waren auch andere berühmte Persönlichkeiten begraben, darunter James Christie, der Gründer des Auktionshauses Christie's. Die Überreste von Flinders und anderen sollen demnächst an einem anderen Ort bestattet werden. Wo genau, steht noch nicht fest.

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Flinders hatte als Kapitän des Schiffes "HMS Investigator" zusammen mit dem Engländer George Bass und dem australischen Ureinwohner Bungaree zwischen Juli 1802 und Mai 1803 Australien umsegelt. Diese Reise soll damals den Europäern den Beweis geliefert haben, dass Australien ein einziger Kontinent war und nicht zwei getrennte Landmassen, wie damals vielfach angenommen wurde.

joe/dpa
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